Full text: Kaiser Wilhelm II. Aus meinem Leben 1859-1888.

beschäftigt haben, in ganz besonderem Maße der Wasserbau und die 
Entwicklung des Eisenbahnnetzes, zumal in dem darin zurückgebliebenen 
Osten. 
Zu meiner Ubung mußte ich auch in Besprechungen Vorträge 
halten, sowie in einem höheren Berwaltungskörper den Vorsitz über- 
nehmen. Im März 1883 wohnte ich einer Sitzung des Provinzial- 
landtages im Ständehause bei. Damtt schloß dieser Teil meiner 
Zivflausbildung vorläufig ab. 
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Während der Kaiserzusammenkunft in Gastein im August 1886, 
auf die ich weiter unten noch ausführlich zurückkomme, erhielt ich 
einen wichtigen diplomatischen Auftrag. Dieser Vorfall gab dem 
Gürsten Bismarck Beranlassung, meiner Bitte um Einführung in die 
Auswärtige Polstik zuzustimmen; ich sollte zu diesem Zwecke die 
Geschäfte und den Dienstbetrieb des Auswärtigen Amtes aus eigener 
Anschauung kennen lernen. Mein Großvater genehmigte diesen Vor- 
schlag des Relschskanzlers sofort, so daß ich die Arbeit Ende Sep- 
tember bei Graf Herbert Bismarck, dem Staatssekretär des Auswär-- 
tigen Amtes, aufnehmen konnte. Erst nachträglich, am 17. Dezember, 
ordnete eine Kabinettsorder im einzelnen meine Tätigkeit im Amte: 
„.. Bezüglich der Art der Informierung des Prinzen Wilhelm 
bestimme ich, daß derselbe bei ein= oder zweimaligem Besuche in der 
Woche über die Einrichtung des Amtes, über die Berteilung der 
Geschäfte unter die Beamten in den einzelnen Abteilungen unter- 
richtet, sowie durch Vorlage und Erläuterung einzelner Depeschen 
über den Gang der Politik orientiert werde ..In einem Erlaß 
vom 8. September des nächsten Jahres bestimmte mein Großvater, 
daß im folgenden Winter meine Unterweisung fortgesetzt werden solle. 
Uber meine Tätigkeit selbst habe ich ebenfalls schon früher') mich 
*) Ereignisse und Gestalten S. ö6 f. 
  
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