Salzwerke. 643
liefert die Betriebskraft für die Soolpumpen. Seit Eröffnung der Eisenbahnlinie
Jagstfeld-Ebersbach ist diese Saline mit dem badischen Bahnhof Offenau durch ein
Zweiggeleise in Verbindung gesetzt.
Im Jahre 1879/80 betrug die Salzproduktion in Clemenshall 70 542 Zentner,
wovon 10 588 Zentner in denaturirtem Zustande abgegeben wurden. Das Personal
zählt derzeit 26 Mann.
Die Kagl. Saline Hall mit dem Steinfalzwerk Wilhelmsglück.
Die Entdeckung der Salzquelle von Hall und die Ansiedlung um dieselbe, der
Ursprung der Stadt, verliert sich in das Dunkel des Alterthums. Im Jahr 1306
wurde die „Haalquelle“ sammt dem umliegenden Grund, dem „Haal,“ durch eine
Grundvereinigung auf alle Zeiten in 111 Theile (Pfannen oder Sieden) getheilt; es
bildete sich aber bald darauf das zweifache Eigenthumsverhältnis zwischen Lehensherr
und Erbsieder. Nach dem Brand von 1728 kam die Zahl der Pfannen auf 135 und
die normalmäßige Salzproduktion aus der 4prozentigen Soole betrug damals
68000 Zentner in einem Siedjahr, in welche sich die Berechtigten zu theilen hatten.
Als im Jahre 1802 die Reichsstadt Hall der Krone Württemberg zugetheilt wurde,
gieng der Salinenbetrieb daselbst in die Hände des Staates über, welcher sich durch
Vertrag verpflichtete, die dem Lehen obliegenden Verbindlichkeiten zu erfüllen. In den
Jahren 1813/22 wurden an verschiedenen Orten in der Nähe von Hall Bohrversuche
auf Steinsalz angestellt, bis es endlich an dem entferntesten Punkte bei der Neumühle,
wo jetzt Wilhelmsglück liegt, gelang, in der Tiefe von 95 m ein Salzlager zu erbohren.
Die in den Jahren 1832/34 neu erbaute und erst in der letzten Zeit noch vergrößerte
Saline versiedet Wilhelmsglücker gesättigte Soole, welche in einer 10 230 m
langen Röhrenfahrt nach Hall geleitet und dort mittelst Wasserkraft in ein Reservoir
gehoben wird. 6 Siedhäuser enthalten 6 Sied= und 3 Dampfpfannen mit zusammen
956 qm Pfannenfläche; die Rauchtrockenherde haben 947 qm Fläche. Das Erzeugnis
an Siedesalz, das zum Theil nach Bayern verkauft wird, betrug im Jahre 1879/80
115 439 Zentner, worunter 41149 Zentner denaturirtes Salz. Beim Gesied sind
54 Mann beschäftigt.
Nach Erbohrung des Steinsalzes bei der Neumühle wurde in den Jahren 1823/24
ein seigerer Schacht ohne große Schwierigkeiten abgeteuft und sodann im Jahre 1825 das
Steinsalzwerk Wilhelmsglück am linken Kocherufer angelegt. Ein zweiter in
den Jahren 1842/45 hergestellter tonnlägiger Schacht (Treppenschacht) mit 30°% Neigung
dient ausschließlich zur Fahrung und zum Wetterwechsel. Das Steinsalzlager hat eine
Mächtigkeit von durchschnittlich 8 m und seine Erstreckung ist soweit bekannt, daß der
Abbau auf lange Zeit gesichert erscheint. Die Gewinnung des Steinsalzes geschieht
in regelmäßigem Pfeilerbau mittelst der Schräm- und Schießarbeit. Die eine Zeit
lang angewendete Wasserschlitzarbeit ist aus Besorgnis für die Erhaltung der Grube
wieder aufgegeben worden. Eine Turbine von 8 Pferdekräften betreibt das Göpelwerk
zur Förderung, wofür auch eine Dampfmaschine in Reserve steht; eine zweite Turbine
von 20 Pferdekräften setzt das Brechwalzwerk und 4 Mahlgänge in Bewegung, sowie
eine im Jahre 1880 eingerichtete Drahtseilbahn, mittelst welcher das Salz von der Mühle
zu der auf der andern Seite des Kochers gelegenen Station Wilhelmsglück transportirt
und dort in die Eisenbahnwagen verladen wird. Diese Drahtseilbahn hat eine Länge von
370 m, eine Steigung von 53 m und kann täglich 800 bis 1000 Zentner Salz befördern.
Eine besondere Turbine von 5 Pferdekräften betreibt noch das Pumpwerk,
durch welches die in der Grube aus dem ausgeschiedenen unreinen Salz bereitete Soole
zu Tage gehoben wird.