Volltext : Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz vom 22. Juli 1913.

Abschnitt  I.  Verfassung  des  Deutschen  Reichs.  5

Jedes  Mitglied  des  Bundes  kann  soviel  Bevollmächtigte  zum  Bundesrathe
ernennen,  wie  es  Stimmen  hat,  doch  kann  die  Gesammtheit  der  zuständigen
Stimmen  nur  einheitlich  abgegeben  werden.

Artikel  7.  Der  Bundesrath  beschließt:

1.  über  die  dem  Reichstage  zu  machenden  Vorlagen  und  die  von  demselben
  gefaßten  Beschlüsse;

2.  über  die  zur  Ausführung  der  Reichsgesetze  erforderlichen  allgemeinen
Verwaltungsvorschriften  und  Einrichtungen,  sofern  nicht  durch  Reichsgesetz
etwas  Anderes  bestimmt  istt#):

3.  über  Mängel,  welche  bei  der  Ausführung  der  Reichsgesetze  oder  der
vorstehend  erwähnten  Vorschriften  und  Einrichtungen  hervortreten.

Jedes  Bundesglied  ist  befugt,  Vorschläge  zu  machen  und  in  Vortrag  zu
bringen.  und  das  Präsidium  ist  verpflichtet,  dieselben  der  Berathung  zu
übergeben.

Die  Beschlußfassung  erfolgt,  vorbehaltlich  der  Bestimmungen  in  den  Artikeln
  5,  37  und  78,  mit  einfacher  Mehrheit.  Nicht  vertretene  oder  nicht
instrnirte  Stimmen  werden  nicht  gezählt.  Bei  Stimmengleichheit  giebt  die
Präsidialstimme  den  Ausschlag.  v
Bei  der  Beschlußfassung  über  eine  Angelegenheit,  welche  nach  den  Bestimmungen
  dieser  Verfassung  nicht  dem  ganzen  Reiche  gemeinschaftlich  ist,
werden  die  Stimmen  nur  derjenigen  Bundesstaaten  gezählt,  welchen  die  Angelegenheit
  gemeinschaftlich  ist2).  .

Artikel  8.  Der  Bundesrath  bildet  aus  seiner  Mitte  dauernde  Ausschüsse

1.  für  das  Landheer  und  die  Festungen;

2.  für  das  Seewesen;

3.  für  Zoll-  und  Steuerwesen;

4.  für  Handel  und  Verkehr;

5.  für  Eisenbahnen,  Post  und  Telegraphen;

6.  für  Justizwesen;

7.  für  Rechnungswesen  ).  „  .

In  jedem  dieser  Ausschüsse  werden  außer  dem  Präsidium  mindestens  vier
Bundesstaaten  vertreten  sein,  und  führt  innerhalb  derselben  jeder  Staat  nur
eine  Stimme.  In  dem  Ausschuß  für  das  Landheer  und  die  Festungen  hat
Bayern  einen  ständigen  Sitz,  die  übrigen  Mitglieder  desselben,  sowie  die  Mitglieder
  des  Ausschusses  für  das  Seewesen  werden  vom  Kaiser  ernannt;  die
Mitglieder  der  anderen  Ausschüsse  werden  von  dem  Bundesrathe  gewählt.
Die  Zusammensetzung  dieser  Ausschüsse  ist  für  jede  Session  des  Bundesrathes
resp.  mit  jedem  Jahre  zu  erneuern,  wobei  die  ausscheidenden  Mitglieder  wieder
wählbar  sind.  1

Außerdem  wird  im  Bundesrathe  aus  den  Bevollmächtigten  der  Königreiche
Bayern,  Sachsen  und  Württemberg  und  zwei,  vom  Bundesrathe  alljährlich  zu
wählenden  Bevollmächtigten  anderer  Bundesstaaten  ein  Ausschuß  für  die  auswärtigen
  Angelegenheiten  gebildet,  in  welchem  Bayern  den  Vorsitz  führt.

Den  Ausschüssen  werden  die  zu  ihren  Arbeiten  nöthigen  Beamten  zur
Verfügung  gestellt.  #

Artikel  9.  Jedes  Mitglied  des  Bundesrathes  hat  das  Recht,  im
Reichstage  zu  erscheinen  und  muß  daselbst  auf  Verlangen  jederzeit  gehört
werden,  um  die  Ansichten  seiner  Regierung  zu  vertreten,  auch  dann,  wenn
dieselben  von  der  Majorität  des  Bundesrathes  nicht  adoptirt  worden  sind.
Niemand  kann  gleichzeitig  Mitglied  des  Bundesrathes  und  des  Reichstages  sein  0.

 

1)  Verordnungsrecht  des  Kaisers:  Art.  50,  53,  63,  68.

2)  Vergl.  Art.  4,  1,  35  Abs.  2,  38,  46  Abs.  2,  52.  Ob  eine  solche  Angelegenheit
  vorliegt,  wird  der  Bundesrath  mit  einfacher  Mehrheit  zu  entscheiden  haben.

)  Durch  Beschluß  des  Bundesrathes  vom  27.  Mai  1871  ist  ein  weiterer,  aus
7.  Mitgliedern  und  2  Stellvertretern  bestehender  Ausschuß  für  Elsaß-Lothringen  gebildet
  worden.  Dazu  kommen  Ausschüsse  für  die  Verfassung  und  für  die  Geschäftsordnung.
  Die  Ausschüsse  haben  lediglich  vorbereitende,  berathende  Thätigkeit  zu  üben.
))  Bundesrathsmitglieder  als  solche  sind  zum  Reichstage  wählbar,  müssen  aber
im  Falle  der  Annahme  des  Mandats  aus  dem  Bundesrathe  ausscheiden.