Sachen. 5
Gebäude oder andere Werke, welche kraft eines an einem fremden Grundstücke
bestehenden Rechtes von dem Berechtigten mit dem Grundstücke
verbunden werden, nicht Bestandtheile des lebzteren werden und daher der
Rechtsfolge des § 946 entrückt bleiben.
Hierher gehört auch der in § 912 erwähnte Ueberbau, welcher durch
die bei Errichtung eines Gebäudes geschehene Ueberschreitung der Grenze
entsteht und unter bestimmten Voraussetzungen dem Eigenthümer des
Gebäudes gehört, während der bezügliche Grundstreifen dem Nachbar
verbleibt.
Angesichts dieser Ausnahmebestimmungen hätte für das BGB. ein
rechtliches Hinderniß, das sogenannte Stockwerkseigenthum zu adoptiren,
nicht bestanden. In der That waren es nur Zweckmäßigkeitsgründe, aus
welchen von der Aufnahme dieses Instituts abgesehen wurde.
Von den in §§ 93 u. 94 enthaltenen Bestimmungen, welche durch
§ 95 negativ präcisirt sind und in § 96 eine Erweiterung erfahren, wird
wohl nur der zweite Absatz des § 94 in der Anwendung erhebliche
Streitfragen hervorrufen. Hier kann es im Einzelfalle schwierig werden,
zu entscheiden, ob ein Bestandtheil oder ob nur ein bloßes Zube hör
in Frage steht.
Bei einer solchen Entscheidung darf keinenfalls die in § 97 gegebene
Definition des Zubehörs und die in § 98 enthaltene Exemplifikation in
den Vordergrund gestellt werden. Denn es steht an der Spitze dieser
Definition die Voraussetzung, daß die als Zubehör in Frage kommende
Sache die Kriterien eines Bestandtheils im Sinne des § 94 nicht an sich
trägt. In erster Linie und selbständig ist daher zu untersuchen, ob diese
Kriterien gegeben sind. Gleichgültig ist hierbei, ob man dem § 98 nur
die Tragweite beimißt, welche er seinem Wortlaute nach hat, oder ob
man annimmt, daß er — wie es der entsprechende § 791 des J. Entwurfs
gethaun hatte — die aufgeführten Gegenstände als Zubehörsstücke
erklärt. Denn auch § 791 that solches nur unter den Voraussetzungen
des § 789 (jetzt § 97) und unter diesen Voraussetzungen fand sich auch
die, daß die fraglichen Sachen sich nicht als Bestandtheile kennzeichnen.
Bei der sonach in erster Linie und ohne Rücksichtnahme auf 88 97 u. 98
vorzunehmenden Untersuchung, ob die Sache gemäß § 94 als Bestandtheil
des Gebändes zu erachten ist, darf auch das entscheidende Gewicht
nicht auf die Art der als „Einfügen“ bezeichneten Verbindung gelegt
werden. Mit dieser Bezeichnung wollte nicht das Erforderniß einer besonders
innigen Verbindung aufgestellt werden. Es ergiebt sich dies schon
aus der Erwägung, daß von „Einfügen“ in so beschränktem technischen
Sinne auch bei Dingen nicht gesprochen werden kann, deren Eigenschaft als
Bestandtheile des Gebäudes von vorne herein nicht bezweifelt werden
kann. Die Dachung z. B. ist sicher einer der wesentlichsten Bestandtheile
des Gebäudes und doch kann — genau genommen — bei keiner Dachung