(B) Farben zu
6224
(Kreth, Abgeordneter.)
(A) — Herr Fegter, wir sind jetzt augenblicklich in Opposition
gegen diese der Mehrheit angehörige Partei; Sie werden
es sich eben gefallen lassen müssen, wenn Ihr Feingefühl
verletzt wird.
HHHUHUSNuruf.) ,,
— Wir können ja nicht alle so bedeutend sein wie der Abgeordnete
für Neumarkt.
(Zurufe.)
Meine Herren, ich komme nun zu Herrn Noske. Herr
Noske meinte: die konservative Gewaltpolitik habe ihre
Früchte getragen, indem sich Polen, Elsässer und Dänen
gegen uns erklärt haben. Meine Herren, glaubt Herr
Noske denn, daß, wenn wir den Polen, den Dänen und
den Elsaß-Lothringern ihren Willen auf allen Gebieten
getan hätten, sie anders gehandelt haben würden, als sie
gestern gehandelt haben? Dann ist er wirklich doch ziemlich
harmlos, besonders den Polen gegenüber, die er jedenfalls
in seiner Tätigkeit im Osten doch genauer kennen müßte.
„Alle Welt ist unser Feind, schuld hat die herrschende
Klasse,“ sagte Herr Noske. Nein, meine Herren, auch die
sogenannte herrschende Klasse hat an der Feindschaft der
Welt gar keine Schuld. Die herrschende Klasse hat weder
England noch Amerika noch irgend einem anderen Staate
auf dem Handelsgebiet Konkurrenz gemacht; sie hat keinen
Handel getrieben. Die herrschende Klasse ist auch nicht
durch ihr Benehmen im Auslande unangenehm aufgefallen;
denn, soweit ich Gelegenheit hatte, den Verkehr der Ausländer
mit der sogenannten herrschenden deutschen Klasse
zu beobachten, waren das immer gegenseitig sehr angenehme
gesellschaftliche Beziehungen. Also die herrschende
Klasse hat auch in dieser Richtung gar keine Schuld.
Schuld hat — das habe ich schon einmal von diesem Platze
aus ausgesprochen — die Haltung eines gewissen Teils
der deutschen Presse, der sich nicht genug tun konnte,
unsere politischen Verhältnisse in den schwärzesten
malen und uns zu denunzieren als
das Land mit der geringsten Freiheit, wo alles von den
Junkern geknechtet und tyrannisiert wird. Wer hat sich
von den Junkern knechten und tyrannisieren lassen im
Deutschen Reich mit seinem gleichen Wahlrecht und mit
der freiesten Selbstverwaltung der ganzen Welt? — Aber
weil man unsere Verhältnisse so schwarz geschildert hat,
hat sich eine Stimmung herausgebildet, die jetzt für uns
so außerordentlich betrübend und nachteilig ist.
(Zuruf von den Unabhängigen Sozialdemokraten.)
— Die Kriegführung, Herr Dr. Cohn, ist doch erst nach
der Feindschaft eingetreten; also sie dürfen nun nicht sagen
ost hoc propter hoc, sondern die Sache lag so, daß die
eindschaft gegen uns bereits bestand, bevor der Krieg
eingetreten ist.
Herr Noke hat ferner gemeint, ein Jena hätten wir
nicht erlebt, junkerlicher übermut, Militarismus und
politische Rückständigkeit hätten damals zu Jena geführt
und hätten uns auch jetzt in diese Lage gebracht. Nun,
Herr Noske wird aus seinen geschichtlichen Studien wissen,
daß dieselben Leute, die angeblich durch militaristischen
und junkerlichen Ubermut und durch ihre politische Rückständigkeit
das Jena verschuldet haben sollen, in erster
Linie es gewesen sind, die nachher in Preußen den Kampf
gegen den Eroberer organisiert und ihn zu einem siegreichen
Ende geführt haben. Also so schlecht werden diese
Kreise doch wohl nicht gewesen sein.
(Sehr richtig! rechts.)
Ich meine, es wird richtig sein, was früher schon von
unserer Seite ausgesprochen worden ist, daß der Geist,
der besonders in Intelligenzkreisen sich geltend machte,
der Geist der Weichlichkeit und des Kosmopolitismus
damals die Widerstandskraft des Volkes geschwächt hat.
Herr Noske gab dem Prinzen von Hessen, dem
erwählten König von Finnland, den Rat, er moge an die
Keichstag. — 195. Sitzung. Donnerstag den 24. Oktober 1918.
