Full text : deutsches Wörterbuch. Zweiter Band H-O. (2)

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lich  zu  amalgamiren:  die  plattköpfe  haben  es  gar  nicht
nöthig,  die  nehmen  es  starkgläubig  geradezu  Seume
Spaz.  2,  63.  —  Plattnase,  k.  platte  Nase  und  Inhaber
einer  solchen.  —  Plattrose,  k.  Name  des  Mauerpfeffers.
—  Plattschiff,  n.  besondere  Art  flachgehender  Schiffe.  —
Plattstich,  m.  bei  Nähereien  und  Stickereien  besondere
Art  eines  flachen  Stiches.  —  Plattziegel,  m.  flacher,
ungewölbter  Zicgel,  Gegensatz  von  hohlziegel  (s.  d.).
Platte,  f.  Fläche,  flaches  Stück  in  verschiedener  Ausgestaltung
  des  Begriffes;  Lehnwort,  auf  mittellat.  plata
Flachstück  (von  griech.  platrs  breit)  zurückführend,  in
mehreren  selbständigen  Entlehnungen,  auch  über  das
ranzösische  hinweg,  in  die  Spr.  gekommen.  1)  als
onsur  der  Geistlichen,  schon  ahd.  blatta,  mhd.  blatte:
wen  pfatfen  sich  der  blatten  schamen  Minnes.  2,  3998;
er  (der  Priester)  sol  auch  keine  platten  machen  auf
seinem  heubt  3.  Mos.  21,  5;  die  priester  .  tragen  plarten
Baruch  6,  30;  wenn  sie  sich  den  Andree  in  der  kutte  mit
geschorener  platte  vorstellen  solle  Heyse  5,  319;  daher
die  platte  auch  für  den  kathol.  Geistlichen  selbst  Luther
6,  108;  —  übertragen  auf  die  natürliche  Glatze:  platte,
calvitium,  eine  platte  haben,  bekommen  Frisch;  sie
(die  Römer)  hängen  unsre  (Haare)  ..  um  die  platte
H  Kleist  Hermannsschl.  3,  3;  bildlich  nachher  gewendet
auf  eine  kahle  Stelle  im  Tuche  (in  der  Fachspr.  der
Tuchmacher),  auch  auf  eine  nackte,  leere  Bodenstelle
Schmeller.  2)  als  flaches,  größeres  Steinstück,  ahd.
von  einer  Marmorplatte:  platona,  lapis  politus,  platta
Haupts  Zeitschr.  3,  476b;  unhd.  stein-,  schiefer-,  grab-,
deckplatte;  den  fuszboden  mit  platten  belegen  Adelung;
  du  steigst  auf  einen  steinhaufen,  wärmest  dir
dort  an  den  besonnten  platten  die  hände  Rosegger
Waldheim.  1,  219;  dies  ist  der  tisch  ..  du  kannst  des
reiches  aar  zur  stunde  noch  auf  seiner  platte  schauen
Freiligrath  2,  134;  platten  von  eisen,  stahl,  im
ittelalter  zu  Brustharnischen,  und  danach  der  Brustharnisch
  selbst:  daz  (Speer)  er  üf  miner  brust  verstach,
daz  ez  mir  durch  die  blaten  brach  Lichtenstein  262,  28;
die  kräftigen  lenden  und  beine  waren  mit  platten  und
schienen  von  stahl  verhullt  Hauff  6,  17;  metall-,
eisen  -,  silberplatte,  goldplättchen;  panzerplatte  eines
Schiffes;  von  Holz,  platte  eines  speisetisches;  viel  in
der  Spr.  der  Künste  und  Gewerke,  von  Gegenständen
die  Plattenform  haben:  platte  des  Kupferstechers,  Holzschneiders,
  Photographen;  beim  Kammmacher  das  Stück
Horn,  aus  dem  der  Kamm  geschnitten  wird;  in  der
Münze  die  zu  prägende  Scheibe,  ähnliche  kleine  Scheibe
zu  Schmuck  bei  Metallarbeitern;  bei  Nagelschmieden  der
breite  Nagelkopf;  im  Hüttenwerke  die  zu  Thüren  und
fen  gegossenen  breiten  Tafeln,  u.  a.  3)  platte,  oben
ebene  Felshöhe:  Teurdank  auf  einer  platten  stund,
darin  kein  eisen  haften  gunt  Teurd.  20,  78;  die  Platter
..  hand  iren  namen  von  eim  husz,  das  ist  ufk  einer
breiten  blatten,  das  ist  ein  felsen  uff  eim  gar  hohen
berg  ThPlatter  4;  schwing  ich  .  hochspringend
auf  die  platte  mich  hinauf  Schiller  Tell  4,  1  (vorher
bis  dasz  wir  an  die  felsenplatte  kämen);  —  bei  Schiffern
auch  eine  Sandbank  oder  Untiefe.  4)  platte,  nach  dem
franz.  plat,  flache  Schüssel,  Teller  für  Speise:  zinn-,
Porzellan-,  irdene  platten;  das  man  gleich  alle  teller
und  platten  vor  euch  hat  musen  wegraumen  Garg.  27;
prangen  daher  mit  vilen  kleinen  plättlin  73;  jetzt
namentlich  noch  in  der  Spr.  der  Küche:  eine  feine  platte
auf  den  tisch  bringen;  eine  platte  fische,  krebse,  u.  a.;
—  auch  das  Präsentierbrett:  den  kaffee  auf  einer  silbernen
  platte  bringen.  —  Platteise,  f.  der  Plattfisch,
aus  lat.  platessa,  mhd.  blatise,  blattise:  platteisz  zerschnitten
  Frölich  Stob.  347;  davon  scherzhaft  ein  Fem.:
so  musz  ich  davor  halten,  dein  vatter  sei  ein  stockfisch
und  deine  mutter  ein  plateissin  gewesen  Simpl.  1,  146.
—  Platten,  platt  machen  (vgl.  auch  abplatten):  sage
man  nicht,  dasz  kunst  oder  die  sonne  des  negers  nase

