2. Titel: Die Verwaltungsgerichte: Der Kreisausschuß u. sein Vorsitzender. 9
und dem Landesherrn vermittelte der Kreiskommissar, um die Geldund
Materialleistungen der Stände zu sichern. Seit 1652 wurden in der
Mark Brandenburg die Kreiskommissare auch Organe der Polizeibeaufsichtigung
auf dem flachen Lande. Die Kreiskommissare erhielten später,
1701 in der Mark, den Titel Landrat (Lamotte, Von den Landräten
in der Kurmark; Aufsatz in v. Kamptz Annalen 12 881 ff.; Bornhak,
Geschichte des Preuß. Verwaltungsrechts 1 267; derselbe, Preuß. Staatsrecht
§ 117). Nachdem 1723 die Kreiskommissariate mit den kurmärkischen
Amtskammern verbunden waren, wurden die Landräte Mitglieder der
Kammer und ihr direkt untergeordnet. Ihre Ernennung erfolgte auf Vorschlag
der Rittergutsbesitzer, dasselbe geschah später in den westfälischen
Provinzen und in Preußen. Pommern und Magdeburg erhielten Kreisstände
und Landräte schon unter Friedrich Wilhelm I. In Schlesien wurde
1741 die märkische Kreisverfassung eingeführt. Am 1. VIII. 1776 wurde
für die Kurmark eine ausführliche Landratsinstruktion erlassen (Lamotte
a. a. O.). Der Landrat war danach das Organ der Steuerverwaltung
und der Landespolizei. Er hatte einen Kreisschreiber, und die Steuern
wurden von dem Kreissteuereinnehmer vereinnahmt, auch wurde ein Kreisausreiter
bestellt. Der Kreis war Kommunalverband (Bornhak a. a. O. 117).
In den Jahren 1825 bis 1828 wurden für die einzelnen Provinzen
Kreisordnungen erlassen, jeder Kreis hatte einen Kreistag in heutigem
Sinne. Er setzte sich aus den sämtlichen Rittergutsbesitzern, Vertretern
der im Kreise gelegenen Städte und einzelnen Vertretern der Landgemeinden
(in den östlichen Provinzen drei für jeden Kreis) zusammen;
teils hatten die Rittergutsbesitzer teils der Kreistag das Recht, den
Landrat dem Könige vorzuschlagen.
13. XII. 72
19. III. 81
West-) Preußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen erlassen.
Am 6. V. 84 erging die Kreis O. für Hannover, am 7. VI. 85 für Hessen-Nassau,
am 31. VII. 86 für Westfalen, am 30. V. 87 für die Rheinprovinz,
am 26. V. 88 für Schleswig-Holstein. In der Provinz Posen gilt
der § 36 LBG. nicht, an seine Stelle treten die Vorschriften des Art. IV.
G. v. 19. V. 89 (GS. 108). Der Kreistag in Posen setzt sich jetzt noch
aus den Rittergutsbesitzern, Vertretern der Städte und Landgemeinden zusammen.
Jeder Rittergutsbesitzer hat Virilstimme (Kreis O. v. 20. XII. 28 —
GS. 29 3). Die Mitglieder des Kreisausschusses werden vom Oberpräsidenten
ernannt. Das G. v. 19. V. 89 enthält auch Bestimmungen
über den Provinzialverband der Provinz Posen (vgl. noch G. v. 27. III.
24 — GeE. 141, Vd. v. 15. XII. 30 — GS. 32 9 und v. 19. XII. 45 —
GS. 46 18, Vd. v. 29. XI. 44 — GS. 706 [Löschung der Rittergüter)]).
In Hannover und im Landkreise Frankfurt a. M. hat der Landrat
die Ortspolizei (Kreis O. v. 6. V. 84 §5 24 lwegen der Städte siehe § 27)
Unter dem wurde eine neue Kreis O. für (Ost= und