Full text : Deutsches Kolonialblatt. XXVII. Jahrgang, 1916. (27)

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Die  Postämter  nehmen  auch  Abonnements  aus  die
amtlichen  zeitungen  und  zeitschriften,  nämlich

I.  dar  Bulletin  ofkicicl.

2.  den  Comptes-rendu  unulvtituc  les  sénnees  du
Conseil  Coloninl,

3.  das  Bulletin  administrutif  ct  commorcin!  bimensuel,


4.  das  Journal  administrutif  In  Vice-(ionvrernement
général  du  Kutunga,

entgegen.  Bestellungen  auf  andere  geimugen  sind

nicht  zugelassen.

Sämtliche  Postämter  nehmen  am  Postanweisungsverkehr
  teil.  An  den  Orten,  an  denen  der  Postbeamte
gleichzeirig  Steuereinnehmer  ist,  zahlt  er  die  Anweisungen
  aus  seiner  allgemeinen  Kasse.  An  anderen

Orten  ist  er  zur  Zahlung  nur  verpflichtet,  soweit  sein
Kilenveelter  ausreicht.  Auf  den  Verwalmngsstationen.
auf  denen  sich  weder  ein  Postamt  noch  eine  Sienererhebungsstelle
  noch  die  Niederlassung  einer  Bank  befindet,
  kann  das  einzahlende  Publikum  den  Betrag
dem  (#hel  de  station  zur  Weiterbeförderung  als  Postanweisung
  übergeben.  Auf  Drängen  der  Handelskammer
  Stanleypool  ist  gemäß  Ministerialerlaß
vom  30.  April  1914  auch  der  Nachnahmeverkehr  für
alle  Postanstalten  eingeführt.  Die  Einziehung  der
Forderungen  erfolgt  gegen  besondere  Gebühr,  die
nach  der  Höhe  der  einzuziehenden  Forderung  abgestuft
  ist.

Im  Postpaketverkehr,  zu  dem  ebenfalls  alle  Postämter
  Zugelassen  sind,  ist  das  Höchstgewicht  eines
Paketes  auf  5  kx  festgesevzt.  Für  den  Bezirk  Haut-Luapula
  ist  eine  besondere  Gebühr  eingeführt  (vgl.
S.  168  des  reglement  général).  Die  Postpakete  zahlen
übrigens  auch  dic  allgemein  für  die  Einfuhr  von
Waren  eingeführie  statistische  Gebühr  (vgl.  Décret  vom
17.  Märg  1913.  S.  241),  und  zwar  wird  sie
bei  den  iungn  ktema  Paketen  bei  der  Verzollung,  bei
den  abzusendenden  bei  der  Auflieferung  eingezogen.

Dagegen  sind  Wertbriefe  (valeurs  declarées)  noch
nicht  zugelassen.  Ihre  Zulassung  wurde  Frühjahr  1914
zwar  erwogen,  doch.  war  vor  Kriegsausbruch  eine  Entscheidung
  noch  nicht  getroffen.  Auch  Postsparkassen.
deren  Einrichtung  bereits  seit  1912  wiederholt  angeregt
  wurde,  sind  bisher  noch  nicht  eingerichtet.

2.  Die  Beförderung  der  Postsachen.

Die  Postverbindung  zwischen  dem  belgischen  Kongo
und  dem  Mutterlande  erfolgte,  je  nach  dem  Bestimmungsorte
  der  Sendungen,  durch  die  den  am  schnellsten
erreichbaren  Hafenort  d  der  afrikanischen  Küste  aulaufenden
Seedampferlinien.  Die  für  den  größeren  Westen  der
Kolonic  bestimmte  Post  ging  in  erster  Linie  über  La
Rochelle  mit  den  dreiwöchentlichen  Dampfern  der
Compagnie  belge  maritime  du  Congo.  ein  geringerer
Teil  mit  den  ebenfalls  alle  drei  Wochen  verkehrenden
Dampfern  der  französischen  Gesellschaft  „Chaurgeurs
rcunis  über  Bordeaux,  ein  anderer  mit  den  alle
vier  Wochen  fahrenden  Damvfern  der  portugiesischen
-Enmrern  nationn!  de  nuvetzugüo  über  Lissabon,
einige  wenige  Sachen  auch  mit  den  monatlich  fahrenden
Dampfern  der  Kongolinie  des  deutschen  westafrikanischen
  Schiffahrtskonzerns  und  den  Frachtdampfern  der
englischen  keleser  Dempster  line.  Am  weitans  bedentsamsten
  war  naturgemäß  die  Verbindung  durch  die
belgische  Schiffahrtslinie.  Die  belgische  Regierung
hatte  mit  dieser  Gesellschaft  unter  dem  30.  Jannar  1911
einen  neuen  Subventionsvertrag  abgeschlossen.  Nach
Artikel  25  bis  29  dieses  Vertrages  verpflichtete  sich
die  Gesellschaft  zur  Mitnahme  der  Post  Csuns  rmuné- 



