Volltext : Deutsches Kolonialblatt. XXIV. Jahrgang, 1913. (24)

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Das  Antwortschreiben  aus  Gara-Binzam  kam
am  3.  Oktober  in  Alati  an.  Ich  brach  am  4.
von  dort  auf  und  gelangte  am  11.  nach  Gara-Binzam,
  wo  ich  von  den  französischen  Leutnants
Brice  und  Bon  empfangen  wurde.  Am  12.
fand  die  formelle  Übergabe  statt.  Am  138.  früh
räumten  die  Franzosen  den  Posten  und  traten
die  Reise  auf  dem  Wasserwege  Karagua  —
Iwindo  (Aina)  nach  M'Vahdi  an.
Der  Weg  Alati—Gara-Binzam  ist  recht
ichlecht.  Am  letzten  Tage,  von  Azombo  nach
Gara-Binzam,  durchschreitet  man  das  Überschwemmungsgebiet
  des  Karagua-Flusses.  Der
Beg  in  nordwestlicher  Richtung,  der  zwischen
Grenzpfeiler  16  und  17  bei  Alad-Makei  die
alte  Grenze  kreuzt,  soll  erheblich  besser  sein.
Gara-Binzam  selbst  liegt  auf  einem  kleinen
sich  aus  der  Flußniederung  erhebenden  Plateau
unmittelbar  auf  dem  Südufer  des  Karagua-Flußses,
  der  ein  breiter  Nebenfluß  des  Iwindo
oder  Aina  ist  und  in  diesem  bei  M'Vine  einmündet.
  Die  Strecke  Gara-Binzam  den  Karagua
stromabwärts  bis  M'Vine,  dann  den  Aina  stromaufwärts
  bis  in  Höhe  von  Alati  soll  das  ganze
Johr  mit  dem  Kanu  befahrbar  sein.  Der  Aina
fließt  4  km  westlich  von  Alati  vorüber.  Es  wird
zu  prüfen  sein,  ob  dieser  Wasserweg  für  den  Verlehr
  mit  Altkamerun  ausgenutzt  werden  kann.
Der  Posten  Gara-Binzam  wurde  von  der
sranzösischen  Regierung  im  Juli  1910  gegründet,
um  die  Stämme  auf  dem  linken  Ufer  des  Iwindo
i  Verwaltung  zu  nehmen.  Die  Besatzung  gehörte
  zu  der  in  M'Vahdi  stehenden  1.  Kompagnie,
ebenso  die  Besatzungen  der  Nebenposten  Minkebe
und  Suanke.  Auf  dem  Posten  befanden  sich
fünf  große  Gebäude  und  zwei  kleinere,  alle  aus
Buschmaterial,  jedoch  sind  alle  in  einem  derartig
shlechten  Zustand,  daß  keines  bezogen  werden
lonnte.  Die  Europäer  wohnen  im  Zelt.  Da
die  Kompagnie  bis  auf  weiteres  hier  bleibt,
müssen  für  Europäer  und.  Farbige  neue  Gebäude
errichtet  werden.  Der  Posten  ist  mit  einer  nie-Fenz

  umgeben,  die  schadhaft  ist  und  im
Laufe  der  Zeit  durch  eine  neue  ersetzt  werden
muß.  Kleinere  alle  Farmen  bestnden  sich  in  der
nächsten  Umgebung  des  Postens.

In  der  Hauptsache  stüctzte  sich  die  franzöfische

altung  auf  die  westlich  des  Karagua  wohnenden

  Fang.  Der  im  Nordnordosten  zwischen
#-=  Binzam  und  Suanke  liegende  Stamm  der

Vakuel  verhält  sich  ablehnend,  mit  Ausnahme
von  einigen  Dörfern  in  der  nächsten  Umgebung
von  Gara-Binzam.  Die  Fang  mußten  Verng

  liefern  und  etwaige  Träger  stellen.  Im
Olen  sind  die  Sanga-Sanga  ansässig.  Gegen
diesen  Stamm  hat  die  französische  Regierung  im
Jahr  1909  eine  Expedition  unternommen,  jedoch

 

ohne  Erfolg.  Die  Sicherheit  am  direkten  Weg
Gara-Binzam—Suanke  scheint  etwas  zweifelhaft,
da  er  das  Gebiet  der  Bakuel  der  Länge  nach
durchquert  und  diese  sich  angeblich  weigern,
Karawanen  Verpflegung  zu  verkaufen.  Die  Dörfer
der  Bakuel  und  besonders  die  der  Sanga-Sanga
sollen  stark  befestigt  sein.  Der  Posten  Suanke
ist  von  den  Njem  umgeben,  die  im  Westen  an
die  Fang,  im  Süden  an  die  Sanga-Sanga  angrenzen.
  Wie  weit  die  Njem  nach  Osten  sich
ausdehnen,  ist  mir  nicht  bekannt.  Im  Bereich
des  Postens  Minkebe  westlich  des  Aina  sind
Fang  ansässig.

Am  13.  Oktober,  an  demselben  Tage,  an  dem
die  französischen  Offiziere  abgezogen  waren,  stellten
sich  einige  Häuptlinge  der  nächsten  Bakuel-Dörfer
und  brachten  Verpflegung;  sie  haben  einen  Ausweis
  erhalten.  Ich  habe  die  weiter  entfernt
wohnenden  Bokuel-Dörfer  auffordern  lassen,  sich
ebenfalls  zu  stellen.  Ob  sie  dieser  Aufforderung
Folge  leisten  werden,  muß  erst  noch  die  Zeit  lehren.

Was  den  Wegebau  anbetrifft,  so  ist  nach
unseren  Begriffen  aus  Altkamerun  gar  nichts  geschehen.
  Alle  sogenannten  Wege  sind  offenbar
lediglich  Negerpfade  übelster  Sorte.  Doch  können
in  Beziehung  auf  Wegebau  selbstredend  an  die
Bevölkerung  vorerst  noch  keinerlei  Anforderungen
gestellt  werden,  ehe  nicht  das  Jahr  des  Auswanderungsrechtes
  verflossen  ist.

Was  die  Besteuerung  der  Eingeborenen
betrifft,  so  hatte  die  französische  Verwaltung  jeden
arbeitsfähigen  Mann  mit  5  Fr.  und  jedes  erwachsene
  Weib  mit  3  Fr.  besteuert.

GOeteorologischer  Dienst  in  Ramerun.

Seit  Dezember  1912  befindet  sich  in  Buea
ein  Regierungsmeteorologe,  der  die  Sammlung
  und  zum  Teil  auch  die  Bearbeitung  der
meteorologischen  Beobachtungen  an  Ort  und  Stelle
ausführen  wird.  Hierdurch  ist  die  Möglichkeit
gegeben,  den  für  jeden  Plantagenbetrieb  so  wichtigen
  Wetterdienst  auf  wissenschaftlicher  Grundlage
auszugestalten.

Von  den  kameruner  Pflanzungsunternehmungen
hat  bisher  nur  ein  Teil  durch  seine  Angestellten
Regenmessungen  ausführen  lassen.  Es  steht  zu
hoffen,  daß  der  Regierungsmeteorologe  in  seinen
Bestrebungen,  das  Beobachtungsnetz  zu  erweitern,
allseitige  Unterstützung  finden  wird  und  daß  die
mit  den  Beobachtungen  betrauten  Angestellten
angewiesen  werden,  etwaige  Anfragen  des  Meteorologen
  umgehend  zu  beantworten.  Die  ausge-