Full text: Staatsbürgerliche Belehrungen in der Kriegszeit. Band 2. (2)

124 F. Lusensky 
verarbeiten, zunächst für das Betriebsjahr 1914/15 und später auch für das 
Betriebsjahr 19 15/16 außer Kraft gesetzt worden sind. Neuerdings ist ferner 
geplant, Spiritus aus Sulfitzelluloselaugen nach einem Verfahren, das sich 
in Schweden bewährt hat, und aus Holz zu gewinnen. 
Die außerordentliche Knappheit an tierischen und pflanzlichen 
Fetten und Ölen sowie auch an mineralischen Ölen hat tief ein- 
greifende Beschränkungen in der Verwendung dieser Stoffe nötig gemacht. 
Der Verbrauch an Treib- und Schmieröl — sowie auch an Gummi — 
ist schon frühzeitig durch die auf Verminderung des Verkehrs mit Kraft- 
fahrzeugen abzielende Verordnung vom 25. Februar 1915 stark eingeschränkt 
worden. Indem hierdurch für die im Verkehr befindlichen Kraftfahrzeuge 
eine erneute Zulassung gefordert wurde, ist die Möglichkeit gegeben worden, 
die Fahrzeuge, die sportlichen oder Vergnügungszwecken zu dienen bestimmt 
waren, ganz auszuschalten, die dem öffentlichen Verkehr dienenden durch 
Verweisung des Publikums an sonstige Transportmittel bedeutend zu ver- 
mindern und dadurch die Zahl der Kraftwagen (rund 50 000) bis auf die 
Hälfte herabzusetzen. In gleicher Weise ist zufolge einer Verordnung vom 
20. Juli 1915 die Zahl der Motorboote um über 1000 vermindert worden. 
Der solchergestalt verminderte Bedarf an Schmieröl wurde dadurch sicher- 
gestellt, daß die Verwendung von Erdölpech zu andern Zwecken als zur Be- 
reitung von Schmieröl untersagt wurde. Inbesondere war hierdurch die her- 
stellung von Fußbodenöl verhindert. Außerdem wurde das Ölen der Fuß- 
böden, wozu immer noch 15 000 bis 20 000 Faß Mineralöl verbraucht wurden, 
überhaupt verboten. Alles Erdölpech ist, um seine Verwendung zur Her- 
stellung von Schmieröl sicherzustellen, an die Berliner Schmierölgesellschaft 
m. b. B., eine unter Mitwirkung sämtlicher großen Erdölgesellschaften auf 
gemeinnütziger Grundlage errichtete Kriegsgesellschaft, zu liefern. 
Nachdem durch diese Maßnahmen die bei Kriegsbeginn drohende 
Schmierölnot im wesentlichen beseitigt war, konnte dazu übergegangen 
werden, die Verwendung tierischer und pflanzlicher Fette und Öle zu 
Schmier- und ähnlichen Zwecken aufs äußerste einzuschränken und dadurch 
den so geringen Vorrat der zur menschlichen Ernährung bestimmten 
Fette und Öle zu vermehren. Der unmittelbare Verbrauch dieser 
Erzeugnisse, insbesondere von Rüböl und Talg, auch Tran, im Frieden 
ist für Schmierzwecke auf jährlich 8300 Tonnen, für Brennzwecke auf 
3500 Tonnen errechnet worden. Dieser Verbrauch kann unbederklich 
durch Mineralölerzeugnisse ersetzt werden. Nicht ganz verzichtet werden 
konnte auf die Verwendung pflanzlicher und tierischer Fette und Öle zur 
Herstellung von Brenn- und Schmiermitteln, die Mischprodukte darstellen 
und bei denen ein gewisser Fettgehalt unentbehrlich ist. Diesen Verhältnissen 
ist dadurch Rechnung getragen worden, daß, während die unmittelbare Ver- 
wendung pflanzlicher und tierischer Fette und Öle zu Schmier- und Brenn- 
zwecken verboten wurde, ihre Beimengung zu Mischprodukten insoweit zu- 
gelassen wurde, als deren Fettgehalt 25 % nicht übersteigt. Eine weitere 
bedeutende Einsparung an Öl ist dadurch erzielt worden, daß die Verwendung 
von Farben, die pflanzliche oder tierische Fette und Öle enthalten, zum