Contents : Meyers Großes Konversations-Lexikon. Dritter Teil. (3)

Bullard  —  Buntbücher

land  wollte  B.  Differenzen  vermeiden  und  traf  deshalb
  am  15.  Nov.  ein  Abkommen,  durch  das  eine  neutrale
  Zone  zwischen  den  beiden  Heeren  längs  der
Grenze  geschaffen  wurde.  Unter  dem  Eindrucke  der  erfolgreichen
  Politik  Radoslawoffs  rollte  sein  Gegner
Daneff  die  Fahne  seiner  Partei  für  künftige  Zeiten  zusammen
  (Sobranje,  2.  März  1916).  Von  Engl.  in  Szene
gesetzte  Bestechungen  von  bulgar.  Politikern  führten
nicht  zum  Erfolg  (vgl.  Bd.  II,  S.  340).  Die  Finanzlage
  verschlechterte  sich  naturgemäß;  Deutschland  und
Osterreich-Ungarn  zahlten  für  die  Kriegsdauer  an  B.
monatlich  vorschußweise  50  Mill.  Lewa  zu  5  Prozent.

Als  1916  der  Krieg  gegen  Rumänien  ausbrach
(1.  Sept.  Kriegserklärung  B.  s  an  Rumänien),  war  die

eit  gekommen,  auch  in  der  Dobrudscha  die  nationale

inheit  zu  erkämpfen.  Die  proßen  Erfolge  der  Armeen
  Mackensen  (vgl.  Bd.  II,  S.  221  ff.)  setzten  die
Mittelmächte  bereits  am  12.  Dez.  in  die  Lage,  ihren
Gegnern  den  Frieden  anzubieten.  Der  darin  ausge
grafhese  Verständigungsgedante  befremdete  in  B.
tark;  es  trat  eine  Abkühlung  des  Bundesverhältnisses
ein,  die  in  der  Aufrechterhaltung  der  diplomatischen
Beziehungen  zu  Amerika  ihren  Ausdruck  fand.  Dann
brachte  der  Friede  zu  Bukarest  vom  7.  Mai  1918,  der
die  Norddobrudscha  einem  Kondominium  der  Verbündeten
  unterstellte,  eine  direkte  Enifremdung,  der  Minister
  Radoslawoff  zum  Obfer  fiel.

Am  17.  Juni  1918  wurde  der  Ententefreund  Malinoff
  Ministerpräsident.  Trotz  Bitten  der  deutschen
Obersten  Heeresleitung  tat  B.  nichts  für  die  weitere
Ausbildung  seines  Heeres,  General  Lukoff  u.  a.  be-Fgünstigten
  sogar  die  feindliche  Propaganda.  Das  sich
in  Parteigezänk  auflösende  Heer  wurde  am  15.  Sept.
durch  Generalangriff  der  Armee  Franchet  d'Esperey
über  den  Haufen  gerannt;  7  deutsche  Divisionen  leisteten
  bei  Nisch  Anfang  Okt.  einen  letzten  vergeblichen
Widerstand.  B.  bat  um  Waffenstillstand,  den  es  am
29.  Sept.  in  Saloniki  erhielt  (s.  Bd.  III,  S.  143).  Zar
Ferdinand  dankte  am  4.  Okt.  zugunsten  des  Kronprinzen
  Boris  ab,  der  sich,  trotz  bolschewistischer  Unruhen,
  nach  Besetzung  seines  Landes  durch  die  Entente
behauptete.  B.  unterzeichnete  am  27.  November  1919
auf  dem  Rathaus  zu  Neuilly  den  ihm  diltierten  Frieden
  (vgl.  oben,  S.  146),  der  ihm  die  Herausgabe  der
1912  —  13  gemachten  Eroberungen  und  2250  Mill.
Fr.  Kriegsentschädigung  auferlegte.  —  Wie  die  Türkei
führte  auch  B.  den  Gregor.  Kalender  ein  (mit  dem
1.  April  1916).  —  Vgl.  K.  Kaßner,  B.,  Land  und
Leute  (Leipz.  1916);  Helmolts  Weltgeschichte,  2.  Aufl.,
Bd.  4das.  161  ;B.  Antanoff,  B.  vom  Beginn  seines
geschichtlichen  Bestehens  bis  auf  unsere  Tage  (679  bis
1917;  Berlin  o.  J.);  Weigand,  Vulgarist  Bibliothek
  (9  Bde.,  Leipz.  1919);  Georgov  u.  a.,  Die  bulgarische
  Nation  und  der  Weltkrieg  (Berl.  1919).

Bullard,  Robert  Lee,  amerikan.  General  und
Militärschriftsteller,  geb.  15.  Jan.  1861  in  Youngsboro
  (Alabama),  1911  Oberst,  seit  Okt.  1918  Oberbefehlshaber
  der  2.  amerik.  Armee  in  Frankreich.

Bullecourt,  franz.  Ort  südöstl.  von  Arras,  war
während  der  engl.  Arras-Offensive  April-Mai  1917
der  Brennpunkt  schwerer  Kämpfe.  *  S.  14.

