Full text : Rosenheimer Anzeiger. 63. Jahrngang (63)

Aummer  92  1

Wle#n  n#3

Samstag,  28.  April  1012

 

Allen,  die  in  der  Heimat  zurückgeolieren  sind,
drängte  sich  in  diesen  Tagen  die  Frage  auf:  Was
müssen  die  Kämpfer  draußen  sich  sagen,  wenn
die  Landesgenossen  in  der  Heimat  ihnen  aus
Frivolität  die  nötige  Hilse  verweigern?  Denn

das  war  der  Berliner  Streik  zum  guten  Teil;

nebstbei  auch  etwas  Machtlitzel,  um  zu  zeigen:
Alle  Räder  stehen  still,  wenn  dein  starler  Arm  es
wikl!  Die  Bezahlung  ionnte  den  Grund  des
Streiks  nicht  bilden,  denn  Tein  Grofteil  oder
Ausständigen  bezieht  20  Ml.  Tagesrerdienst  und
mehr!  Wievi'ele  Taufende  des  handwerlüichen,
gewerblichen  und  gebildeten  Mittelstandes  reichen
  in  ihrem  Einlommen  nicht  im  Entferntesien
an  diese  Löhne  heran!  Um  so  unverantwertlick#er
ist  das  Vorgehen.  Ein  sold  er  Streil  isl  auch  die
gewaltigste  Schädigung  der  Arbeitersache  für  alle
Zukunft,  denn  darüber  soll  man  sich  nicht  täuschen,
  daß  das  deutiche  Volk  Abrechnung  halten
würde  mit  jenen,  welche  die  Mühen,  Slirapazen
von  so  und  so  vielen  Millionen  verloren,  das
Blut  von  so  vielen  Hunderttansenden  umsonst
geflossen  sein  liesen,  das  Land  jormii  aus  gewissenloser
  Launc  in?  außerste  Elend  stienen.

General  Gröner  hat  im  Hauptausschuß  des
Reichstages  gesagt,  es  liegen  Beweise  dafür  vor,
daß  die  Bewegung  auch  vom  feindlichen  Ausland
  gefördert  murde.  (Gewiß,  wir  wissen,
daß  das  feindlicke  Ausland  sich  an  jeden
Strohhalm  illammert,  um  daraus  neue
Zuversicht  für  seine  verzweiselnden  Völler  ab.
auleiten.  Und  gerade  in  diesen  Tagen  hat  der
Parif  jer  „Figaro“  noch  geschrieben:  „Die  Entente
  habe  besonderes  Inleresse  an  den  Ausständen
  in  Deutschland,  da  die  Folgen  sich  bei
der  militärischen  Operation  im  deutschen  cere
geltend  macken  müstten.  Seollten  sich  die  Streils
ausdehnen  und  verlängern,  so  würde  die  Mu-K.
Uitionsversergung.  an  der  Front  baldigst  und

lich  in  Mitleidenschaft  gerogen  sein.“  Also
b-  feindlidte  Preise  änß#ert  ihre  helle  Freud:
über  die  deutsche  Aus  standelewegung  und  erwartet
  daraus  für  sich  die  grösten  Vorteile.  Es
ist  tief  bedauerlich,  das,  es  bei  uns  Leute  gibt,
auf  die  der  Feind  in  dieser  Hinsicht  seine  Hoffnungen
  bauen  will.  Das  i#t  für  uns  ein  duniler
Pu#t  in  der  Geschichte  dieses  Krieges.

Auch  die  SEingabe  der  Arbeiterorganisationen
verdient  ernsteste  Beachtung.  Sie  bringt  Wünsche
  vor,  die  den  Ausföhrungen  des  Generals
Gröner  im  Reictag  rielfach  begegnen.  Was
dem  einen  reckt  in,  ist  dem  anderen  billig,  jagle
der  Chef  des  Kricgsamtes,  und  derhalb  iann
man  nur  damit  einverstanden  zein,  das  auch  auf
der  anderen  Seite  nach  dem  Rechien  geiehen
wird.  Die  Arbeiter  haben  jetzt  schwere  Pflichten
zu  erfüllen,  sie  sollen  aber  auch  n  ihren  Recklen
  nickht  verlürzt  werden.  Und  an  allen  liegt
es,  auch  an  den  Behörden,  vor  allem  in  der
Ernêhrungsfrage  nach  Kraften  n
lich  ist.  Triir  dann  n##  die  Auftiärung,  wie  ise
General  Gröner  wirnicht.  in  den  breiten  Massen
hinzu,  dann  wird  icherlic;  alies  zum  guten  Ende
führen  und  der  Matkel.  der  da  oder  dart  in  des
Reiches  Schicfal  Uunde  sich  vrormuagen  lkennte,
wieder  schwinden.  Dann  werden  wmir  sicher  erreichen,
  wonach  u##r  uns  alle  so  sehr  sehnen:  einen
ehrenvollen,  siegreicken  und  dauernden  Frieoen.

