zuhalten, um ihm höhere Achtung vor dem Orden einzuflößen und Gehorsam
gegen dessen Gebote beizubringen, bevor sie seinem Wunsche nach Anfnahme in
den Orden willfahrten. „Auf sein Verlangen und nach reiflicher Überlegung“
wurde der Prinz endlich (am 5. April 1781) mit dem Ordensnamen Ormesus
in den Orden der Rosenkrenzer aufgenommen.
„Aus Sinnlichkeit mit Mystik verbunden,“ sagt Schlosser, „können so feine
Netze gesponnen werden, daß sie für schwache Gemüter unzerreißbar sind.“
Bischoffswerder und Konsorten waren wenig bedenklich in der Wahl ihrer Mittel,
um ihren Einfluß auf den allzu vertrauensvollen neuen Ordensbruder zu befestigen
und zu verstärken. In Wöllners Behausung — bei der damaligen Sternwarte,
die sich im Hintergebäude der Akademie in der „Letzten Straße“ (jetzt
„Mittelstraße“ genannt) befand — wurde eine förmliche Schaubühne der Geisterseherei
eingerichtet, wo man unter anderen die Geister Cäsars, des römischen
Kaisers Mark Aurel, des Großen Kurfürsten und des Philosophen Leibnitz zitierte.
Das Gemach füllte sich mit einem sinnebetäubenden Duft, die nervenergreifenden
Töne eines damals erst neu erfundenen Instruments — heute als
Glasharmonika in Kinderhänden viel gesehen — durchzitterten den stillen, dunkeln
Raum, der verborgene Obere, dem Ormesus die Namen der Geister nannte,
die er zu sehen wünschte, sprach mit dumpfer Stimme die Beschwörungsformel,
und die Schatten der Abgeschiedenen tauchten aus Wolken vor den Angen des
in unheimlichem Granen erbebenden Prinzen auf.
Die Rollen der Geister übernahm gewöhnlich ein Sachse Steinert, der, längst
mit Bischoffswerder vertrant, in der Physiognomik, Mimik und der Bauchredekunst
sehr geschickt war. Das passende Kostüm nebst Perücken ꝛc. fand er in einem Nebengemach.
Nachdem die Beschwörungsformel gesprochen war, stellte sich der Mime
vor einen Hohlspiegel so, daß sein Bild, in einem anderen Spiegel aufgefangen,
auf den im dunkeln Gemach erzeugten Dampfwolken reflektierte. Es war nichts
anderes als das Zauberspiel einer Laterna magica, mit welchem heutzutage
Kinder sich zu belustigen pflegen. Ofters wurden die Rollen der Schatten auch,
wenn sie sich dafür eigneten, von hübschen jungen Mädchen übernommen. Diese
Geistergankelei, verbunden mit der schlanesten Anskundung der geheimsten Herzenswünsche
des Prinzen, diente dazu, ihn immer mehr an Bischoffswerder und
Wöllner zu fesseln. Vorhersagungen und Ratschläge aus dem Munde geheimnisvoller
Schatten waren natürlich viel wirksamer als aus dem sterblicher Menschen.
Geschah cs, um den Gehorsam des neu aufgenommenen Ordensbruders
Ormesus auf die erste Probe zu stellen, oder um sich einen desto größeren Einfluß
auf ihn zu sichern, kurz, die unbekannten Oberen forderten von ihm die
Entfernung der Wilhelmine Enke, oder vielmehr der Frau Rietz, wie die
Tochter des Musikers Enke genannt wurde, nachdem sie, um das Verhältnis
des Prinzen zu ihr zu verdecken, einen prinzlichen Kammerdiener, Namens Rietz,