Contents : Handbuch des Öffentlichen Rechts. Band III.1.3. Das Staatsrecht des Großherzogtums Baden. (3)

124  Zweiter  Abschnitt:  Staat  und  Staatsverfassung.  V.  Kapitel.  867.

a)  die  Verpflichtung  des  Beamten,  bei  der  Verwaltung  des  ihm  übertragenen  Amtes
sich,  soweit  nicht  ein  Gesetz  entgegensteht,  nach  den  hierfür,  sei  es  allgemein  erlassenen  Verordnungen
  und  Dienstweisungen,  sei  es  ihm  besonders  ertheilten  Anordnungen  zu  richten.
Näheres  hierüber  unten;

b)  die  Pflicht,  besondere  Aufträge  der  Vorgesetzten,  wo  solche  das  Gesetz  nicht  ausschließt,
  auch  ohne  weitere  Vergütung  zu  erfüllen;

c)  die  Pflicht  zur  Wahrung  des  Amtsgeheimnisses.

„Ueber  die  vermöge  seines  Amtes  ihm  bekannt  gewordenen  Angelegenheiten,  deren
Geheimhaltung  ihrer  Natur  nach  erforderlich  oder  von  seinen  Vorgesetzten  vorgeschrieben
iste  hat  der  Beamte  Verschwiegenheit  zu  beobachten,  auch  nachdem  das  Dienstverhältniß
aufgelöst  ist  1).

Mit  dieser  Pflicht  hängt:

0  die  Rechtsbeschränkung  unmittelbar  zusammen,  daß  es  dem  Beamten  untersagt  ist,
ohne  Genehmigung  der  vorgesetzten  Behörde  als  Sachverständiger  außergerichtliche  Gutachten
zu  geben.  =
Ueber  das  zur  Wahrung  des  Amtsgeheimnisses  insbesondere  im  Falle  der  Einvernahme
  von  Beamten  als  Zeugen,  bei  der  Abgabe  von  außergerichtlichen  Gutachten  durch
Beamte  und  bei  ihrer  Vernehmung  als  Sachverständige  durch  Gerichte  und  Staatsanwaltschaften
  einzuhaltende  Verfahren  ist  das  Nähere  durch  landesherrliche  Verordnung
vorgeschrieben);

e)  die  Pflicht,  an  dem  ihm  von  der  vorgesetzten  Behörde  angewiesenen  Orte  seinen
Aufenthalt  zu  nehmen  und  solchen  ohne  Genehmigung  der  zuständigen  Behörde  nicht  zu
verlassen.

„Zur  vorübergehenden  Entfernung  vom  Amte  bedarf  der  Beamte  des  Urlaubs  seitens
der  zuständigen  Dienstbehörde.

Zur  Theilnahme  an  den  Verhandlungen  des  Landtags  bedürfen  Beamte  keines
Urlaubs;  die  Stellvertretungskosten  sind  in  diesem  Falle  von  der  Kasse  zu  tragen,  aus
welcher  der  Beamte  sein  Diensteinkommen  bezieht.

Ein  Beamter,  welcher  sich  ohne  den  vorschriftsmäßigen  Urlaub  von  seinem  Amte
entfernt  hält  oder  den  ertheilten  Urlaub  überschreitet,  ist,  sofern  nicht  von  der  zuständigen
Dienstbehörde  das  Vorliegen  besonderer  Entschuldigungsgründe  anerkannt  wird,  für  die
Zeit  der  unerlaubten  Entfernung  seines  Diensteinkommens  verlustig)".

1)  Das.  §  9.

2)  V.  27.  Dez.  1889,  die  Pflichten  der  Beamten  betr.

3)  Beamt.  Ges.  §  14.  Näheres  hierüber  in  §§  19—26  d.  angef.  Verord.  —  Gewisse  Kassenbeamte
sollen  alljährlich  auf  die  Dauer  von  zwei  bis  vier  Wochen  von  der  Besorgung  ihres  Dienstes  entbunden
  werden.

Die  Beurlaubung  (Ablösung)  soll  eine  vollständige  sein,  namentlich  nicht  etwa  in  der  Weise
beschränkt  werden,  daß  der  Beamte  nur  von  den  Kassengeschäften  entbunden  wird,  andere  Geschäfte
aber  weiter  besorgt.

Zeit  und  Dauer  dieses  vorgeschriebenen  Urlaubs  wird  von  der  zur  Urlaubsertheilung  zuständigen
Behörde  festgesetzt,  mit  thunlichster  Rücksichtnahme  auf  die  Wünsche  der  Beamten  (8  23  das.).

Außer  den  Fällen  der  Theilnahme  an  den  Verhandlungen  des  Reichstages  oder  Landtages  ist
eine  Urlaubsertheilung  nicht  erforderlich,  wenn  die  vorübergehende  Entfernung  vom  Amte  durch  die
Versehung  einer  ehrenamtlichen  Stellung,  zu  deren  Uebernahme  eine  gesetzliche  Verpflichtung  besteht,
durch  die  Einberufung  zum  Militärdienst,  durch  die  behördlich  erfolgte  Ladung  zur  Einvernahme  als
Zeuge,  Sachverständiger  und  dergleichen  bedingt  ist.

Jedoch  hat  der  Beamte  in  solchen  Fällen  der  vorgesetzten  Behörde  beziehungsweise  dem  Vorstande
  der  Stelle,  welcher  er  angehört,  von  der  beabsichtigten  Abwesenheit  so  rechtzeitig  Anzeige  zu
erstatten,  daß  erforderlichen  Falls  für  anderweite  Versehung  des  Dienstes  gesorgt  werden  kann.  Auch
ist  für  den  Fall  der  Einberufung  zu  militärischen  Uebungen  vorher  rechtzeitig  die  Abkömmlichkeit  im
geordneten  Wege  festzustellen  (§  21  daf.).

Insbesondere  über  die  Belassung  und  Einziehung  des  Diensteinkommens  während  der  vorüber-