Die  Ausführungen  des  Generals  Groner  im
Hauptausschui  der  Reiche  clage  und  seinen  kraflvellen
  Aufruf  werden  um  in  der  nächiten  Num—
mer  vetöfsentlichen.

 
     

Die  Arbeiterschafe  und  der  Berliner
Streik.

Verlin,  28.  April.
Die  Arbe.lergaoDerchlands  haben
  als  Antweri  auf  den  Brief  Hindenburgs
ein  gemeinsames.  Streiten=  an  den  Chef  des

Die  zweite  Fran.

Neman  von  An  Seyffert-Klinger.
24)  (Nachdruck  verbsten.)
Eine  Enterbte  nannte  sie  sich,  weil  sie
Friedrich  Vetzold  geliebt  hatte  mu  all  der  Glut
und  Treue  eines  semen  Hergens,  in  dem  nie.
mals  ein  Zwiespalt
Pepold  aber  han,  beese  Liebe  niemals  ermidert,
  er  schätzte  Beate  hoch  und  mar  ihr  stets
ein  aufrichtig  ergehener  Freund  gewesen.  Sein
Herz  aber  blicb  ihr  nerichlollen.  auch  dann,  als
bder  Tod  ihm  seine  junge  Frau  ent  ien  hatte.
Dos  war  eine  biltere  Enttäuschung  für
Beate  gewesen,  welche  wohl  noch  immer  gehofft
hatte,  dereinst  den  Platz  der  Verstorbenen  einzunehmen.

Es  war  ihr  nicht  leicht  geworden,  gänzlich
kn  resignieren,  und  als  sie  doch  endlich  alle
Uünsche  im  innersten  Herzensschrein  begraben,
2  war  die  „Freude  am  Leben  in  ihr  gebrochen
war  der  einzige  Sonnenstrahl  in
rem  rebeten  Dasein.  Wie  lelen  aber  kamn
He  aina  längeren  Besu
Nun  aber  weilte  sie  hier,  ’man  hörte  ihre
liebe  Gümre  das  jüberheell  Lachen,  es  waren
mtrtlia  „  reudentunde
stisch  richtete  er  sch  wleder  auf.  Unter
lhrem  To#en  en  lag  Petzo  (66  Briel.  sie  grih
danach  und  öffnete  ihn  lang
Freundin!  EG  Zeilen  schreibe
Icd-  u

bricht  alles  ũber  mir  in  Die
E  erdrückt  mich.  Ich  habe  das  ber

il,

 

 

t
1  dem  Bette.  Sie  lollte  ihn

Kriegsamtes,  Generalleutnant  v.  Gröner,  gerichte.
  Sie  erlären  sich  darin  mit  dem  leitenden  Gedanken
  des  Hindenburgbriefes  völlig.  einverstanden
  und  sagen:  „Arbeitseinstellungen  in  der  gegenwärtigen
  Stunde  sind  zu  vermeioen.  Die  Erhaltung
  der  Sicherheit  des  Reiches  steht  an  erster
Stelle.  Nach  allen  Kundgebungen  der  Gegner
Deutschlands  unterliegt  es  für  politisch  reife
Menscken  keinem  Zweifel,  daß  nicht  eine  Verminderung,
  sendern  nur  eine  Erhöhung  der  Wider-Uandstraft
  Deutschlands  uns  den  baldigen  Frieden
  bringen  kann.  W?  diese  politische  Erlenmtnis
  nicht  vorhanden  ist,  sollle  zum  Mindesien
  das  Mitgefühl  mit  unseren  an  den  Fronten
ilhr  Leben  einsehzenden  Söhnen  und  Brüdern  die
Arbeitnehmerschaft  von  Handlungen  sern  halten,
die  geeignet  find,  die  Kraft  der  Kämpfenden  zu
lähmen.  Nur  ein  herzloser  und  genifssenloser
Mensch  1#  dazu  raten,  diesen  d.e  erforderlich  en
V.  -eteidigungomttiel  zu  versagen.  Diese  Aufsassung
  beherrscht  nach  unserer  innersten  Ueberzeugung
  auch  die  Bevöllerungslresse,  die  durch  unsere
  Organisat:  onen  vertreten  werden.  Unsererseits
  wird  alles  geschehen,  sie  nicht  nur  zu  erhalten,
  sondern  zu  stärlen  und  eu  erweitern.“

