Full text: Das Goldene Buch des Deutschen Volkes an der Jahrhundertwende.

ihälig, von 1874— 80 Generalsckrelär der Oldenburgischen Landwirtschalisgesellschaft 
in Oldenburg, von da an in der obersten Verwaltung der gtossherzeglichen Olden- 
burgischen Fideikommissgüter in Bolstein zu Eulin, arbeitete organisaforisch und Tille- 
rariscı, besonders aus dem Gebicle der Milchwirtschaft und Cierzucht, gründele mit 
mehreren anderen 1874 den Deuischen milchwirtschafllichen Verein: 1879 wurde vor 
ıbın die Deutsche Uiehzucht- und Fertbuchgesellschaft, 18836 der Ostholstelnische 
Meiereiverband ins Leben gerufen. Yan 1875—97 war er Ferausgeber des ersten 
deutschen milchwlrischaftlichen Fachblatts. der „Milchzeitung*. Ausser vielen kleineren 
Schtillen sind von ihm verfasst: „Die Rindviechzucht im landwirtschaftlichen Belrieb 
und die Mittel zur Hebung derselben“ (1874), „Uorträge über Milkhwirtschalt" (6877), 
„Die raue winlschahtlichen Lieransstellungen“ (1383), „Die Absatzverhälinisse flir Molke. 
reien“ (1598). 
Petersen, Walter, Maler, geboren am 6. April 1862 in Bura a. d. upper, besuchte 
von 1530 ar die Ahademie in Dilsseldorl, stelle 1856 zuerst aus, malte hauptsächlich 
Bildnisse, u. a.: nach dem Leben verschiedene Porträts des Fürsten Bismarck, den 
sächsischen Kriegsminister General v. d. Planiiz (im Kriegsministerlum zu Dresden), 
Professor Oswald Achenbach (Städtische Aalerie in Düsseldorf), Geh. Banral Walloi, 
Professor Emile Sauret, Wirkl, Geimrat Professor Dr. Neumayer, sowie zahlreiche 
Damenbildnisse in Del und Pastell, jedoch auch ein Geurebitd „Begräbnis" kind ver- 
schiedene dekorative Wandgemälde. Er erhiell 1838 auf der Dresdener internationalen 
Aquarellausstellung ein Ehrendiplom, 1839 auf der Weltausstellung in Paris die 
5 Medaille, 1991 in Berlin die ehrenvelle Anerkennung und 1896 in Milnchen die 
2. Medallle, 
Petienkofer, Max von, Aygielniker, geboren am 3. Dezember 1318 zu Lichlenhein 
bei Neuburg a. D., studierte im Minchen Medizin und Naturwissenschallen, wurde 
1845 chemischer Assistent an der Königl. Münze, 1847 ausserord., 1853 ord, Prof. der 
medizinischen Ehenie daselbst, 1865 Professor der Aygieine in Miinchen, 1873 Uor- 
sitzender der vom Reichskanzier eingesetzten £holerakeimmission, 1883 in den erblichen 
Adelsiand erhoben, 1839 Präsident der bayrischen Akademie der Wissenschalten, seil 
1394 im Ruhestand, wurde 1396 zum Konservator der wissenschaftlichen Sammlungen 
des bayrischen $taates ernannt. Gab mit von Buhl und von Von die „Zeitschrift hir 
Bielogie* heraus und gründete 1883 mil Boimann und Forster das „Archiv für Bygieine”. 
Under seiner und Ziemssens Aegide erscheint das umfassende „Bandbuch der Hygieine“. 
don ihm physiologisch-chemische Arbeiten (Gallenprobe), Erfindung eines Leuchigases 
aus holz, Regenerationsverfahren bei Oelgemälden; Arheiten über Uentilation, Erfinding 
eines Respiralionsapparales, Untersuchungen iber Verbreitung der Eholera und des 
Abdominaltyphus.  Pettenkofer ist Begnünder der experimentellen Hygieine und der 
hervoragendsie Merireter der Annahme von der massgebenden Bedeutung des Erd- 
bodens bei Epidemien umter Bestreltung der Kontagiosität und der Wirksimkeil der 
$perr- und Tsölierungsinassregeln. Schrifien: „Untersuchungen und Beobachtungen 
über die Verbreitung der Eholera“, „Ueber den Euftwerhsel in Wohngebäuden“ (1358), 
„Eholeraregulativ“ (mil Griesinger und Wunderlich, 1867), „Beziehungen der Luft zu 
Kleidung, Wohnung und Boden” (4, Hull. 1877), „Ueber Nahrungsmittel und Wen 
des Slelschexiraktes“ (2. Aufl. 1876), „Ueber den Wert der Gesundheit fitr eine $tadı“ 
3. Aull. 1877), „Populäre Vorträge” (3. Hull. 1877), „Vorträge über Abluhr und 
Kanalisation“ (1880), „Der Boden und sein Zusammenhang nl der Gesundheil des 
INenschen“ (1882), „Zum gegenwärtigen Stand der Eholerafrage“ (1887) und vlele 
andere Schriften. 
