Full text : Zeitschrift für die gesammte Staatswissenschaft. Neunter Band. Jahrgang 1853. (9)

216  Studien  über

reichste  Amt  war  Oberndorf  mit  der  erstaunlichen  Zahl  von  356,
das  ist  ein  Fall  auf  75  Menschen  oder  auf  15  Familien.

Das  Nächste,  was  bei  Betrachtung  dieser  Thatsachen  auffallen
muss,  ist  die  ausserordentlich  grosse  Zahl  der  Verganlungen  im
ganzen  Lande  überhaupt,  zunächst  aber  im  Neckar-  und  Schwarzwaldkreis.
  Unzweideutig  geht  daraus  hervor,  dass  die  allgemeinen
Klagen  über  den  herrschenden  Nothstand,  über  die  arge  Zerrüttung
  der  Vermögensverhällnisse  des  Volks,  wie  sie  allerorts
laut  werden  und  auch  oben  berührt  wurden,  keineswegs  übertrieben
  sind,  und  es  ist  in  der  That  ein  mehr  als  trüber  Gedanke,
wenn  man  sich  einerseits  die  Sorgen  und  den  Kummer  vorstellt,
in  welche  so  viele  Familien  gerathen  mussten,  bis  sie  zur  Vergantung
  gelangten,  und  dann  die  Noth  und  das  Elend,  nachdem
sie  endlich  vergantet  waren,  und  wenn  man  sich  dann  andrerseits
  auch  die  grossen  Vermögensverluste  vergegenwärtigt,  welche
die  Gläubiger  in  Folge  der  Zahlungsunfähigkeit  ihrer  Schuldner
erleiden.  Dabei  darf  man  auch  nicht  vergessen,  dass  die  oekonomischen
  Schäden,  die  hier  zu  Tag  kommen,  nur  die  eine
Seite  des  traurigen  Bildes  ausmachen.  Die  sittlichen  Nachtheile,
die  damit  eng  verbunden  sind,  der  Leichtsinn  und  die  allmälig
sich  steigernde  Gleichgültigkeit  gegen  Bankerolte  und  gegen  .die
bürgerliche  Ordnung  überhaupt,  der  sich  in  den  Herzen  verbreitende
  Hass  gegen  diejenigen,  die  noch  etwas  besitzen  und
gegen  die  Obrigkeit,  die  das  Recht  übt,  sind  die  viel  schlimmere
sociale  Seite  solcher  oekonomisch  unglücklichen  Zustände.

Viel  wichtiger  ist  für  die  vorliegende  Erörterung  der  auffallend
  grosse  Unterschied  in  der  Gantenzahl  unter  den  einzelnen
Landestheilen  und  Aemtern.  Von  den  vier  Kreisen  nämlich  hat
der  Donaukreis  noch  am  meisten  bäuerlichen  Grossbesitz.  Zunächst
  steht  der  Jagstkfeis,  der  zwar  in  seinem  südwestlichen
Theil  das  Maximum  des  Kleinbesitzes  im  Amt  Schorndorf  begreift,
  in  seinen  nordöstlichen  Aemtern  und  im  Amt  Welzheim
aber  sehr  viel  bäuerlichen  Grossbesitz  hat.  Dagegen  herrscht
der  Kleinbesitz  im  ganzen  Neckarkreis  enischieden  vor,  nur
mit  einigen  Ausnahmen  im  Strohgäu,  wo  sich  eigentliche  Bauern
erhalten  haben,  und  ebenso  gehört  der  Schwarzwaldkreis  im
Ganzen  dem  System  des  Kleinbesitzes  an  mit  vereinzelten