Full text : Dokumente aus den russischen Geheimarchiven.

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lands  zu  werfen,  unter  anderm  auch  deshalb,  un  die  Möglichkeit  zu  erlangen,
sich  auf  Kosten  der  russischen  Bevölkerung  durch  Requisitionen  oder  dureh
7,ahlung  in  Papiergeld  zu  verpflegen,  wie  Deutschland  dies  während  des
franko-preußischen  Krieges  getan  hat;  ferner  ist  anzunehmen,  daß  Deutschland
  durch  eine  starke  Anspannung  aller  Kräfte  versuchen  wird,  den  Feldzug
in  einigen  Monaten  zu  beenden.

Ich  bitte  Sie,  die  Versicherung  meiner  vorzüglichsten  Hochachtung  und
vollkommener  Ergebenheit  entgegenzunehmen.

Eurer  Erlaucht  ergebenster  Diener
Paw.  Miller.
Den  21.  Januar  1909,  Nr.  112.

Seiner  Erlaucht  dem  Grafen  N.D.von  der  Osten-Sacken.
(Rotb,  Heft  VI  Nr.  7.)

Brief  des  russischen  Boatschafters  in  Berlin  an  den
Minister  Iswolski  {ohne  Datum  und  Jahreszahl:  vermutlich  Anlage  4
zu  «dem  Brief  desselben  vom  5.  Fehrmar  1909.  5.  Seite  64).

Ganz  geheim.
Sehr  geehrter  Herr  Alexander  Petrowitsch!

Aus  den  beifolgenden  Notizen  unserer  Militär-,  Marine-  und  Finanz-Attachdes
  werden  Ew.  Exzellenz  ersehen,  mit  welcher  fieberhaften  Eile  hier  in
den  entsprechenden  Behörden  gearheitet  wird.  Diese  Arbeit.  hat  den  nieht  abwolengneten
  Zweck,  für  den  Fall  eines  möglichen  kriegerischen  Zusammenstoßbes
  alles  vorzubereiten.  Gegen  wen  und  unter  dem  Druck  weleher  Umstände
  wird  Deutschland  sich  wohl  entschließen,  zu  Maßregeln  kriegerischer
Politik  zu  greifen?  Mas  ist  eine  Frage  von  allererster  Bedeutung.

lch  werde  mir  Mühe  geben,  die  sowohl  in  der  inneren  wie  in  der  äußeren
Politik  Deutschlands  zu  bemerkenden  Symptome  anzuführen,  die  meines  Erachtens
  ein  Licht  auf  das  gegenwärtige  sönderbare  Verhalten  unseres  Nachbarlandes
  werfen  können.

Der  schwere  Eindruck,  den  der  Kaiser  durch  die  letzten  Enthüllungen
des  »)aily  Telegraph«  und  die  Debatten  (larüber  im  Reichstag  erhalten  hat,
sibt  der  Militärpartei  eine  bessere  Mögliehkeit,  an  den  Kaiser  zu  gelangen  und
den  Monarchen  dafür  zu  gewinnen,  sich  besser  mit  ihren  Ansichten  vertraut
zu  wachen,  die  den  besten  Ausweg  aus  der  zgegeuwärtigen  kriegerischen  Lage
suchen.

Die  Kriegspartei,  beeinflußt  durch  die  nicht  abzustreitende  Kriegsbereit
schaft  des  Heeres,  ist  mehr  als  die  übrigen  Schichten  der  Gesellschaft  in  ihrem
traditionellen  Ergebenheitsgefühl  zu  ibrem  obersten  Führer  verletzt  und  hält
len  Krieg  für  das  einzig  mögliche  Mittel,  um  das  durch  die  letzten  Ereignisse
in’den  Augen  der  Volksmassen  erschütterten  Prestige  der  monarchischen  Gewalt
  wieder  herzustellen.