Schreiben  sagt  dann  vom  Berliner
„Von  unverantworllicken  Leuten  iit,

Das
Streik:

lücklichermeise  mit  ganz  vereinzeltem  Erfolg,  versucht

  worden,  die  Arbei#t-  einstellung  der  Waffenund
  Munitionsarbeiter  politischen  Zwecken  dienstbar
  zu  machen.  Der  Wunsch  nach  baldiger  Beenrigung
  des  blutigen  VBöllerringene  isi,  ebn  wie
in  anderen  kriegführenden  Längern,  auch  im
deutscken  Volle  groß.  Er  ist  menschlich  erilärlich
und  verständlich.  Das  Beftreben,  ein  Mittel  zu
sinden,  die  Beendigung  des  Krieges  herbeizuführen,
  beherrscht  auch  die  arbeitende  Bevölkerung.

Sedauerlich  isl,  daf  einige,  menn  auch  unbedentende

  Kreise,  dieses  Mittel  in  einer  Verweigerung
der  Lerstellung  der  zur  Landeererteidigung  erferderlichen
  Waffen  erblicken.  Solche  Ideen  hätlen

  jedoch  die  bellagten  Arbeitseichtellungen  in

dem  eingetretenen  Umsang  nickt  herbeirühren
iönnen,  menn  nicht  bestimmte  Voraussetzungen
für  die  Mifstimmung  in  der  arbeitenden  Bevöllerung
  vorhanden  wären.“

Die  Arbelterorganisationen  gehen  dann  in
ihren  Darle  hungen  näher  auf  diese  Vorausjetzt
  agen  für  die  Mistztimmung  ein.  Als  wesentlic,
  ste  üriee  werden  die  „unzureichenden
Manahmen  auf  dem  Gebiete  der  Ernährungspolität“

  bezeichuct;  gibt  es  doch  „immer  noch  ver-Pnuitemasig
  grorz:  Mengen  wichtiger  Nahrungemittel
  auserhalb  der  Nationierung,  jedoch
nur  zu  Preifen,  die  ven  der  erwerbsläligen  Beröllerung
  nicit  be  ahlt  uerden  lönnen“.  Das
koala  u.  diese  Nal  rungomittel  reillz3#zu  ersas.
·  handle-Itan  den  Aulal  zu  den  Arl
  tcslsalbnirden
«qc«tcllts11«UkaZ-mh·-men
  u  t  der  nöt  arse  uno  Nücksichls-I#ziglen
  d  durzs,  eeführt.  üuer  den“.  Weiter  werden
aufgezähl:  zärei  ende  Entlohnung,  unnötige
Härten  bei  se  urc  füh  rung  des  Hilfsdienitg:-setzes,
  Tünchränkung  und  Besektigung  der  Rechte
der  Arbeiler  und  Behandlung  der  Arbeitnehmer.
„Dier  eine  Aenderung  herbeizuführen,  sollle  sich
die  Staats-  und  Heeresleitung  nachorüclichst  an-  


  
  

die  in  i:

gelegen  sein  laisen“.