Pieller, Wilhelm, Botaniker, geboren am 9. März 1845 in Grebenstein bei Kassel, 
habilitierde sich 1871 in INarburg, wurde 1873 ausserord. Pro. in Bonn, 1877 ord, 
Prof. in Basel, 1875 in Tübingen, ing 1837 nach Leipzia, wo er noch wirkt. Raupl« 
werk: „Handbuch der Pilanzenphysiologie" (1881 —52, 2. Hull. 1897). Andere 
Schrilten: „Physiologische Untersuchungen“ (1873), „Periodische Bewegungen“ (1875), 
„Üsmolische Untersuchungen“ (1877), „Untersuchungen aus dem Botanischen Institute 
zu Tübingen“ (1881-38), „Lohomotörische Richlungsbewegungen durch chemische 
Reize“ (1534), „Beiträge zur Kenninis der Oxydationsvorgänge in lebenden Zeilen“ 
1880), „Studien zur Energelik der Pflanze“ (1892), „Druck- und Arbeitsleistung durch 
wärhsende Pflanzen“ (1803), „Die Reizbarkent der Pllanzen“ (1895) u, a. Einer der 
verdiensivollsien Pilanzenphysiologen. 
Pfeil, Joachim Friedrich, Grat von, Kolonialpolitiker, geboren am 30. Dezember 
1857 zu Neurode (Schlesien). Don 1873-83 Farmer in Nalal und Oranje- Freistaat, 
bereiste 1882 die Limpopögegenden, erwarb 1884 mil Peiers und Tühlke Usagara, 
im Mai 1885 Kuda Milr die Ostafrikanische Gesellschaft, erorschte Juli 1885 bis 
Februar 1880 den Manga und hehe, verwahlete 1687—89 im Dienst der Neuguinea- 
kompanie dem Bisimarckarchipel, durchgnerte die Gazellenhafbinsel und Neuwmecklen- 
burg, bereiste August bis Okiober 1589 Niederländisch-Indien zum Studium der 
Kolonialverwaltung, Juni bis November 1892 Deutsch -$idwestafrika im Aulirag des 
Syndikats fr Besiedelung dieses Schulzgebietes, 1897 und 1899 Marokko. Er schrieb: 
„Siudien und Beobachtungen aus der Sildsee“ (1899). 
Parlippovich von Philippsberg, Eugen, Nalionalökonem, geboren am 15. März 
1858 zu Wien, besuchte die Universitäten Graz, Wien und Berlin, wurde 1834 Privat. 
Aozent in Wien, 1855 auısserord., 1832 ord. Prof. zu Freiburg i. B. und kst seit 1863 
örd. Proi. in Wien. Schriften: „Die Bank von England Ihn Dienste der Finanzver- 
wallung des Staates“ (1385), „Aufgabe und Methode der politischen Ockonsmie“ 
(1586), „Der badische Staatshaushalt 186830“ (1889), „Wirtschahllicher Sorlschritt 
und Kuliurentwicelung“ (1892), „Auswanderung und Auswanderungspolilik in 
Deutschland“ (1802), „Grundriss der politischen Oeckonamie* (1393—99). 
Pikbler, Adolf von, deutschrästerreichischer Dichter, geboren am 4, $eplember 1819 
zu Er bei Aufsieim, siudierte in Wien Medizin, gab dor 1846 eine Sammlung 
von Gedichlen junger Tiroler unter dem Titel „Frühlieder“ heraus, die als Zeichen 
beginnenden geistigen Eebens in Tirol Beachtung fand, 1848 Raupimann einer 
schülzenkompagnie im Kriege gegen Sardinien, 1867-90 Professor filr Mineralogie 
und Geologie an der Universität Innsbruck, Er machte für die Alpengeognosie 
mande werivolle Entdeckungen. Werke: „Gedichte“ (18553), „EBymmen“ (1855, 2. Hull. 
1898), „In Lieb” und Bass“ (Epigramme und Elegien, 3. Hull. 1899), „Uorwinter“ (1835), 
die Dramen „Die Tarquinier” (1860) und „Rodrigo“ (18623, die MMarksteine mit der 
erzählenden Dichlung „Der Hexenmeister" (1808), „Marksieine“ (1874) und „Neue 
IRarkstelne" mil der Erzählung „Fra Serafico* (1890), „Spärfrälchte* (Gedichte ver- 
schiediener Art, 1306), „Ander) und Resei" (in Schnadahüpfeln, 1397), „Zu meiner 
Zeit" (aulobiographisch, 1892), „Aus den Cirolerbergen" (2, Aufl, 1809, „Kreuz und 
quer” (Wandeningen, 1398) und die unübertrefflichen „Geschichten aus Cirol“ (2. Auli. 
