Metadata : Deutsches Wörterbuch. Dritter Band R-Z. (3)

35  Naum.

lat.  c-ruerc  herausziehen  oder  reißen,  ru-trum  Reuthacke,
  und  zusrühest  das  Freimachen  einer  Wildnis  für
Anbau  und  Feldarbeit  (vgl.  dazu  abranm),  dann  den
so  gewonnenen  Platz  und  endlich  allgemein  Platz  und
Ausdehnung  bezeichnend.  Das  Geschtecht  ist  nur  hochdeutsch
  Masc.,  sonst  überall  Neutr.,  vereinzelte  Beispiele
des  letzteren  bei  Schriststellern,  die  vom  Niederd.  beeinsußt
  sind:  das  raum  zum  furstlichen  bause  Micrälius
3,  168;  Plur.  mit  Umlaut,  selten  ohne  solchen,  mhd.
rüme,  uhd.  raume:  welche  raume  sio  trennen  Lessing
3,  320.  Bed.  1)  Stätte  für  weite  Ausdehnung,  ohne
Plur.;  Gegensatz  der  örtlich  sest  beschränkte  plats  (s.  d.).
ich  schbst  behalte  in  unserm  ganzen  hause  keinen  platz
uls  den  an  meinem  schreibtische  aber  dafür  ist  der
raum  auszer  dem  hause  desto  gröszer  Goethe  W.  Meister
5,  2;  dessen  Weite  aber  durch  raum  angedeutet  wird:
ein  platz  gutes  raumes  Fleming  124;  nicht  beschränkt
auf  das  freie  Feld,  sondern  auf  jede  Stätte  übertragen,
die  Gelegenheit  zur  Entsaltung  einer  Thätigkeit  gewährt:
  raum  im  felde,  hause,  zimmer;  freier,  weiter,
beschränkter,  knapper  raum;  raums  genng,  zu  herbergen
1.  Mos.  21,  25;  groszen,  kleinen  raum  cinnehmen;  das
büchergestell  beansprucht  wenig  raum;  die  stat  aber
war  weit  von  raum  Neh.  7,  4;  raum  ist  in  der  kleinsten
hutte  für  ein  glucklich  licbend  paar  Schiller  Paras.
4,  1;  mit  Maßbestimmungen:  hier  ist  kein  fuszbreit
raumcs;  in  festen  Verbindungen,  raum  haben,  machen.
schaffen,  geben,  u.  d.,  vielsach  bildlich  oder  in  verblaßtem
Sinne;  so  raum  geben  mit  dem  Begriffe  des  Weichens:
die  nacht  hatte  .  den  ersten  strahlen  des  fruhblichts
raum  gegeben  Immermann  Münchh.  1,  22;  trat
raumgebend  bei  seite  CFMeyer  Nov.  2,  121;  auch
der  Nachgiebigkeit:  das  ir  .  dem  fleische  nicht  raum
gebet  Gal.  5,  13;  gib  raum  der  hoffnung  Schiller
Br.  v.  Mess.  2823;  einer  bitte  ramm  geben;  raum  lassen,