Mit  der  Bitie,  von  diesem  Schreiben  dem  Generalfeldmarse
  all  v.  Hindenburg  Kenntnis  zu
geben,  heist  c:  dann  zum  Schluf:  „Wir  werden
immer  Uieder  hinmeisen,  daß  Diejenigen  sich  an
unjerem  Vaterlande  versundigen,  ose  durch  willlürlicke
  Lerabminderung  der  Lieferung  von  Verleidigungemitteln
  die  Wideritandskraft  unseter
Truppen  schwächen.  Auf  der  anderen  Zeite  muß
aber  auch  alles  getan  werden,  was  erforderlich
die  Leiflungsfähigkeit  der  Heimarmce  zu  erhalten.
  Werden  die  Pflickten  mit  dem  tiefen
Ernr,  welchen  die  gegenwärtige  Zeit  sorder
stimmte  Gefühl,  als  seien  dies  die  lehten  Wort
die  ich  Ihren  je  aihtreiten  werde,  ein  ehnen
Lebewohl,  aber  auch  eine  legle,  diingende:,
flehende  rinte.  Nehmen  Sie  Irmgard  an  Ihr
Herz,  verlassen  Sie  das  Kind  nicht.  In  em
beifolgenden  Palet  befinden  sich  hunze#:t
Tausendmarlscheine  —  Irmgards  Vermögen.
Bewahren  Sie  das  Geld  gut  *  Ilmen  allein
kann  ich  es  anvertrauen  —  verralen  Sie
keinem,  auch  Irmgard  einstweilen  nichts  von
dem  Vorhandensein  des  Geldes,  damit  cs  ihr
nicht  geuommen  wird.  Ich  will,  daß  Irmgard
im  Besiz  dieses  Geldes  bleibt.  Lassen  Sie
mich  cs  Ihnen  lagen,  teure  Freundin,  daß  ich
den  nahenden  Tod  fühle,  meine  Kraft  ist  gebrochen.
  ich  werde  sterben  Kür  das,  was  Sie
mir  und  meinem  Kinde  ##i##sen  sind,  konnte
ich  Ihnen  mtemals  genr#danen  —  möge
Gott  Sie  dafür  lohnen.  Las  cun  ich  Ihnen
für  all  die  mir  bemiesene  Anyaglichkeit  und
Aufopferung  noch  nach  meinem  Tode  eine
bittere  Enttäuschung  bereite,  lso  rechten  Sie
nicht  strenge,  ver  zeihen  Sie  mir.  Nicht  Undank
zegen  Sie,  nicht  Pietätlosigkelt  bestimmten  mein
Handeln,  sondern  eine  Verkettung  von  Umllanden,
  denen  gegenüber  ich  machtlos  war.
Und  lollten  Sie  mir  doch  zürnen,  Beate,
lassen  Sie  es  Jrmgard  nicht  entgelten,  das  orme
Kind,  welches  unter  dem  Druck  des  Unglücks
ohnehin  schwer  enug  Zu  leiden  haben  wird.
Verzeihen  Sie  —  mnit  dieser  Bitte  schride  ich.
Bis  ins  alle  Cwigkeit  Ihr  Schuldner  —  Usiedrich

old.“

Unnalürlich  weit  waren  ben  Au
öffnel,  nachdem  sie  zu  Ende
geschehen?  Was  bennete

beiden  Füßen

           
 

en  ce--
  —
r  mystsche  Buess
z1  eic  eich  war  sie  aus
nlemals  wiedersehen,

 

ron  aun  Seiten  erfullt,  so  wird  unser  deutsches

Voll  auch  diese  schwersten  Wochen  des  furchtbaren
  Weltkrieges  bestehen.“

r7reEBP———
—

Berlin,  26.  April.

Die  auf  Sonntag,  22.  April,  nach  Berlin  einberufen?

  ause#errden#lich:  Hauptrersammlung  des

Vereins  Deutscher  Zeitungs-  Verleger  war  aus
allen  Teilen  des  Reichs  sehr  stark  besucht.

Zu  dem  Punkte  „Kriegswichtigkeit  aller  Zeitungebetriele“
  teilte  der  Vorsitzende  mit,  daß
es  bisher  nur  in  einzelnen  Korpsbezirken  gelungen
  sei,  bei  den  zuständigen  #  riegsamtsstellen
die  Erllärung  aller  Betriebe  als  kriegswichtig
durckanjetzen.  Zur  Beseitigung  der  dadurch  herbeigeführten
  ungleichmäaßigen  Behandlung,  die
im  Gegensatz  zu  den  gegebenen  Jusagen  steht,
nimmt  die  Versammlung  einstimmig  eine  Entschlies
  ung  an,  die  sich  gegen  oie  noch  vielfach  ersolgende
  rüdsig  islese  Einziehung  unersehlicher
Kräste  des  Zeitungsgewerbes  nendet.  Der  Vorsiand
  wird  ausgefordert,  mit  aller  Enischeedenheit
  nochmals  darauf  hinzuwi#rlen,  daß  oie  Zeilungen
  nun  endlich  in  allen  Korpsbezirlen  als
tiriegemichtig  erllärt  werden,  damit  das  Zeitungsgewerbe
  von  der  bei  der  Bedeutung  seiner

vaterländischen  Aufgabe  doppelt  schwer  auf  ihm
lastenden  dauernden  Beunruhigung  befreit  und
die  —*  terhaltung  seiner  Betricbe  gesichert
werde.

