Unfähigkeit des Obercommandos so wenig den freudigen Hoffnungen des
Kaisers Paul und des Ministers Pitt, daß nach einer Reihe nutzloser Gefechte
vom 19ten September bis zum 8ten Oktober die Occupationsarmee unter
großem Verluste an Todten und Gefangenen sich wieder einschiffen mußte. Nur
England fand hierbei einigermaßen seinen Vortheil, da dreizehn Linienschiffe
und viele andere Kriegsfahrzeuge gleich Anfangs zu ihnen übergegangen waren.
Auch in der Schweiz stellten sich die Kriegsereignisse für Frankreich wieder
etwas günstiger. Hier stand Massena, freilich in Italien wegen seiner Habsucht
und Ungerechtigkeit übel berüchtigt, aber unstreitig einer der talentvollsten
französischen Generale; ihm gegenüber der russische Feldherr Korsakoff,
während Suwarow, ungeachtet die Oestreicher ihn eben nicht auf das Kräftigste
unterstützten, fiegreich in Oberitalien waltete. Korsakoff, ohne seines Chefs
geniale Kraft, aber noch weit stolzer, beleidigte durch seinen herabwürdigenden
Hochmuth die Bundesgenossen bei jeder Gelegenheit, selbst in der Correspondenz
mit dem so hoch als Feldherr über ihm stehenden Erzherzog Karl. Anstatt auf
den Rath des mit Terrain und Gegner genau bekannten Kriegsmannes einzugehen,
überließ er sich unbesonnen seinem eigenen Urtheil. Die Niederlage bei
Zürich am 2östen September, und der dadurch erzwungene Rückzug Suwarow's
über den Gotthard aus Italien waren die Folgen davon. Kaiser Paul
aber war über die jetzt wieder ganz unerwartete schlimme Wendung des Krieges
in Italien in hohem Grade ungehalten; auch Suwarow, bis zum letzten
Augenblicke unbesiegt, erhielt den Befehl zur Rückkehr; Rußland schied, thatsächlich
wenigstens, aus den Reihen der Feinde Frankreichs.
Nichtsdestoweniger blieb Oestreichs Stellung, durch die mächtigen Flotten
Brinanniens unterstützt, in Italien siegreich; um die Herrschaft der Republik
in diesem Theile Europas schien es geschehen, als unerwartet im Oktober 1799
der ferngeglaubte General Bonaparte in Frejüs landete, und bald darauf durch
die Revolution vom 18ten Brümaire (ten November) die höchste Macht an
sich brachte. Zum ersten Consul auf zehn Jahre gewählt, lag die Regierung
in seinen Händen. Mit Freuden hatte das Land den Sturz des umnfähigen
Direktoriums, die Erhebung eines kraftvollen Herrschers, von dem es Ruhe im
Innern und einen ehrenvollen Frieden mit dem Auslande (man dachte an
Campo-Formio) erwarten konnte, aufgenommen, und hatte sich auch für die
erste Zeit nicht getäuscht. Es lag Bonaparte daran, der französischen Nation
als ein Schützer ihrer heiligsten Interessen, den europäischen Mächten als stark
und doch zugleich auch gemäßigt zu erscheinen. Laut verkündete er durch Botschafter
und öffentliche Organe, daß er nur einen ehrenvollen Frieden wünsche;
schrieb sogar eigenhändig deshalb an den König von England, wohl wissend,
daß ein solcher Schritt keine ernsthaften Folgen auf den Gang der Angelegenheiten
haben könnte, nur um die Gehäsfigkeit eines europäischen Krieges auf
seine Gegner, vor allen auf Pitt und die herrschende Partei in England zu
werfen. Unermüdlich hatte er unterdessen an der Ergänzung seiner Streitmacht