Full text : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Zweite Hälfte.

Gedächtnissfeiern  im  Jahre  1883.  —  Lixspesann’s  Entdeckung  (1882).  1013

Und  noch  eine  Gedächtnissfeier  brachte  dieses  Jahr;  sie  zeigte
neben  den  anderen,  wie  reich  und  wie  verschieden  die  Quellen
sind,  aus  denen  der  Wissenschaft  Segen  quillt  —  es  galt  des  im  vergangenen
  Jalıre  (1832)  verstorbenen  auswärtigen  Mitglieds  Darwın
zu  gedenken.  pu  Boıs-Reymonn  feierte  ihn  als  den  Copernicus  der
organischen  Welt  und  schlug  als  passende  Umischrift  für  eine  Denkmünze
  zu  Ehren  der  »Origin  of  Species«  die  Worte  vor:  »Aftlavit
Darwinius  et  dissipata  est«,  nämlich  die  Superstition.  Der  Gefeierte
wäre  mit  dieser  Devise  und  mit  Anderem,  was  die  unbegrenzte  Verelırung
  dem  Redner  auf  die  Lippen  legte,  schwerlich  ganz  einverstanden
  gewesen;  aber  man  begreift  es  wohl,  dass  die  Erinnerung
an  den  grossen  Todten  überschwänglich  in  ihrem  Danke  wurde.

Es  gehört  zu  den  Eigenthümlichkeiten  akademischen  Erlebens,
dass  die  Mittheilungen  über  wissenschaftliche  Entdeckungen  und
überraschende  Ergebnisse  der  Forschung  in  bunter  Folge  abwechseln.
Heute  kommt  eine  neue  Kunde  von  den  griechischen  Trümmerfeldern,
  und  die  Woche  darauf  wird  eine  bisher  verborgene  physikalische
  Erscheinung  demonstrirt;  heute  werden  die  tieferen  Ursachen
  eines  geschichtlichen  Vorgangs  aufgedeckt,  und  nach  acht.
Tagen  weiss  der  Zoologe  die  Akademie  für  eine  neue  biologische
Thatsache  zu  interessiren.  Nur  die  Mathematik  scheint  von  diesem
ungesuchten  Wettbewerb  um  die  Theilnahme  Nicht-Sachverständiger
ein  für  alle  Mal  ausgeschlossen  zu  sein,  und  doch  gelang  es  im  Jahre
1832  dem  Verfasser  einer  streng  mathematischen  Abhandlung,  ein
hohes  allgemeines  Interesse  zu  erwecken.  Unter  dem  anspruchslosen
Titel  »Über  die  Luporpn’sche  Zahl«  erbrachte  Lıinvemann  (Sitzungsber.
S.679ff.)  den  Beweis,  dass  die  Luporpu'sche  Zahl  m  zu  den  transscendenten
  Zahlen  gehört,  dass  also  die  Quadratur  des  Kreises  constructiv
  nicht  ausführbar  ist.  Wie  lange  war  die  Akademie,  war
die  wissenschaftliche  Welt  mit  diesem  Problem  gequält  worden!
Nun  war  es  endlich  aus  der  Welt  geschafft.  Drei  Jahre  später  (in
den  Sitzungsberichten  1855  S.  1067  fl.)  gab  WeıeErstrass  im  Einvernehmen
  mit  Linpemann  eine  möglichst  elementar  gehaltene  Begründung
  des  neuen  Tlıeorems  und  der  mit  ihm  verbundenen  Lehrsätze,
ausdrücklich  erklärend,  dass  er  die  Beweise  Linpemann’s  ohne  wesentliche
  Modificationen  der  leitenden  Grundgedanken  nur  vereinfachen
  und  vervollständigen  wolle.  Speciell  hob  er  noch  hervor,
dass  ihm  die  beiden  Linpemann'  schen  Sätze:  »Die  Exponentialgrösse
e”  ist  stets  eine  transscendente  Zahl,  wenn  x  eine  von  Null  ver-