319 Schichtarbeit — Schid.
schicht des nebels, der wolken; der himmel hatte sich
. . mit einer leichten weiszen schichte uberzogen
Rosegger Waldheim. 1, 319; von der Erde schichten
des gestcins, gebirgs-, felsenschichten, in wissenschaftlicher
Spr. alluvial-, diluvialschicht u. s. w.; und soust
technisch, besonders bei Bergleuten die bestimmle Arbeitszeit
und Arbeit selbst, schon mhd. schint, vgl. Beith
100 ffg.; bergmann . der eincs tazes auf die schicht.
gegangen war Hebel 2, 196; dann das Ende solcher
Arbeitszeit, durch den Ruf schicht! schicht! oder schicht
ists verkündet (Veith 400); adjectivisch schicht werden,
luborem in fodinis non continuare posse Frisch:
sonst schicht machen, aufhören zu arbeiten, auch in
allgemeinen Gebrauch übergegangen: wir. muszten
aber bald schicht muchen (alsören zu tanzen) Goethe
Du W. 11; (ein Wanderer) machie hier schicht Gaudy
Erz. 65; freier, Aufhören eines Zustandes anzeigend:
so kann das nicht bleiben. hier musz schicht gemacht
werden Freytag Handschr. 2, 196; auch — Anfhören
besehlen: ein olmzier maehte endlich um zwei uhr
schicht, und es ward ruhig Seume Spaz. 1, 38; bair.
schicht machen, Ordnung machen, Ruhe herstellen
Schmeller; — schicht bergmännisch auch eine Einheit
von 32 Kuxen Veith 1410; sonst als Maß Dicke
einer Schachtrute, drei Fuß Adelung; in älterer
Rechtsspr. erbschicht, Erbteil, Teil einer Erbschaft, auch
Erbteilung, schicht der kinder erster che Absindung
derselben, ingleichen der ihnen abgetretene Teil ebd.;
schicht in Zinnhütten kupfernes Blech, worauf das
Zinn geplattet wird ebb. — Zusammensetzungen:
Schichtarbeit, f. bergmännisch Arbeit, bei der der Arbeiter
nach der Zeit gelohnt wird. — Schichtlohn, m. n.
Arbeitslohn für eine Schicht. — Schichtmeister, m. Betriebs=
oder Rechnungsführer auf einem Bergwerke. —
Schichtseumel, f. zu einer Reihe verbundene Anzahl von
Semmeln.
Schichten, in Schichten bringen; mhd. (in mitteldeutschen
Quellen) schihten einteilen, ordnen: hixz cr in
schichtin di lant in vicr bischtäme Jeroschin 6078;
auch später: sichstu nicht wie alles tuhn dann als
nun., nun alsz dann, sich wechselschichtct? Königsb.
Dichterkr. 161; cinc rede in drei theile schichten teilen
Adelung ; in älterer Rechtsspr. die erbschaft schichten,
teilen, die kinder erster che schichten oder abschichten
ebd.; gewöhnlich nach schicht = Lage (vgl. auch aufschichten):
einige kasten, in denen ich kleincs
kriegsvolk über einander geschichtet erblickte Goethe
Du W. 2; geschichtcte ziegeln Freytag Ahnen 5, 84;
wurden die köpfe der erschlagenen Turken in haufen
geschichtet Bild. 1, 478; bett schichten, zurechtmachen
durch über einander gelegte Bettstücke: das bett der ahne
neben dem meinigen war auch schon gcschichtet
Nosegger Waldheim. 1, 130; bei Schiffern schichten,
einraumen, die Art im Schiffsboden die Ladung anzuordnen
Jacobsson; im Hüttenwerk schichten die
einzelnen Schichten Erze und Kohlen in den Schmelzofen
ordnungsgemäß einführen. — Schichkung, f. Handlung
des Schichtens: lchler in der schichtung (des
Schisfes) Jacobsson; gestein. dessen schichtung gegen
südosten gencigt ist Moltke l, 130; wunderbarc schichtung
des gcebirges 5, 11.
Schick, m. Handlung, Art des Schickens, nach verschiedenen
Bed. des Verbums, spät mhd. schic, Art und
Weise, Gelegenheit, auch örtlich = Platz wohin etwas
gestellt wird Lexer, mud. schick Gestalt, Bildung, Form
Schiller-Lübbenz; niederl. schick, Jpefe0, ordo,
accomodatio Kilian; nhd. der schick, anlasz. occasrti0,
ein schick süchen, oecasionem quderere Maaler; oberdeutsch
verengt in die Gelegenheit bei Kauf oder Verkauf
Schmeller; Vorteil: es ist kcin schick dabei.
wenn man mit einem geistlichen reist Hebel 2,218;
giug mit der geige nur auf eincn guten schick aus,
schicken. 320
wenn die bauern irgendwo lustig waren und ein fest
feierten Keller Seldw. 1, 102; solche schicke kommen
nicht allc tage, aber solchen schicken laufen sic alle
tage nach JGottbelsf Schuldenb. 109; aber auch, wie
handel, verlaufen in die Bed. Begebenheit, Vorlommnis:
nachfolgenden lüchcrlichen schick Simpl. 1, 197; —
gute Art, Ordnung, und derartiges Ausschen: schick,
ordenliche schickung, dispositio Maaler; in oberwie
niederdeutschen Mundarten verbreitet (niederd. schikk.
