Stärke und unsere Schwäche zu mißbrauchen. Ich wünschte nur, daß
alle anderen Großmächte sich der gleichen Rücksicht gegen uns befleiBigt
hätten.
Baron Greindl. Berlin, 27, Januar 1908 (Fehlspruch, S. 135)
„Im vorigen Jahre hat der König von England seine Mittelmeerfahrt
zu dem Versuche ausgenutzt — mindestens hatte es den Anschein —,
Italien, wenn nicht vom Dreibunde abzusprengen, so doch wenigstens
der englisch-französischen Freundschaft zu nähern... Der Dreibund
ist nicht unpopulär in Italien, denn er hat dem Lande denselben Dienst
geleistet wie der französisch-russische Zweibund Frankreich. Der Dreibund
hat während langer Zeit Italien vor jeder Gefahr beschützt; er hat
ihm das Selbstvertrauen zurückgegeben und ihm erlaubt, sich ganz
seiner wirtschaftlichen Entwicklung zu widmen.“
Rom, 31. März 1908 (Fehlspruch, S. 127)
„Deutschland kann nur noch zwischen absichtlichem Totschweigen
und dem Kriege wählen, den der Kaiser nicht will, und den die deutsche
öffentliche Meinung verurteilen würde. Das Interesse Deutschlands
ist zu gering, als daß es die Gefahr eines europäischen Zusammenstoßes
rechtfertigen könnte. Viele erachten es sogar gleich Null. Das marokkanische
Abenteuer wird Frankreich viel Blut und viel Geld kosten. Wozu
sollte man es von einem Unternehmen ablenken, das es für lange Zeit
an der Vogesenfront lahmlegen wird.
Baron Greindl. Berlin, 6. Mai 1908 (Fehispruch, S. 137)
„Der Dreibund hat während 30 Jahren den Weltfrieden gesichert,
weil er unter der Führung Deutschlands stand, das mit der politischen
Teilung Europas zufrieden war. Die neue Gruppierung bedroht ihn, weil
sie aus Mächten besteht, die eine Revision des Status quo anstreben, und
zwar in so hohem Grade, daB sie Gefühle jahrhundertelangen Hasses zum
Schweigen gebracht haben, um diesen Wunsch verwirklichen zu können.“
Baron Greindl. Berlin, 30. Mai 1908 (Fehlspruch, S. 137/138)
„Unbestreitbar verdanken wir Deutschland und den im tiefsten
Grunde friedliebenden Absichten des Kaisers die 37 Jahre der Ruhe,
deren wir uns erfreut haben.“
Baron Greindl. Berlin, 14. November 1908 (Fehlspruch, S. 139)
1909
„Der König von England versichert, daß die Erhaltung des Friedens
immer das Ziel seiner Bestrebungen gewesen sei; das hat er seit Beginn
des diplomatischen Feldzuges immer gesagt, den er erfolgreich durchgeführt
hat, um Deutschland zu isolieren. Aber man muß doch bemerken, daß
der Weltfriede niemals ernstlicher bedroht war, als seitdem der König
von England sich damit befaßt, ihn zu festigen.“
Baron Greindl. Berlin, 13. Februar 1909 (Fehlspruch, S. 141)
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