Bülow,  1)  Karl  von,  preuß.  General,  geb.  24.
März  1846  in  Berlin,  1893  Oberst,  1896  Direktor  des
Ventralden  im  Kriegsmin.,  1897  Generalmajor,  1900

eneralleutn.,  1901  Divisionskomm.,  1902  Generalquartiermeister,
  1903  komm.  General,  1904  General
der  Inf.,  1912  Generaloberst  und  Generalinsp.  der
3.  Armeeinsp.  (Hannover).  1914  Führer  der  2.  Armee

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Gesten  27.  Jan.  1915  Generalfeldmarschall,  erfocht
entscheidende  Siege  bei  Namur  u.  St.  Quentin,  erwang
  Anfang  Sept.  den  Marnellbergang,  brach  aber
ie  Schlacht  an  der  Marne  (s.  d.)  ab  und  bezog  befestigte
  Stellungen  an  der  Aisne,  die  er  gegen  feindliche
  Durchbruchsversuche  hielt.  Juni  1916  nahm  B.
seinen  Abschied.  Er  schrieb-Mein  Bericht  zur  Marneschlacht
  (Berl.  1920).  —  Bild  s.  Bd.  I  bei  S.  187.
—  2)  Bernhard,  Fürst  von,  deutscher  Staalsmann,
  geb.  3.  Mai  1849  in  Klein-Flottbeck  (Holtein),
  1880  Botschaftssekretär  in  Paris,  1883  Boichaftsrat
  in  Petersburg,  1888  Gesandter  in  Bukarest,
  1893  Botschafter  beim  Quirinal,  Okt.  1897
Staatssekretär,  war  vom  17.  Okt.  1900  bis  14.  Juli
1909  deutscher  Reichskanzler,  preuß.  Ministerpräsident
und  Min,  des  Ausw.  Am  4.  Dez.  1914  übernahm  er
in  Rom,  zu  dessen  polit.  Kreisen  er  auch  als  Gatte  der
Geinzessin  Camporeale,  Stieftochter  des  ital.  Ministers
  Minghetti,  die  besten  Beziehungen  unterhielt,  den
Posten  des  deutschen  Botschafters,  um  die  durch
die  unklare  Stellungnahme  Jtaliens  entstandenen
Schwierigkeiten  zu  beseitigen.  Er  vermochte  aber  der
zum  Krieg  drängenden  Regierung  nicht  zu  begegnen
und  verlich  am  24.  Mai  1915  Rom  (vgl.  Bd.  L,  S.9ff.).
r„i  Bulwark.,  brit.  Linienschiff,  15  240  t,  s.  Sheerneß
  sowie  Bd.  1I,  S.  257.

Bunau-Varilla  (eigentlich  Varillat),  Maurice
  Jules,  franz.  Zeitungsbesitzer,  erwarb  1901  den
»Matin«  (s.  Bd.  II,  S.  332),  den  er  alsbald  in  den
Dienst  des  gehässigsten  Chauvinismus  stellte,  den  Haß
gegen  Deutschland  mit  allen  Mitteln  schürend.

und  der  Frontsoldaten,  s.  Frontsoldaten.

Bundeshilfsverein  Berlin,  3.  Aprik  1916  gegr.
Verein,  der  in  Wechselseitigkeit  mit  gleichen  Vereinen
in  Wien  und  Budapest  zum  Wiederaufbau  zerstörter
Ortschaften  der  Verbündeten  beitrug  (Berlin  für  Görz,
Wien  für  Ortelsburg,  Budapest  für  Gerdauen).

Bunker,  Lagerraum  für  Kohlen  auf  Dampfsschissen.

Buntbücher,  von  den  Regierungen  herausgegebene
  und  mit  verschiedenfarbigen  Umschlägen  versehene
  Bücher  (Denkschriften),  die  diplomatische  Verhandlungen
  und  Briefwechsel  enthallen  (vgl.  Bd.  II,
S.  380).  Im  folgenden  sind  die  wichtigeren  B.  zur
Vorgeschichte  und  zum  Verlauf  des  Krieges  aufgeführt.


Blaubücher  wurden  herausgegeben:  von  England
  am  5.  Aug.  1914  über  die  Vorgeschichte  des
Krieges  vom  20.  Juli  bis  4.  Aug.  1914  (White
Paper;  2.  erweiterte  Ausgabe  28.  Sept.  1914;  vgl.
Bd.  L,  S.  132);  von  Serbien  umn  Nov.  1914  über
die  Zeit  vom  29.  Juni  bis  16.  Aug.  1914  (vgl.  Bd.  1,
S.  139);  von  Schweden  am  22.  Jan.  1916  über
Kriegsmaßnahmen  u.  am  19.  Aug.  1916  über  engl.
Beschlagnahme  schwedischer  Post.

Gelbbücher  gab  Frankreich  heraus:  am  1.  Dez.
1914  über  die  Vorgeschichte  des  Krieges  vom  17.
März  1913  bis  5.  Aug.  1914  (vgl.  Bd.  I.  S.  132);
2.  Aug.  1916  über  das  Verhalten  der  deutschen  Behörden
  im  besetzten  franz.  Gebiet.

Graubücher  veröffentlichten:  Belgien  über  die
Ereignisse  vom  24.  Juli  bis  29.  Aug.  1914  (ergänzt
Anfang  Aug.  1915;  vgl.  Bd.  1.  S.  132)  und  Jan.
1916  als  Erwiderung  auf  das  deutsche  Weißbuch  vont
2.  Mai  1915;  Deulschland  im  Nov.  1915,  mit  Berichten
  der  belg.  Gesandten  in  Berlin,  Paris  und
London  von  1905—14.  "

Grünbücher  ließen  erscheinen:  Italien  am  20
Mai  1915  zur  Rechtfertigung  seiner  Kriegserklärung