Vescnders  gründlich  wurde  die  Papierfrage
erörtert,  in  Verbindung  mit  einer  von  den  Gebilsen
  neuerdings,  geforderten  auf  erordentlich

hohen  Lehnerhebung  die  schwerste  Kriegosorge
der  Zeitungsbetriele.  Esser  (Stuttgari)  bedauerte
  bie  Zortdauer  des  Kelzwuchers  unter  den
Augen  der  Behẽrden;  Lattmam,  (Goslar)  rügte
  die  Papierverschwendung,  die  in  andern  Jueigen
  des  Papiergemerdes  rielsach  noch  getrieben
wird  und  die  ausreichende  Herstellung  und  Lieserung
  veon  Papierh  alʒ  verhindert;  Krauß  (Leipzig)
  erklart  für  den  Kreisverein  Sachsen,  daß
dieser  eine  Papierpreiserhöhung  unter  keinen
Umständen  annehmen  lonne.  Es  sei  bitterer,
letzter  Ernst,  wenn  die  Jeitungen,  die  als  fast
einuges  Geurerbe  jeinen  Kriegegewinn  aus  der
Kriegelenjunkiur  zögen,  nun  saglen:  wir  lönnen
nicht  mehr.  Landtageabgerrducter=  Graef  (Anllam)
  beteme  mit  Schärse,  jedes  Verwauen  zu
der  Regierung  muse  schwinden,  uenn  das  von
ihr,  unter  Geldopfern  der  Veorleger,  geĩd,  aĩfene
Srgan  dos  Papier  verteuere,  slatt  es  zu  erbilligen.
  Besonders  die  mittlere  und  lleine  Proeimzpreise
  erliege  unter  diesen  Umstanden  der
Konkurrenz  der  billigen,  nich  lapttallräftigen
Gre  tastblätter.  Der  mehrfach  geforderte  gesetzlich:
  Zwang  zur  #  erilellung  einer  geuessen  Men.
ge  von  Druckpapier  ist,  wie  Müller  (Berlin)  ausführt,
  in  der  Satung  der  Reicksstelle  für  Papierholz
  bereits  vorgeschen,  aber  bisher  nicht
durd  geführt,  da  man,  wie  Prof.  Wollf  (Dresden)
  bemerkt,  den  Beck  zum  (Härtner  gesetzt  hat.
Es  sprachn  ferner  Vensing  (Dortmund),  Dietzsch
(Schreriv,  Dr.  Korn  (Breslau);  alle  forderten

ron  dem  V  rstande  die  äußerste  Entschiedenheit
gegenüber  den  Papierfabriten  und  angcsichts  des
V  ersagens  der  Reichestelle  für  Papierholz  zu
zeigen.  Die  Aufforderung  eines  der  Redner,  im
Falle,  daß  das  Gewerbe  weriter  von  der  Regierung
  im  Sticht  gelassen  werde,  zur  Durchsetzung
  seiner  bedrohten  Interessen,  die  mit  dem
grofen  Interesse  der  Allgemeinheit  zusammenfielen,
  die  aupeersten,  letten  gesetzlichen  Mittel

u  ergreisen,  um  endlich  den  um  ihre  Existenz  rincenden

  Zeitungsverkegern  zur  Erfüllung  ihrer
berechuigten  Jorderungen  zu  verhelfen,  fand  stürmisch
  n  Beifall.  Die  sehr  lebhafte  Aussprache

nach  dessen  Anblick  sie  mit  ban  ehnsucht
oerlangte  ?  .  .  ..  Sicher  weren  #  Angaben
übertrieben,  aber  er  war  allein  und  ratlos,
wer  weiß,  wozu  ihn  die  Verzweiflung  trieb!

So  ganz  ohne  weiblichen  tröstenden  Zuspruch
  zu  sein,  das  ist  sast  immer  verhängnisvoll
  für  einen  Mann.  Ob  es  ihr  gelingen
würde,  ihn  gaufzurichten,  ihm  mieder  Hoffnung
einzusiößen?

