Full text : Kaiser Wilhelm II. Aus meinem Leben 1859-1888.

lernte  dabei  immer  mehr  mich  als  Mitglied  der  großen  preußischen
Armee  fühlen.
Hinzpeter  freilich  sah  all  das  nur  mit  geteilten  Gefühlen  ...

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In  sedem  Jahre  wurde  regelmäsig  eine  längere  oder  bürzere  Reise
gemacht,  in  der  wir  uns  erholen  und  die  Welt,  insbesondere  unser
deutsches  Batkerland,  kennen  lernen  sollten.  Meist  wurden  wir  von
Hinzpeter  begleitet,  unsere  Eltern  nahmen  uns  nur  selten  mit,  da
sie  natürlich  gesellschaftliche  Berpflichtungen  zu  erfüllen  hatten  oder
die  Zeit  für  ihre  eigenen  Bildungs=  und  Erholungspläne  ausnutzten.

Auf  einer  Fußwanderung  mit  Hinzpeter  und  dem  mit  mir  ungefähr
  gleichaltrigen  Erbgroßherzog  Friedrich,  nachmaligem  Großherzog
von  Baden,  lernte  ich  im  Sommer  1867  den  schönen  Schwarzwald
kennen.  Der  ZJauber  der  noch  nie  geschauten  Berge,  das  geheimnisvoll
  düstere  Rauschen  der  hohen  Tannen  und  das  leise  Plätschern  der
Quellen  machte  auf  mein  Kindergemüt  starken  Eindruck.  Auch  entsinne
  ich  mich,  daß  wir  einmal  einen  Fernblick  auf  den  Hohenzollern
gehabt  haben,  so  daß  ich  damals  zum  ersten  Male  die  Stammburg
mesnes  Geschlechtes  zu  sehen  bekam.  Auch  daß  wir  eine  Uhren=  und
eine  Zigarettenfabrik  besucht  haben,  ist  mir  deutlich  in  Erinnerung  geblieben.
  Ich  weiß  auch  noch,  wie  beschwerlich  es  für  mich  auf  der
Wanderung  bei  der  großen  Hitze  war,  daß  Hinzpeter  uns  das  Wasesertrinken
  unterwegs  verboten  hatte.  Es  entsprang  das  einer  veralteten
hogientschen  Anschauung  der  damaligen  Zeit,  die  auch  im  Kriege  1866
viele  Opfer  gefordert  hat,  erst  später  erkannte  man,  daß  der  menschliche
Körper  auf  dem  Marsche  der  Flüssigkelt  bedarf  und  daß  ein  kalter
Trunk  nur  während  der  Ruhe  nach  dem  Marsche  schadet.

Im  Frühfahr  des  nächsten  Jahres  gingen  die  Eltern  mit  uns  nach
Reinhardsbrunn  in  Thüringen.  Dieser  Aufenthalt  ist  deshalb  bemerkenswert,
  weil  ich  damals  die  spätere  Katserin  zuerst  gesehen  und

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