Full text : Sozialdemokratie, Christentum, Materialismus und der Krieg.

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Teil,  d.  h.  auf  die  Erscheinung  hat  man  es  aber  mit  Erkenntnis  zu
tun  und  hier  gilt  die  Kategorie  der  Notwendigkeit,  d.  h.  die  Antithefis
der  Antinomie.  Bei  der  dritten  Antinomie  ist  also  sowohl  die  Behauptung
  der  Thesis  als  auch  Antithesis  möglich,  je  nach  dem  Standpunkt,
  von  dem  man  sie  betrachtet.

In  der  vierten  Antinomie  handelt  es  sich  um  die  höchste  Bedingung
  alles  Veränderlichen,  d.  h.  um  die  Weltursache  als  notwendiges
Wesen  und  hiermit  um  die  unbedingte  Existenz  der  Substanz  selber.

Auch  in  der  vierten  Antinomie  können  sowohl  die  Behauptungen
der  Thesis  und  Antithesis  wahr  sein,  da  das  notwendige  Wesen  als
intelligibel  außer  der  Reihe  der  Erscheinungen  gedacht  werden  muß.
Betrachtet  man  die  Seite  der  Sinnenwelt,  so  wird  man  finden,  daß  alle
Dinge  als  zufällig  nur  eine  empirisch  bedingte  Existenz  haben,  was
aber  nicht  ausschließt,  daß  die  ganze  Reihe  der  Gesamtheit  eine  unbedingte
  Existenz  hat.  Dieses  Unbedingte  ist  intelligibel  und  kann  als
transzendentaler  Grund,  d.  h.  als  notwendiges  Wesen  gedacht  werden.

Auch  die  letzten  beiden  Antinomien  können  als  regulatives  Prinzip
  nur  zeigen,  daß  unfere  Vernunft  das  Intelligible  nur  als  Grenzbegriff
  gebrauchen  kann  und  daß  sie  hierüber  hinaus  nur  über  eine
Möglichkeit  aber  nicht  Wirklichkeit  urteilen  kann.  Das  Unbedingte  der
vierten  Antinomie  überschreitet  das  Kosmologische  der  Ideen  und  führt
ins  Übersinnliche  und  damit  zum  Ideal  der  reinen  Vernunft  überhaupt.

Die  Lehre  der  Theologie  vom  Dasein  Gottes,  die  sich  angeblich
auf  die  Vernunft  stützt,  hat  das  Bestreben,  die  Idee  vonsder  Möglichkeit
eines  Wesens  aller  Wesen  derartig  zu  vergegenständlichen  und  zu  einer
Wirklichkeit  zu  machen,  daß  sie  unserem  Begriff  zugänglich  ist.

Da  in  der  Idee  Gottes  als  das  Wesen  aller  Wesen  auch  diejenige
der  höchsten  Realität  liegt,  von  der  die  Beweise  für  das  Dasein  Gottes
der  rationalen  Theologie  ausgehen,  so  untersucht  Kant  zuerst,  was  der
Vernunft  von  der  höchsten  Realität  überhaupt  zugänglich  ist.

Kant  geht  davon  aus,  daß  auch  die  Begriffe  der  Negarionen  von
Realitäten  abgeleitet  sind,  so  daß  die  Realitäten  gewissermaßen  den
transzendentalen  Inhalt  zu  der  Möglichkeit  aller  Dinge  und  ihrer
durchgängigen  Bestimmung  enthalten.  Den  Gegenstand  durchgängig
zu  bestimmen,  heißt:  ihn  mit  allen  Aussagen  der  Erscheinung  vergleichen
und  ihn  dadurch  bejahend  oder  verneinend  vorzustellen.  Für  diese  Bestimmung
  haben  wir  nun  in  unserer  Vernunft  ein  transzendentales
Substrat,  das  in  diesem  Sinne  nichts  anderes  ist,  als  die  Idee  von  einem
Unbeschränktsein  der  Realität,  d.  h.  unser  geistiges  Ich  ist  selbst  Beweis,
  daß  es  etwas  Wirkliches  gibt,  das  über  unsere  Sinnenwelt  hinausgeht.
  In  dem  Unbeschränktsein  der  Rsalität  und  Homogenität  der
Materie  kann  man  hieraus  eine  solche  für  die  Allheit  herleiten  und