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jetzige Geheimrat Professor Dr. Friedländer hielt einen
Vortrag über das Volkslied und machte den Vortrag dadurch
ganz ungemein wirksam, daß er die besprochenen Volkslieder und
Gassenhauer selbst sang (mit L#lvierbegleitun np). Wir haben den
Königl. Musikdirektor A. Becker in Köpenick veranlaßt, einen
ähnlichen Vortrag für ländliche Gemeindeabende auszuarbeiten.
(Siehe die unten angeführte Schrift Beckers.)
Ein fervorragendes Beispiel für die Pflege des kirchlichen
Gesanges gab Dr. Friedrich Spitta (jetzt Professor der
Theologie in Straßburg i. Els.) während seiner Tätigkeit als
evangelischer Pfarrer in der Gemeinde Oberkassel bei Bonn.
Er richtete Gesangstunden zunächst für die Männer der
Gemeinde, dann für gemischten Chor ein. Dr. Spitta förderte
die gesanglichen Leistungen zu einer für ländliche Verhältnisse ungewöhnlichen
Höhe. Es wurden öffentlich sogar die von Arnold
Mendelssohn bearbeiteten Schützschen Passionen nach Matthaeus
und Johannes aufgeführt. Auch verfaßte Dr. Spitta drei kirchliche
Festspiele, Weihnachten, Ostern und Pfingsten (Straßburg.
Heitz und Münche), die ebenfalls in der Kirche zu Oberkassel von
der Gemeinde gesungen wurden.
Von einem ähnlichen Vorgehen wurde uns aus dem Kreise
Biedenkorf berichtet, wo der Landrat v. Heimburg mit Hilfe
der Lehrer eine Volksliedersammlung veranstaltete. Möchten diese
schönen Beispiele in andern amtlichen Kreisen beachtet werden.
Daß die Bolksliebeflege auch von amtlichen Kreisen wirksam gefördert
werden kann, hat Landrat Büchting, jetzt in Limburg, in dem
früher von ihm verwalteten Oberwesterwaldkreise durch ein ebenso orl.
ginelles wie praktisches Beispiel bewiesen. Er besprach die Verwahrlosung
des Volksliedes in seinem Kreisausschusse und ließ sich von ihm beauftragen,
die Volkslieder in den Kreisorten ## sammeln, um dann die
Sammlung wieder ins Volk zu bringen. er Landrat fand in allen
Teilen c Kreises und bei allen Ständen willige Unterstützung und
brachte namentlich mit Hilfe der Lehrer ein kleines Liedecheft zustande,
das in 1000 Exemplaren auf Kosten des Kreisausschusses gedruckt und
auf den landwirtschaftlichen Festen mit 10 Pfg. das Stück verkauft wurde.
Der Erfolg war ein geradezu glänzender. Alle Welt kaufte die Büchelchen,
so daß die Kosten vollständig gedeckt wurden. Die Emeiischaftlich
esungenen Lieder hallten nun voller und stärker als früher durch die
8 “— Täler dahin, weil jetzt ein jeder den Text vor sich hatte. Heute,
nach einer Reihe von Jahren, sind bereits mehrere tausend Exemplare
des nach und nach verbesserten Büchelchens im Kreise zum Verkauf und
zur Verteilung gelangt. Bemerkenswert ist noch, daß zwei in den Hauptorten
des Kreises wo nende Buchbinder, die Papier, Formulare usw. für
die Gemeinden zu liefern pflegen, den Verlauf der Büchelchen zu 12 Pfg.
kür das Stück übernommen haben und ihrerseits dem Kreisausschuß
10 Pfg. wieder zurückerstatten. In #öhnricher Beil- eist der Touristenklub
für den ganzen Westerwald, der „Westerwaldklub“, dessen
Vorsitzender Landrat Süchting war, vorgegangen. Die von ihm gecheffene
Liedersammlung wird bei den Generalversammlungen benutzt
von den einzelnen Untervereinen vertrieben. Die Melodien der