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vorkomme. — Man habe ferner behauptet, das Studium der neueren
Sprachen werde durch einen vorhergegangenen Unterricht im Lateinischen
wesentlich gefördert; letzteres sei namentlich für die romanischen
Sprachen Schloß und Schlüssel. Dem sei jedoch entgegenuhalten,
daß der voraufgehende lateinische Unterricht thatsächlich
für die darauf folgende Erlernung des Französischen viel weniger
Vortheile gewähre, als letzteres, wenn es voraufgehe, für das erstere
biete. — Wenn man endlich sage, das voraufgehende Latein befähige
den französischen Unterricht, praktischer zu sein, so verkenne
man ganz und gar die Bedeutung der Unterrichtsfächer für die
Schule. Ein Unterricht, der blos aus praktischen Gründen Werth
habe, gehöre gar nicht in die Schule.
Es sei möglich, daß augenblicklich noch das Lateinische mehr
didaktisch durchgebildet sei als die neueren Sprachen, obwohl man
#“ in einer starken Täuschung wiege, wenn man von einer festtehenden
Methode des lateinischen Unterrichts rede; auch müsse er
zugeben, daß es mehr Lehrer gebe, welche im Stande seien, in
einer Serta Latein zu lehren, als solche, welche in dieser Classe
einen fruchtbaren französischen Unterricht ertheilen könnten. Aber
diese Einwürfe würden blos dann von Bedeutung sein, wenn es
sich darum handelte, den höheren Lehranstalten den Anfang des
fremdsprachlichen Unterrichts mit dem Französischen zu oktroyiren,
lasse sich aber nicht gegen den Anspruch verwenden, daß eine solche
Einrichtung nur gestattet werden möge.
Clr. Ostendorf erklärte schließlich, er sei überzeugt, daß wenn
gestattet werde, seinen Plan, welcher nichts Absonderliches enthalte
und dessen Grundgedanken von manchen Männern auf realistischer
und selbst auf gymnasialer Seite getheilt würden, auszuführen,
diese Ausführung im großen und ganzen — denn über Einzelnheiten
könne man sehr wohl streiten — Nachahmung finden und daß in
nicht zu langer Zeit schon der Mangel an Lehrern eine andere
Organisation des höheren Schulwesens mit Nothwendigkeit herbeiführen
werde. Gerade deshalb aber sei es zweckmäßig, die Ausführung
seines Planes zu gestatten, damit später plötzliche Umwälzungen
vermieden würden.
Gegen den Antrag des Dir. Ostendorf wurde eingewendet
(Jäger), daß der entwickelte Plan neu und unter den Fachgenossen
noch nicht hinlänglich erwogen worden sei, um in einer Versammlung
discutirt zu werden, welche, wie die gegenwärtige, zur Berathung
alsbald in die Praxis überzuführender Einrichtungen berufen
sei. Von derselben Seite wurde erklärt, die Ausführung des
Planes sei eine moralische Unmsglichkeit; es sei nicht möglich, drei
Jahre nach dem franzöfischen. Kriege in Deutschland die französische
Sprache für die Basis des höheren wisfenschaftlichen Studiums