306 Industrile, Handel und Verkehr.
Die Donau hat in diesem Kanal ein außerordentlich starkes Gefälle,
das nur durch Maschinen mit sehr hoher Kraft überwunden werden kann.
Die Möglichkeit der Beförderung von Schlepps ist entsprechend beschränkt.
Dieser Faktor spielt eine um so größere Nolle, als es bis dahin nicht gelungen
war, auf der Donau Nachtverkehr durchzuführen. Oie einschlägigen
Versuche, auch in der Nachtzeit den Güterverkehr aufrechtzuerhalte#nt,
sind von Erfolg begleitet gewesen. Schon die Durchführung des fakultativen
Nachtverkehre brachte im September 1917 eine Steigerung um
fast 40% . Die Fahrzeit erfährt bergwärts eine sehr erhebliche Berkürzung,
von etwa einer Stunde auf 55 bis 45 Minuten, so daß die Zahl der Tageesfahrten
nicht unbeträchtlich gesteigert werden kann. Eine ideale Lösung
der Schiffahrtsstraße stellt der Eiserne-Tor-Kanal in seiner heutigen
Gestalt und bei dem starken in ihm perrschenden Gefälle jedenfalls
nicht dar.
Die Einführung des Nachtverkehrs auf den teilweise recht schwierigen
Donaustrecken, die der Krieg gezeitigt, dürfte künftig auch für die deutsche
Binnenschiffahrt einen erheblichen Anreiz zur Intensivierung bilden.
In der deutschen Binnenschiffahrt war vor dem Kriege nicht nur eine
beträchtliche Vermehrung der Tragfähigkeit, sondern auch ein Zug zu
intensiverer Leistung durch Vergrößerung der Fahrzcuge und Vermehrung
der Schiffe mit eigener Triebkraft bemerkbar. So stieg in den
zwei Zahrzehnten von 1887 bie 1907 die Zahl der in der Binnenschiffahrt
benutzten Fahrzeuge zwar nur von 20 000 auf 26 000, ihre Tragfähigkeit
aber erreichte in dieser Zeit fast eine Verdreifachung, indem sie von wenig
über zwei auf fast sechs Millionen Tonnen sticg. Die Anzahl der Schiffe
mit weniger als 150 t Tragfähigkeit ging erheblich zurück, die der größeren
verzeichnete durchweg eine Vervielfachung; so gab es im Jahre 1887
nur 81 Binnenschiffe mit mehr als 800 t, 30 Zahre später aber 1213.
Die Tragfähigkeit der Schiffe mit eigener Triebkraft stieg von 51 000 t
auf 189 000 t, und zwar waren an dieser Steigerung namentlich Güterund
Schleppfahrzeuge beteiligt.
Der allgemeine Güterverkehr auf den deutschen Binnenwasserstraßen
blieb noch im Zahre 1911 mit 81,5 Millionen Tonnen sehr weit hinter den
427 Mllionen Tonnen des Eisenbahnverkehre zurück. Bemerkenswert
ist aber, daß gerade für den Auolandsverkehr mit den Nachbarländern
die Bedeutung der Binnenwasserstraßen verhältniomäßig nabe an die Bedeutung
der Eisenbahnen heranreichte. Es betrug 1911 der Versand
nach dem Auoeland auf den Eisenbahnen 37,6 Millionen Tonnen, auf den
Binnenwasserstraßen 15,2 Millionen Tonnen. Mir empfingen vom
Auslande an Gütern auf den Eisenbahnen 22,5 Millionen Tonnen, auf
den Binnenwasserstraßen 21,9 Millionen Tonnen.