Volltext : Erinnerungen des Kronprinzen Wilhelm.

Da  hatte  dann  mein  Chef  erwidert:

Daß  er  die  Schilderung  des  Generalquartiermeisters
nicht  als  den  wahren  Verhältnissen  entsprechend  auf—
fassen  könne.  So  habe  sich  zum  Beispiel  die  Heeres—
gruppe  Kronprinz  in  der  langen  Herbstschlacht  trotz
allen  großen  Schwierigkeiten  und  übermenschlichen  Här—
ten  glänzend  geschlagen,  und  sie  liege  nach  wie  vor  fest
und  geschlossen  in  der  Hand  ihrer  Führer.  Jetzt  sei  sie
nach  der  ungeheuren  Leistung  erschöpft,  überanstrengt
und  erfüllt  von  dem  Wunsche  nach  Waffenruhe.  Komme
es  zum  ausgesprochenen  Waffenstillstande  und  gebe  man
den  Truppen  jetzt  mit  wenigen  Ruhetagen  eine  neue  Auffrischung
  durch  Schlaf  und  erträgliche  Verpflegung,
gebe  man  damit  zugleich  den  Führern  die  Möglichkeit,
wiederum  feste  Fühlung  mit  den  Leuten  zu  gewinnen
und  auf  sie  einzuwirken,  so  werde  sich  die  allgemeine
Stimmung  auch  wieder  heben.  Eine  Kehrtschwenkung
des  ganzen  Westheeres  zum  Bürgerkriege  in  Deutschland
sei  allerdings  eine  Unmöglichkeit  —  sie  liege  aber  auch
garnicht  im  Bereiche  des  Notwendigen.  Was  nottue,
sei  der  entschlossene  mannhafte  Widerstand  gegen  ein
Treiben,  dem  man  leider  allzulange  tatlos  zugesehen
habe.  Die  sofortige  energische  Niederkämpfung  der  Auf—
ständischen  an  den  Brennpunkten  des  Aufruhres  —
die  rücksichtslose  Wiederherstellung  von  Ordnung  und
Autorität!  Die  Verpflegungsfrage  sei  von  General
Gröner  zu  schwarz  gemalt,  die  Auswirkung  eines  tat—
kräftigen  Vorgehens  gegen  die  Bolschewisten  im  Rücken
der  Front  werde  einen  neuen  Zusammenschluß  der  Ge—
kreuen  im  Lande  und  ein  Ersticken  der  revolutionären
Bewegung  bringen.  Also:  Kein  Rachgeben  vor  dem

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