M.  Heyne,  Deutsches  Wörterbuch,  II.

Plattnase  —  platten.

plätten  —  Platz.  1170

geplattet  habe  Herder  zur  Pil.  5,  91;  bei  Glasmachern
Glas  in  platte  Form  bringen,  dazu  plattholz.  Gerät
dafür  Friedrich  altd.  Gläser  53;  mit  Steinplatten  belegen:
  die  straszen  sind  geplattet  Goethe  ital.  Reise  1;
bei  Gerbern  Eichenrinde  in  Platten  zur  Bereitung  von
Lohe  abschälen.  —  plätten,  Nebenform  zu  platten.  platt
machen,  besonders  in  gewerklicher  und  Wirtschaftsspr.:
draht  plätten;  man  plättet  wäsche  (auch  plattet).  —  In
Zusammensetzungen:  Plätte-,  Plättbrett,  n.  Brett  als
Unterlage  für  die  zu  plättende  Wäsche.  —  Plätteisen,  n.
Eisen,  womit  Wäsche  geplättet  wird.  —  Plättestube,  f.
Zimmer,  u.  Stube,  Zimmer  für  das  Plätten  der  Wäsche.

Plätter,  m.  der  da  plättet,  drahtplätter;  Plätterin,  f.
die  da  plättet,  besonders  Wäsche.  —  Plattheit,  f.  plattes
Wesen,  Zustand  des  platten;  in  körperlichem,  auch  in
geistigem  Sinne  (vgl.  platt  5):  plattheit  des  ausdrucks
Adelung;  das  solcherweise  Platte  selbst:  dasz  er  eine
plattheit  gesargt  habe  Grillparzer  10,  270;  nachdem
  viel  abderitische  plattheiten  über  die  sache
vorgetragen  worden  waren  Wieland  Abd.  5,  3.  —
plattieren,  Metall  mit  einer  dünnen  Platte  aufgewalzten
Edelmetalls  belegen;  neueres  Gewerkswort,  nach  der  Bezeichnung
  der  englischen  Erfindung  to  plate  gebildet:
plattierte  waren,  Metallwaren  aus  unedlem  Metall,
welche  mit  Gold=  und  Silberblech  belegt  sind;  übertragen:
Plattierte  entrustung,  nur  scheinbare,  nicht  echte;  so  ein
armseliges,  erlogenes,  plattirtes  lachen  (Gegensatz  zu
meinem  alten,  echten,  silbernen  lachen)  Heyse  9,  413.
—  Plattner,  m.  der  Plattenharnische  fertigt,  spätmhd.
blatner,  platner;  landschaftlich  =  Klempner.