Biographien 38 
899), die Im dem „Jochrauien“ und „Letzien Alpentosen“ (1897) eine willkommene 
Fortselzung erluhren. P, war steis ein Uorkämpter für geistige Freiheit und ist immer 
nanthalt fir die Rechte der Deutschen in Oesterreich eingeirelen. Er gehört zu den 
entschieden Deuischnallönaien, 
Plaack, Gotilieb, Jurist, geboren am 24. Juni 1824 In Göttingen, sindierle daselbst 
und im Berlin, drat in den haunoverschen Juslizdienst, wurde 1852 in die hannopersche 
Zweite Kammer gewählt, widersprach hier der Verlassungsänderung. war wegen seiner 
politischen Chätigkeit mehrfach Im Untersuchung, 1. Mai 1859 aul Wartegeld nesetzt, 
1359-65 in Göttingen, 1863 Obergerichtsrat in Meppen, 1867—73 Mitglied des 
Reichstags, 1867—69 auch des preussischen Abgeordnetenhauses. 1863 Appellations- 
gerichisrat im Belle, 1871 Mitglied der Kommission zur Begutachtung des Entwurfs 
der Zivllproxessordaung, 1874 völlig erblindet, 1874—89 Mitglied der Kommlssion 
zur Ausarbeitung des Entwurks des Bürgerlichen Geselzbuchs, hier Redaktor und 
Referent Tür das Familienrecht, 1889 ord. Konorarpref, in Göltingen, 1890 General- 
relerent der Kommission für die zweite Lesung des Emtwurks, erwarb sich gmsst Üer- 
dienste um das Zustandekommen des Bürgerlichen Besetzbuchs; 1396 Wirkl. Geheimrat. 
herausgeber eines Kommentars zum Bürgerlichen Geseizbuche. 
Planck, Johann Tulins Wilhelm, Jurist, geboren am 22, April 1817 in Göttingen, 
siurdierie im Göttingen und Jena, 1839 Privatdozent in Göttingen, 1842 ord. Prof, in 
Basch, 1845 in Greilswalt, 1843 auch Öberappellalionsgerichistat, 1850 Prof, in Kiel, 
seit 1567 im München, Werke: „Die Mehrheit der Rechissireitigkeiten im Prozess- 
erhl” (1344, „Die Lehre von dem Beweisurleil® (1848), „Systematische Darstellung 
des dewischen $tralverfahrens“ 0857 „Das deutsche Gerichisverlahren Em Ihittelalter“ 
(1879), „Lehrbuch des deuischen Zivilprozessrechts" (1887, 1896). 
Planck, Max, fheorelischer Physiker, geboren am 23. April 1858 in Kiel, 1880 Privar- 
dozent an der Universilät Milnchen, 18$5 Professor an der Universität Kiel, wurde 1889 auf 
den Eehrstuhl für Iheorstische Physik an die Universität Berlin berulen, seit 1894 Mitalied 
der preussischen Akademie der Wissenschaften. Schrieb 1, &.: „Ueber das Prinzip der 
Erhaltung der Energie“ (1887), „Vorlesungen über Chermodynamik“ (1897). 
Planitz, Ernst Edler von der, preussischer General, geboren am 4. ei 1836 zu 
Altenburg, irat 1855 als Leutnant in das 2, Dragonerregiment, bezog 1858 die Kriegs- 
akademie in Berlin, wurde 1861 Regimentsadjutant, 1866 Riltmeister im 12. Dragoner- 
segiment und kam 1869 in den Grossen Generalstab, Dem deutsch-Iranzösischen Krieg 
machle er im Generalsiab beim Generalgeuvernement am Rhein, hierauf im Grossen 
Haupfquarlier und schliesslich beim Oberkommando der 2, Armee mit. 1871 Major 
in 16. Busarenregiment, 1877 Kommandeur des letzteren, 1878 Oberstleutnant, 1882 
Oberst, 1885 Kommandenr der 28. Kavalleriebrigade, 1833 Generalmajor und Kemman- 
Aeur der 2. Gardekavalleriebrigade, 18859 der Havalleiedivision des 15. Armeekorps, 
1890 Generalleufnant und Kommandeur der @ardekavalleriedivision, 18094 Chef der 
2. Kavallerieinspeklion, 1896 General der Kavallerie und Generalinspekteur der Kavallerie, 
Plauiiz, Pan] Edier von der, sächsischer Kriegsminister, geboren am 20. September 
1837 zu Böhengrün bei Auerbach im Uogllande, 1856 Artiilerieoffizier, 1861 zum 
Beneralstab, In dieser Stellung 1964 bei den Bundesexekwlionstmmppen in Bolslein 
und 1800 in Böhmen. 1567 Adjutamt des Kronprinzen Albert, 1869 Batteriechel, 
1870-71 im Generalstabe der Maasarınee, I87I—72 zum Grossen Gemeralstabe in 
Berlin kommandiert, 872—73 beim Generalsiab des Kl. Armeckörps, 1873—$3 
sächsischer Bevollmächtigter zum Bundesrat, 1883 Che des Generalstabs in Dresden, 
1888 Generalmajor, 1859 Kommandeur der 45. Inlanieriebrigade: seit 1801 General- 
keulnant und sächsischer Kriegsminister. 1896 General der Infanterie. 