Front gehen; er wäre General, und Generale gehörten, (O
selbst wenn sie Prinzen wären, an die Front. Nun, ich
meine, die Prinzen können den Vergleich mit parlamentarischen
Körperschaften in dieser Richtung durchaus aushalten.
Wenn man von den Prinzen das verlangt, dann
sollte man von den Vertretern des deutschen Volkes in
erster Linie verlangen, daß jeder waffenfähige Mann jetzt
an die Stelle geht, wo Deutschland am meisten gefährdet ist.
Dann hat Herr Noske sich mit der Entlassung des
Kriegsministers v. Stein beschäftigt und ausgesprochen,
das deutsche Volk sei entrüstet, daß diese Entlassung mit
besonderen Ehren verbunden gewesen sei. Ich habe von
einer solchen Entrüstung des deutschen Volkes nichts
gemerkt und ich schätze das deutsche Volk auch zu hoch,
als daß es eine Ehrung eines Mannes übeldeuten sollte,
dessen Name durch seine Tätigkeit bei Beginn des Krieges
in jedes deutsche Herz gegraben ist.
(Sehr richtig rechts.)
Diesen Mann jetzt von der Tribüne des Reichstags herunter
so zu behandeln, das hat er nicht verdient, und dafür
wird das deutsche Volk, soweit das deutsche Volk überhaupt
vaterländisch denken kann, kein Verständnis haben.
(Sehr richtig! rechts.)
Wir haben den Antrag gestellt, die Soldatenlöhnung
zu erhöhen. Zu unserem Bedauern hat die Einladung
zu der Ausschußsitzung, die sich mit dieser Frage zu beschäftigen
hatte, unsere Ausschußmitglieder nicht erreicht.
Wir bedauern es lebhaft, daß man nicht darauf gekommen
ist, die im Hause anwesenden Herren unserer
Fraktion davon in Kenntnis zu setzen, damit wir an der
Verhandlung über diesen Gegenstand noch beteiligt werden
konnten. Aber dieser Antrag ist ja, glaube ich, so einmütig
von dem Wunsche des Reichstags getragen, auf
diesem Gebiete das Menschenmögliche zu tun, daß eine
weitere Begründung nicht nötig ist. ·
Wir haben auch die gleiche Bespeisung zwischen (D)
Offizieren und Mannschaften beantragt. Nach den Buchstaben
der Bestimmungen bekommen die Offiziere schon
heute nicht mehr als die Mannschaften. Aber bei den
Mannschaften mag die Vermutung bestehen, daß da noch
nicht mit ganz gleichem Maße gemessen wird. Diese Vermutung
ist nur dann zu widerlegen, wenn Offiziere und
Mannschaften aus einem Topfe essen. Wo sie jetzt die
gleichen Gefahren teilen, ist das auch durchaus angebracht.
Vielleicht legen wir uns aber auch hier im Reichstage
die Frage vor, ob es nicht angebracht wäre, daß
unsere Küche mit gutem Beispiele voranginge und auch
hier nur aus einem Topfe und ein Gericht gegessen
würde. Das, meine ich, wird zweckmäßig sein, daß wir
auch auf diesem Gebiet durch keinen Teil des deutschen
Volkes uns an Opferwilligkeit übertreffen lassen.
Dann sprach Herr Noske darüber, daß die Frage
der Aufrechterhaltung der Morarchie nunmehr überall
erörtert werde und daß ihm Kundgebungen, die sich für
die Monarchie ausgesprochen hätten, nicht bekannt geworden
wären. Ja, wenn er nur die sozialdemokratische
und ihr benachbarte Presse liest, so wird er wohl wenig
davon hören. In der konservativen Presse sind derartige
Kundgebungen genug zu finden. Ich glaube, es hieße
dem königstreuen und monarchisch gerichteten Teile des
deutschen Volkes unrecht tun, wenn man überhaupt auf
diese Frage hier näher eingehen wollte. Das deutsche
Volk ist in seiner überwiegenden Mehrheit monarchisch
gesonnen und bleibt monarchisch bis auf die Knochen
(sehr richtig! rechts)
und wird sich durch gewisse Treibereien von der linken
Seite in dieser Uberzeugung, in dieser Gesinnung nicht
beirren lassen.
Herr Noske forderte die Absetzung des Polizeipräsidenten
von Berlin. Berlin scheint danach nicht nur