Aber  wenn  er  sich  in  gewagte  Spekulationen
  eingebassen-  große  Berlufte  erlitten
hatte,  die  zu  decken  eine  Unmöglichkeit  war?

eate  besaß  lein  Vermögen,  das  Schloß

und  ein  paar  Morgen  Waldland  gehörten  ihr

allerdings.  Beides  aber  durfte  nach  den  Bestimmungen

  der  Familie  weder  veräußert  noch
verpfändet  werden.

dem  Freunde  durch  Geldopfer

    

   

r##
allo  aicht  helien  können,  trotzdem  sie  ihr  Herzbölut

  dahingegee  hätte,  wenn  es  zu  seinem
Heil  gewesen  w
Sie  —  5i0  allein  an,  und  je  länger
sie  nachdachte,  um  so  mehr  sank  ihr  Mut.
Ihr  rowaren  die  Hände  gebunden,  sie  konnte
alchts  beginne
las  en  Brief  noch  einmal,  und  immer
8  Sran  e  sich  ibr  die  Üeberzeugung  aul,
ß  Petzold  .  dein  Einjlusse  einer  starken.
daß  het  Depression  gehondelt,  für  sein  Tun
uielleictt  kaum  verantwortlich  gemacht  werden

nn  elie  sie  NMmsord  noch  mehr  beunruhigen,

ihr  den  Brief  zei

gen
Nein,  dazu  genn  lle  sich  nicht  entschließen.
Von  unten  klang  die  Stimme  des  Postboten
  herauf,  welcher  Zeitungen  und  Briese
brachte.  Da  sprach  auch  Zrmaard.

gipfelte  in  einer  instimmig  angenommenen  Entschliesung.
  Sie  stellt  die  große  Eregung  der
Zeitungsverleger  über  die  drehende  Papier
preiserhöhung  gegenüber  der  SEndauenden  Verschled
  terung  der  Lage  des  Lewerbes  fest  und
verlangt,  daß  die  Pspierhen  stelle  unter  Zurückstellung
  fiskalischer  Onteressen  und  bel  angemel:
sener  Vertretung  des  Zeitun  in  ihrer
Geschäfloführung  ien  higenilschen  Gründungszweck
  dienstbar  gemacht  werde.

Unter  den  weiter  angenommenen  Anträgen
gilt  einer,  (von  Wellf.Dresden  gestellt),  der  Aufdequng
  des  Wuchers  mit  anderen  Rohmaterialien,
  insbesondere  der  Farde.  Die  Besprechung
der  Lohnfrage  wird,  als  zur  Zuständigkeit  des
deutschen  Bud  drucker-Vereins  gehörig,  ausgeschieden
  und  nur  mitgeteilt,  daß  ganz  außerordentlich
  hohe  Ferderungen  von  den  Gehilfen  erhoben
  orde

66.  Bersonalnachrichlen.

München,  26.  April.  Der  König  begeht  am
28.  April  das  50  fährige  Jubiläum  als  Inhaler
des  10.  Infanlerie  Regiments.  Auf  Wunich  oes
Königs  wird,  mit  Rücksid,t  auf  den  „Krieg,  u.nrt.
jeder  bejonderen  Feier  abgesehen.  E  Eine  Abordnung
  der  Armec  und  des  10.  Infanterie-Regiments,
  bie  Freitag  abend  in  Münckhen  cintrifft,
wird  dem  König  die  Glückwünsche  übermitteln.
Das  10.  Regiment  wird  eine  Erimerungsgabe
überreichen  lassen.

——.

Cndshut,  26.  April.  Ein  in  einem  hiesigen
Reservelgzarctt  liegender  schwerverwundeter  Sol.
dat  erhielt  ein  Münchner  Pferdelos  geschenkt.
Wrost  war  die  Freude  des  Kriegers,  als  er  erfuhr,
  das  Los  sei  mit  700  Mk.  gez#gen.  Der
zurzeit  in  Pilsting  auf  Urlaub  weilende  Unter
Effüier  Gleiner  laufte  dart  ein  Münchner  Pfer
Sies  und  machte  damit  den  zweiten  Haupttref
et.