tinden,  mit  dem  Nebensinne  der  Gelegenheit:  lieszest
jnen  rnum  zur  busze  Weish.  Sal.  12,  l;  Ottilie  fand
raum  sich  in  der  einsamkcit  auszuweinen  Gocthe
Wahlrerw.  2,  10;  hier  ist  kein  raum  zum  entrinnen
mehr  Schiller  Räub.  2,  3;  zum  vertrauen  bleibt  nicht.
raum  Goethe  Pandora  1;  —  Ansdehnung  oder  Breite
zwischen  zwei  Gegenständen,  vgl.  2wischen-,  spielraum;
lassct  raum  zwischen  einer  herde  nach  der  undern
1.  Mos.  32,  16;  cin  weiter  raum  trennt  Lalagen  von  mir
Chr  Ev  Kleist  102;  wo  raums  genug  ist  zwischen
breiten  stegen  Grillparzer  1,  57.  2)  zeitlich  gewendet,
  Frist  (vgl.  2citraum):  raum,  der  zeit  nach,
intereapedo,  intervallum  Frisch;  im  raume  von
wenigen  jahrtausenden  Schiller  9,  89;  liesz  er  sich
..  raum,  zum  entschlusse  zu  kommen  Keller  Sinnged.
  178.  3)  von  bestimmten  festen  Grenzen  eingeschlossene
  Stätte,  mit  dem  Plur.  rüume;  rünme  eines
hauses,  untere,  obere  ranme  eines  gebäudes;  freier
raum  vor,  binter  einem  hause;  ihr  luftigen  rüume  von
kleinen  geschlossenen  Wäldern  Hölty  178;  vom  Himmel,
Meer:  im  blauen  raum  Goethe  Faust  I;  das  mrer  isi
der  raum  der  hotsnung  Schiller  Br.  v.  Mess.  929;
durch  den  raum  der  sterue  Platen  Abbass.  1,  88;
hohler  raum  eines  Balles,  einer  Kugel;  der  schmalo
raum  von  holz  (Sarg)  Schiller  1,  358;  des  Herzens:
des  herzens  heilig  stille  rüume  Antritt  des  neuen  Jahrh.;
als  Ausdehnungsmaß:  aulso  hatte  der  ander  eherub
auch  2zeltcn  cllen,  und  war  cinerlei  masze  und  cinerlei
raum  beider  chernbim  1.  Kön.  6,  25;  in  philosophischer
Spr.,  als  eine  Form  des  Denkens  und  Anschauens:
dic  drei  dimensionen  des  raumes,  lüngc,  breitc,  ticfe;
hoch  uber  der  zeit  und  dem  raume  Schiller  Worte
des  Glaubens;  in  der  Mechanik  die  Linic,  welche  von
dem  Mittelpunkte  der  Schwere  eincs  Körpers  bei  seiner
Bewegung  durchgangen  wird;  bei  Bergleuten  Arbeitsplatz
  oberhalb  der  Erde;  im  Schiff  der  unterste  Boden,
schillsraum;  beim  Köhler  kleine  in  einen  Kohlenmeiler