Platz,  m.  1)  frei  gelegene  Stätte,  freier  Raum;
behiont  aus  dem  auf  latein.  platea  Straße  zurückgehenden
  franz.  place,  mhd.  plaz,  platz,  mund.  plas,
niederl.  plaets;  a)  gebraucht  zunächst  für  den  freien  weiteren
  Raum  vor  Schloß  oder  Burg,  in  deren  Hofe,  in
Städten  vor  der  Mündung  verschiedener  Straßen  an
Eéiner  Stelle  u.  ä.:  den  plaz  (vor  der  Burg),  da  man
im  die  vrouwen  gap  Ges.  Abent.  1,  365;  die  riterschaft
al  üf  des  hoves  platze  Ko  Würzburg  troj.  Krieg  29725;
sol  man  daz  veile  haben  üf  dem  platze  ennent  der
brucken  Meraner  Stadtrecht  in  Haupts  Zeitschr.  6,  413;
danach  für  jeden  ähnlichen  Raum,  auch  im  Felde:  er
füret  ju  auf  einen  freien  platz  auf  der  höhe  Pisga
4.  Mof.  23,  14;  sie  saszen  aber  auf  dem  platz  fur  der
thür  am  thor  2.  Chron.  18,  9;  der  platz  umbher  (um
das  Heiligtum)  1.  Macc.  4,  38;  trat  auf  einen  platz  im
felde  Luc.  6,  17;  in  Zufammensetzungen:  bleich-,  gras-,
rasen-,  ruhe-,  exercier  -,  tanzplatz  u.  ä.;  platz  zum
bauen,  bauplatz;  besonders  in  Stadt  und  Dorf  der
weitere,  ursprünglich  einzige  Raum,  an  dem  die  öffentlichen
  Gebäude,  Gemeinde-,  Rathaus  und  Kirche  stehen,
und  wo  der  Markt  gehalten  wird,  dorf-,  gemeinde-,
kirch-,  markt-,  stadtplatz;  bis  sie  auf  den  platz  (der
Festung)  kam  Judith  13,  5;  das  dringt  in  die  weite
durch  gassen  und  platz  Uhland  31;  in  erweiterten
Stadtanlagen  im  Plur.:  öffentliche  plätze;  der  plätze
kreis,  der  kirchen  edlen  bau  Goethe  nat.  Tocht.  5,  7;
—  Naum  für  Turnier,  Zweikampf,  Schlacht,  kecht-,
kampf-,  renn-,  tummel-,  turnierplatz;  besonders  in
Redensarten  vom  Kampfleben  hergenommen:  der  erste
auf  dem  platze  sein;  warf  er  scheere  und  ehle  weg,
und  war  der  erste  auf  dem  platze  Hebel  3,  90;  nicht
vom  platze  weichen;  es  wäre  keiner  vom  platz  gewichen,
  er  wäre  denn  schwer  verwundet  gewesen  Ranke
Pänpste  2,  70;  den  platz  räumen,  als  Besiegter  weichen:
einem  bessern  den  platz  zu  räumen  Schiller  Karl.
3,  10;  wo  es  denn  auch  den  platz  soll  räumen  Heyse
1,  341;  auf  dem  platze  bleiben,  als  Besiegter  und  Getöteter:
  ich  wil  unterstehen  groszes  lob  zu  erwerben
oder  wil  darüber  auf  dem  platz  bleiben  B.  d.  Liebe
351e;  wir  wollen  sehen,  ob  die  mode  oder  die  menschheit
  auf  dem  platz  bleiben  wird  Schiller  Kab.  2,  3.

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