Metadaten : Friedrich der Vorläufige, die Zietz und die Anderen.

sonst  in  ihren  Ansichten  über  den  Schmachfrieden  mit  den
Oeutschnationalen  völlig  einig  ist,  vor  dem  Antrag  zurückschreck.
  Wenn  man  vaterländische  Politik  betreiben  will,
wird  man  der  Parteitaktik  bezichtigt;  man  muß  Parteitaktik
betreiben,  wenn  man  dem  Baterlande  dienen  will.  Das  klingt
heute  noch  paradox.  Oie  gesamte  Rechte  wird  es  aber  einmal
noch  einsehen  müssen  und  ihre  Mitarbeit  nicht  mehr  an  das
Bessermachen  der  Mehrheitspolitik  verschwenden,  sondern
einzig  und  allein  auf  den  Sturz  der  Mehrheit  richten.  Das  ist
eine  Frage  der  Technik,  und  darin  wird  man  noch  viel  Lehrgeld
  bezahlen  müssen,  ehe  man  die  Meisterschaft  der  regierenden
  Sozialdemokratie  erreicht.

In  einer  Nachmittagssitzung  wird  das  Finanzprogramm
weiter  beraten.  Erzberger  macht  sich  lieb  Kind  bei  den  Sozialdemokraten.
  Der  Deutsche  Volksparteiler  Becker,  als  früherer
Finanzminister  Fachmann,  führt  ihn  in  vornehmer  Art  ab.
Auch  Graf  Posadowsky  gibt  manche  Feinheit  in  einer  durchdachten
  Rede.  Der  Rest  ist  Parteigezänk,  Gezänk  der  Verkrachten,
  während  der  Gerichtsvollzieherwagen  der  Entente
schon  auf  der  Straße  rumpelt.  Man  überlegt  mit  viel  Klugheit,
  wie  man  unsere  Finanzen  wieder  ausbauen  werde,  man
lobt,  man  kritisiert  die  Pläne;  doch  was  sind  Hoffnungen,
was  Entwürfe:  in  den  nächsten  Menschenaltern  wird  das
deutsche  Volk  dank  seinen  Zugrunderichtern  nicht  zu  Neubauten
  kommen,  sondern  unter  fremden  Treibern  für  Fremde
fronden  müssen.  Hermann  Müller,  unser  auswärtiger  Minister,
  der  als  Handlungsgehilfe  in  Frankfurt  a.  M.  gelernt
hat,  weiß  im  Alten  Testament  offenbar  gut  Bescheid.  Er  sagt
(am  9.  November  las  man's  andere,  da  standen  wir  angeblich
vor  dem  gelobten  Lande),  für  uns  beginne  jetzt  der  vierzigjährige
  Zug  durch  die  Wüste.  Das  ist  eine  sehr  rosige  Auffassung.
  Uns  scheint,  daß  wir  erst  beim  Ziegelstreichen  für  die
englische  Weltppramide  sind.

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