auch  bloß  berämen,  als

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eingelassene  Offnung,  wodurch  er  den  Rauch  beobachtet.
—  raum,  Raum  habend,  wie  das  Subst.  gemeingerm.
Wort,  goth.  rüms,  altnord.  rümr,  altengl.  altsächs.  ahd.
mhd.  rüm,  jetzt  nur  noch  in  geraum  (s.  d.).  —  raumen,
räunmen,  1)  Raum  schafsen;  gemeingerm.,  nur  goth.  nicht
bezengtes  Wort,  altnord.  rima,  altengl.  r##man,  altsrief.
rema,  altsächs.  rümian,  ahd.  rümman,  rümen,  mhd.
rümen:  die  heutige  Form  ist  mitteldeutsch,  durch  Luther
in  die  Schriftspr.  eingesührt,  oberdeutsch  die  unumgelautete,
  die  bis  heute  mundartlich  besteht.  Die  eigentliche
  Bed.  des  Wortes,  eine  Lichtung  oder  Rodung  im
Walde  schaffen,  die  noch  lange  sich  erhalten  hat:  ruymen,
e#tricare  agrum  silbeskrem  Kilian;  in  der  Jägerspr.
zu  den  Bugeln  räumen,  durch  Fällung  der  Bäume  Weg
u  den  Flügeln  eines  Jagens  bahnen  Adelung,  hat
im  alten  Rechtsleben  besondere  Beziehung  erhalten:  weil
ein  Landesverwiesener  oder  Landflüchtiger  die  Wildnis
aussuchte,  um  sich  hier  durch  Urbarmachung  einer  Strecke
eine  neue  Heimat  zu  gründen,  wurde  rünmen  zum  rechtlichen
  Ausdruck  für  die  Landesverweisung  selbst,  ahd.
daz  lant  rümen  in  eæilium  ire  Grass;  später  noch
land,  stadt,  weichbild  räumen;  das  burgermeister
Rammin  seines  amptes  entsctzct,  die  stadt  und  land
reumeto  Micrälius  3,  469;  auch  ohne  Obj.  bloß
räumen,  mhd.  ramen  Haltaus;  und  ging  dann  in
die  allgemeine  Spr.  über,  —  etwas  meiden,  verlassen,
aufgeben,  mit  dem  Beisinne  des  Gezwungenseins:  ein
land,  eine  stadt,  festung,  stätte,  cinen  ort  (Moltke
3,  294),  ein  haus,  zimmer  räumen,  u.  s.  w.;  sonst  mustet
jr  die  welt  reumen  1.  Cor.  5,  10;  das  die  armec  ohn
aufschub  Böhmen  räume  Schiller  Picc.  2,  7;  formelhast
  geworden  aus  der  Spr.  des  Heeres  das  feld  räumen:
er  herr  stch  auf,  so  wird  alsbald  der  feinde  haufen
mit  gewalt  das  feld  ihm  mussen  räünmen  Opitz
Pfalmen  123;  übertragen,  =  weichen:  bis  er  (ein  Betrachter)
  von  dem  verkebrstruhel  unsanft  gestört  wurde
und  das  feld  räumte  Keller  Werle  8,  5;  dasz  auch  die
sonne  den  himmel  ränmt  Schiller  Fiesko  3,  5;  du
räumst  einen  platz  in  meiner  brust  5,  16;  den  sattel
ränmen,  im  Kampse,  Turniere  abgeworsen  werden
(Wieland  Ob.  2,  5);  mit  perfönl.  Dativ:  der  gute
rüumt  den  platz  dem  bösen  Schiller  Glocke  372;
räumt  er  den  parteien  das  feld  Moltke  4,  278;  —
in  andern  Fällen  ist  das  Verbum  an  raum  3  angeschlossen,
  =  Stätte  zum  Benntzen  bereiten,  srei  machen
von  Hindernissen,  auch  in  die  Bed.  leer  machen  übergehend:
  ich  habe  das  haus  gercumct,  und  fur  dic  kamel
auch  raum  gemacht  1.  Mos.  34,  31;  raumbten  dem
ganzen  her  einen  freien  weg  Aventin  2,  293;  einen
tisch,  eine  brandstätte  räumen;  auch  wie  säunbern:
raumen  d.  i.  scüberen  Augsburger  Voc.  1508  (Göttinger
gel.  Anz.  1898,  S.  277);  eine  grube  räumen;  in  älterer
Heilkunde  magcen,  brust,  bauch,  frei  machen  von  Kranlheitsstofsen:
  leinsamen  gepulvert  mit  honig  .  rünmt
die  brust  Tabernaemontanus  1206;  bei  Winzern
und  Feldbauern,  die  Erde  um  die  Wurzeln  eincs  Weinstockes
  oder  Baumes  auflockern;  mit  Acc.  des  wegzuräumenden
  Gegenstandes:  schutt,  kehricht;  mit  Ortsbestimmung:
  teller  vom  tische,  gläser,  wüsche  in  den
schrank;  ctwas,  hindernisse  aus  dem  wege;  auch  cinen,
bescitigen:  ihn  heimlich  aus  dem  wege  rünmen  zu
lassen  Wieland  Ag.  12,  12;  mit  entschiedener  Hervorhebung
  der  Bed.  leer  machen:  ein  zimmer  räumen,
beim  Auszichen;  diche,  so  heimlich  die  kasten  rcumen
Luther  5,  111°,  vgl.  ausräumen;  kanfmännisch  lager,
vorräte  rüumen,  ansverkausen;  eine  wore,  um  damit
zu  räüumen,  zum  einkanfspreise  verkaufen;  einem  etwas
rünmen,  überweisen:  so  will  ich  cuch  bitten,  mir  das
hünschen  drunten  im  dorse  zu  rüumen  Schiller  Ränb.
1,  3,  vgl.  einrüumen.  2)  anderes  ranmen  in  anberaumen
(L.  d.),  entstanden  und  umgedentet  aus  unberümen,  älter
iel  sestsetzen,  bestimmen,  zu

raum  —  raumen.