Full text : Kaiser Wilhelm II. Aus meinem Leben 1859-1888.

die  gerade  von  der  Eröffnung  des  Suezkanals  zurückgekehrt  war  und
durch  ihre  reiche  und  luxuriöse  Einrichtung  auffiel.  Nachher  be—
suchten  wir  auch  das  Panzerschiff  „Provence“,  welches  damals  das
neueste  im  Geschwader  war  und  einen  gewaltigen  Eindruck  machte.
Im  Kriege  1870/71  hat  dieses  Schiff  bei  Helgoland  die  deutsche
Küste  mit  blockieren  helfen.

Zum  Schluß  der  Besichtigung  empfing  ich  noch  einen  unendlich
düsteren  und  niederdrückenden  Eindruck.  Es  wurden  uns  nämlich  die
der  Werft  angegliederten  „Bagnes“  gezeigt,  die  Gefängnisse  der  Galeerensträflinge.
  Entsetzlich  abstoßende  Verbrechergesichter  waren  dort
zu  sehen,  so  daß  uns  ein  Grauen  überkam.  Eine  Anzahl  Gefangener
waren  mit  Ketten  zusammengefesselt,  andere  mit  Kugeln  an  den  Füßen
oder  Fesseln  an  den  Händen  versehen,  alle  aber  trugen  Kappen,  die
entweder  rot  oder  grün  waren.  Die  Leute  hatten  einen  Basar,  in
welchem  Kokosnüsse,  Früchte  und  von  ihnen  verfertigte  kleine  Schnitzereken
  verkauft  werden  durften.  Als  Hinzpeter  einen  der  Verkäufer
fragte:  „A  duel  terme  étes-vous  condamné!“  7)  erhielt  er  die  erschütternde
  Antwort:  „A  perpétuité,  Monsieur!“)  Die  auf  eine
gewisse  Anzahl  Jahre  Verurteilten  trugen  rote  Kappen,  die  auf
Lebenszeit  grüne  —  und  dieser  trug  eine  grünel

Der  Rückweg  aus  diesen  fürchterlichen  Sälen  führte  uns  an  den
Liegebassins  vorbek,  die  mit  abgetakelten  Holzlinienschiffen,  Zwei=  und
Dreideckern  angefüllt  waren.  Diese  Schiffe,  die  zum  Teil  den  Krimkrieg
  und  Sebastopol  mitgemacht  hatten,  sollten  zu  Truppentransportern
  umgebaut  werden.  Unter  ihnen  war  ein  herrlicher  Typ:  der
große,  mit  hundert  Geschützen  bestückte  Dreidecker  „Ville  de  Baris“.
Als  ich  voller  Bewunderung  auf  dem  Deck  des  Schiffes  stand  und
die  lange  Reihe  Geschütze  betrachtete,  sagte  mir  der  alte  Konsul
Schencking:  „Ja,  ja,  sehr  schön,  aber  das  war  einmal!  Zetzt  taugen

*)  „Auf  wie  lange  sind  Sie  verurtellt?!“"
zu)  „Lebenslänglich,  Herr!“

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