ation  speciale  #ilc  ce  chef.  Annahme,  Aufbewahrung
und  Ablieferung'  der  Post.  ist  nach  dem  Vertrage  Sache
des  Kapitäns.  Die  Post  muß  in  jedem  Falle  unmittelbar
  nach  Eintreffen  des  Schiffeo  im  Hafen  an  die
ordentlich  legitimierten  Personen  abgeliefert  werden.
Eine  Anregung  der  Regierung  im  Jahre  1914,  auf  den
Dampfern  für  den  Postdienst  einen  besonderen  Postbeamten
  mitfahren  zu  lassen,  lehnte  die  Gesellschaft
als  unzweckmäßig  und  mit  der  Schiffsdisziplin  nicht
vereinbar  ab.  Die  Regierung  berechneie  uuch  einer  in
den  Akten  befindlichen  Notiz  im  Jahre  1911  den  Vorteil,
  den  sie  aus  dem  erwähnten  Gelbän.  dadurch
hatte.  daß  das  belgiische  Postministerium  und  die  übrigen
Mächte,  die  ihre  Post  mit  den  Dampfern  der  Schifffahrtsgesellschaft
  befördern  ließen,  der  Postverwaltung
des  Kongo  Vergütungen  für  die  Beförderung  der  Post
nach  den  allgemeinen  Bestimmungen  des  Weltpostvertrages
  zahlen  mußten,  auf  jährlich  50  000  Fr.  Im
Kongo  selbst  wurde  früher  wiederholt  darüber  Klage
geführt.  daß  die  Post  in  der  Hauptstadt  Boma  zu
spät  verteilt  und  die  für  den  oberen  Kongo  bestimmte
Post  der  meist  gegen  2  Uhr  nachmittags  in  Boma
eintreffenden  Dampfer  nicht  mehr  an  demselben  Tage
nach  Matadi  befördert  werden  könnte.  Im  Jahre  1912
wurde  deshalb  zwischen  der  Regierung  und  der  Com-Panie
  belge  maritime  vereinbart,  daß  letztere  auf  der
Fahrt  von  Banana  nach  Boma  zwei  Kabinen  zur
Sortierung  der  Post  zur  Verfügung  Lelle-  Die  Postbeamten
  kamen  in  Banana  an  Bord;  die  W  lounte
dann  unmittelbar  nach  Eintreffen  des  Dampfers  in
Bomoa  verteilt  werden.  Im  Jahre  1914  trat  die  Regierung
  von  dieser  Vereinbarung  zurück,  weil  die  Beamten
  zu  viel  Zeit  verloren  und  die  Räume  an  Bord
auch  zu  beengt  waren.  Es  hatte  sich  herausgestellt,
daß  die  Post  für  Matadi  durch  einen  Spezialdampfer
nach  dort  noch  an  demselben  Tage  gebracht  werden
konnte,  selbst  wenn  die  Post  in  Boma  erst  sortiert
wurde.

Den  Postverkehr  mit  den  portugiesischen  Kolonien
bielten  belgische  Regierungsdampfer  und  portugiesische
Küstendampfer  aufrecht.  Der  Verkehr  war  nie  bedentend.
  Nach  der  Statistik  von  1912  sind  nach  den
portugiesischen  Kolonien  in  Afrika  insgesamt  nur
17589  Postsendungen  aller  Art  abgesandt  worden.
Mit  Neukamerun  war  ein  Postdienst  von  Kinshafa
aus  auf  den  Dampfern  der  Kameruner  Schiffahrtsgesellschaft
  eingerichtet.  Eine  besondere  Postkonvention
zwischen  dem  Kongo  und  Kamerun  bestand  vor  Kricge  -
ausbruch  noch  nicht.  Im  Frühjahr  1914  waren  Verhandlungen
  über  den  NMbschluß  von  Konventionen  zur
Regelung  des  direkten  Austausches  von  Paketen  und
Poslaufträgen  zwischen  dem  Kongo  einerseits  und
Angola  mit  der  Enklave  von  Kabinda,  bzw.  Französisch=Aquatorialafrika
  bzw.  Kamerun  eingeleitet  worden.
Sie  hatten  aber  noch  zu  keinem  definitiven  Ergebnis
ge  führt.

Für  die  Nordostecke  des  Kongo  haite  lange  Jahre
hindurch  die  Beförderung  der  Post  über  Neapel  und
Brindisi  und  von  dort  nach  Alerandrien  und  den
Nil  aufwärts  über  Redjaf  nach  Y)ei  und  weiter  nach
dem  belgischen  Aba  Bedeutung.  Im  Dezember  1913
wurde  diese  Linie  zugunsten  der  Ronte  Mombassa——
Entebbe  —  Butiabwa  —Bogoro  aufgegeben.  Auf
dieser  Strecke  wurde  nunmehr  die  gesamte  Post  für
die  Nordostecke  der  Kolonie  versandt.  Der  Osten  der
Kolonic  hatte  durch  Fertigstellung  der  deutschzostafrikanischen
  Mittellandbahn  eine  wesentlich  bessere  Verbindung
  erhalten.  Die  Sendungen  nach  Süd-Katanga
Hingen  meist  über  Beira,  zuweilen  auch  über  Kapstadt.

  Wird  auch  der  Krieg  die  politischen  Grenzen
iu  Afrika  verändern  und  damit  in  der  ersten  zeit  nach