Ordnung, ordentliche Einrichtung, guter Anstand, auch
Geschick, Wuchs, Leibesgestalt brem. Wb. 1, 652), in der
Schriftspr. des früberen 18. Ih. nicht gekannt, als
schweizerisches, in einer 1757 erschienenen Schrifst gebrauchtes
Wort von Lessing (Briese die neueste Litt.
betr. 15) angeführt, später in der Schriftspr. ausgebreitet
(von Campe noch als niedriges Wort bezeichnet), von
den Franzosen in der Schreibung chic entlehnt: einer,
etwas hat schick, keinen schick; etwas gerüt ans dem
schick, ctwas ohne schick thun; Maszmann brachte
einen strengeren schick in unser turnwesen HLeo
meine Ingend 91; ganz wie sichs hört! das nenn ich
schick! Freiligrath 3, 129; es bat doch andern sebick
Grillparzer 7, 159; bei der dunkelheit hats keinen
schick Heyse, 332; mit andern Ausdrücken zusammengestellt:
der smu und schick Schiller Wallenst. Lager 6;
das hat schick und gestalt Voß Luise 1, 204; dus hat
nicht raum, nicht fug, nicht schick Grillparzer
7, 31; brauch und schick 8, 153; mit schick und flansz
Nosegger Waldheim. 1, 205; schick und anstand
Waldschulm. 293.
Schicken, anordnen, veranstalten, senden; im Ahd.
nicht bezeugt, mhd. mud. schicken. Intensivbildung zu
ahd. scehan, vgl. geschehen; in mehrfacher Entsaltung
der Bed. 1) der Begriff des Ordnens, Fügens tritt,
wenn das Verbum trans. steht, in älterer Spr. mehr
als in neuerer hervor: mhd. dag si ir sehar schicten
(in Ordnung ausstellten) Gudr. 1393; so schikt sin
ding der vigent wol Boner Edelst. 93, 32; auch —
bewirken, entstehen lassen: des wolfs verrätung schichte
daz, daz vriunt vriunde wart gehaz 84, 69; auch im
älteren Nhd.: gott . Schicke unsern weg zu cuch
1. Thess. 3, 11; schickt das haus ewr veter in cwer
ordnung 2. Thron. 35, 1; schickt ewer bruder, das sie
thun nach dem wort des berrn 6; das volk hatte scin
herz noch nicht geschickt zu dem gott jrer rcter
20, 33; die jr herz schicken gott zu suchen 30, 19;
später nur noch in Resten der gemeinen und sprichwörtlichen
Nede, wo es jetzt nicht mehr in seiner echten
Bed. verstanden, vielmehr mit schicken 3 in Verbindung
gebracht wird: gott musz es schicken, wenn es soll
glucken Adelung; gott schickt dem menschen krankheit,
leiden ebd.; in die Bed. des Schaffens und Geschäftigseins
übergegangen: er hat immer was zu schicken,
ich mag nichts mehr mit ihm zu schicken haben ebd.;
schweiz. schicken und schickeln, handeln, Handelschaft
Lreiben Stalder, bairisch einem etwas schicken. testamentarisch
vermachen Schmeller; verhüllend mit einer
zu schicken haben ebd.; vgl. anschicken. 2) davon
bis in die jetzige Spr. mannigsach sich schicken, — sich
rüsten, bereiten, sertig machen: daz si. 0 die viende
schichin sich Jcroschin 7974; da schicket sich Tobians
mit allem was er mit jm wolt vemen Tob. 5, 24; schicko
dich zur anfechtunge Sir. 2, t; schickten sich zu streiten
wider Gibcao Richt. 20, 20; sprach er zu seinen knechten,
schieket cuch, und sic schickten sich wider die stad
1. Kön. 20, 12; schieke dich gegen mich und stelle
dich Hiob 33, 5; sollen sie sich schicken, dus sic zwileltig
eintragen 2. Mos. 16, 5; auch in neuerer Spr.
noch: (sie) schicken sich mit mordrerlangen. das todesopfer
zu emplungen Schiller Gang nach d. Eisenh.:
wenn man so jemand sicht, der sich zum balle schickt
Goethe Mitschuld. 1, 6; sich zur arbeit, zur reise, zum