Poabielshl, Dietor von, Staalsschreiär des Reichspostamts, Kirklicher Feheimer Ra, 
Generalleuinani 2. D., geboren am 26. Februar 1844 zu Franklun a. OÖ, tral 1862 
aus dem Radeltenhaus als Leutnant in das Il. Ulanenregiment, besuchte die Kriegs- 
akademie, war im Seldaug von 1866 Adjılant der 6. Intanteriedivision, 1870-75 im 
Generalstab des A. Armeekorps und kam 1375 als Generalstabsollizier zur 10. Division, 
1878 wurde er Major, 1835 Kommandeur des 3. Busarenregiments, 1888 Uberst, 1800 
Kommandeur der 34. Kavalleriebrigade. Im Jahre 1891 schied er als Gemeralmajor 
aus dem Dienst, um sich der Derwallung seines &utes Dalmin in der Westprignitz 
zu widmen. 1803 irat er für die Wesiprignitz in den dewsschen Reichsiag und schloss 
sich hier der konservativen Frahtion ar. 1897 wurde er zum $iaaftssekrelär des 
Reichspostamts ernanni. 
Pohle, Leon, Porträtmaler, gettoren am 1. Dezember 1841 in Leipzig, besuchte die Hkade- 
mien in Dresden, Antwerpen und Weimar und ist sell 1877 Professor an der Akademie 
zu Dresden. In öffentlichen Sammlungen sind u. a. folgende Bildnisse: £. Richter 
(1856, Matfonalgalerie im Berlin); ein anderes Porträt E. Richters, ferner €. Hähnel 
und Reichsgerichtspräsident Simson im Städtischen Museum zu Leipzig: Maler Karl 
Peschel (1878) in der Galerie zu Dresden, ebenda das Bilduis Corinamentis und das 
5. M. des Königs Alben von Sachsen; das Museum zu Weimar besitzt das Porträt 
Scheidemandels, von dem das „Goldene Buch“ eine Nachbildung enthält. 
Polenz, Wiihehn von, Dichter, geboren am Id. Januar 1861 zu Schloss Oberkunewalde 
(Oberlausitz), studierte Rechtswissenschall In Breslau, Berlin und Leipzig, wurde Mitte 
der achtziger Jahre Gerichtsreferendar in Dresden, nahm jedoch später selnen Abschied. 
Er schrieb den Roman „Silhne“, die Cragödien „Beinrich von Kleist" und „Andreas 
Bodkholdt“, das Eustspiel „Beimatlull”, die bedeutenden Romane „LDer Plarrer von 
Breitendon”, „Der Biiinerbauer“ und „Der Grabenhäger‘; die Novellen: „Unschuld“ 
(1892), „Reinhelt" (1896). 1897 Ibernahtn er das valerliche Gut Oberkunewalde und 
bekleidet verschiedene Ehrenamter in Geineinde und Kreis. 
Polltzer, Adam, Ohrenarzt, acboren am I. Oktober 1835 zu Alben in Unganı, 
studiene in Wien, Würzburg, Paris und London, habilitierte sich im Wien als Prival- 
dozent der Ührenheilkunde, wurde 1871 ausserord. Prof, 1873 Vorstand der ersien In 
curopa gegründeten Universitätsklinik für Ohrenkranke und 1804 ord. Prof, Er ver 
wandte 1863 zuerst die künstliche Eintreibung von Luft in die Eusiächische Ohr- 
Irampeie gegen gewisse Formen der Schwerhörigkeit und begrlindete eine reiche 
Sammlung palhologischanatomischer Präparate des Gehörorgans. Er publizlerie: „Be- 
keuchtungsbilder des Crommellells“ (1365), „Wandtateln zur Anatomie des Gehör- 
ongans“ 11875), „Lehrbuch der Ohrenheilkunde" (I. Mufl. 1878— 82, 4. Aufl, 1900), 
„Die anatomische und histologische Zeraliederung des menschlichen Gehörorgans Im 
normalen und Akranken Zustand“ (18859) und „Atlas der Beleuchtungsbildter des 
Lronmellells" (1895),