Grafenau,  26.  April.  Gelegentlich  einer  mi
litärischen  Nachschau  wurden  in  einem  Dorf  im
bayerischen  Walde  versckiedene  versteckte  Sacken
gesunden;  so  hatte  ein  Bauer  mehrere  Weizen.
säcke  unlterm  Heu  versteckt;  ein  anderer  hatte  für
1  Zeniner  Butierschmalz  den  Misthaufen  als  sil
d  res  Versleck  ####gesehen.  In  Simback  fanden
Kinder  in  einem  Jiegelofen  50  Säcke  Getreice
rersteckt,  der  Besiher  ist  bekannt,  das  Getreide
beschlagnahmt.

Aürnberg,  26.  April.  Zu  dem  Explosions.
unglück  in  Fürth  erfahren  wir  nock,  das  von  den
in  das  Kranlenhaus  eingelieferten  Schwerverlen
ten  8  Frauen  und  1  Mann  gestorben  sind.  Die
Zahl  der  Opfer  beläuft  sich  somit  auf  52.  Die
Ramen  der  Getöteten  konnten  bis  jetzt  noch  nicht
sämtlich  einwandfrei  fesigestellt  worden.

Niederaschau,  26.  April.  Einen  merlwür—
digen  Widerjpruch  seiner  Zwedbestimmung  lei
siete  sich  der  Verschönerungsverein  Aschau,  der
einem  weiteren  Kreise  bekannt  zu  werden  verdient.
  An  der  Straße  nach  Bernau  lieht  eine
niedlicze  Votivlapelle,  über  deren  Dach  eine
Linde  „ibre  herrliche  Blätterkronc  breitete  undo
dem  Landschaftsbild  einen  eigenen  Reiz  verlieh.
kat  von  Bienen  fanden  dort  willkommene
Atzung,  unsere  Singvogelwelt  willlommene  Un.
terkunft  und  Schutz.  Ihr  reicher  Blätterschmuck
scheint  aber  doch  einem  unstverständigen“  Nach.
bar  im  Wege  gestanden  zu  sein,  und  so  mußte,
wie  man  hört,  auf  Veranlassung  des  genannten
Verreins  dessen  eigenes  Werk  aus  fruchtbarerer,

„Nichts  für  mich'?

 

 

 

 

Keme  Karte,  cgor

nichts
lein  von  Sassen  nichts.  ollte  im  Laufe  de-Tages
  noch  Post  für  Sie  eintrefien.  so  tomme
ich  ag  nbend  mit  heran.  Das  tue  ich  ger
Einer  kuschlichrn.  Zriusgel.  ist  nen

sicher.  Gu  halten  Sie  9  Wor

„Gnädiges  Fräulein  ½  Wor  tich  darauf
verlassen.  tönte  es  respektvoll  zurück,  „auch
obne  das  verheihene  Trinkgeld  würde  ich  cs
lun,  schon  Fräulein  von  Sassen  zuliebe,  die
stels  —  und  hilfsbereit  gegen  unierein


Fein  gütiges  Lächeln  erhellie  Beates  feinc.
wüasten  Züge.  Rasch  trat  sie  in  den  Korridor

„Jruchen,  sorg'  doch,  daß  der  Mann  in
der  Küche  einm  Frühstück  bekommt,  Bratenstulle
und  Bier,  bei  dem  rauhen  Wetter  kann  er's

oll  geschehen,  Tanlichen!“  rief  Irmgard,

und  il  solgte  ihr  der  Siephansbote.
„Nachgerade  lerne  ich  das  Entsagen  aus  dem
Esseff.“  eit  Beate,  indem  sie  ihre  Toiletie
veraowst  mdigte.  „Wenn  man  erst  dahin  gelangt
  ist,  r  als  höchstes  Glück  zu  empfinden,
wenn  man  oen  Fue  bereiten  kann,  dann
muß  doch  wohl  alles  Weh  und  Leid  aufhören.
Ich  habe  nobl,  Grad  der  Selbstentäußerung
tzu  erreicht;  freilich,  noch  nicht  ganz;  ein  wen  i
ehnsucht  2  verborgenes  Wünschen  siah
a  n  en  es  tut  noch  bei  jedem

Anleß  weh  dort  innen.

Daß  von  Peßold  kein  Brlef,  kelne  Depesche
ekommen,  war  lhr  im  Grunde  angenehm,  sie
ette  dergleichen  befürchtet.

 

—.

Meein,  hnädiges  Fräulein,  auch  für  Frän

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