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korps, das die süddeutschen Heere vereinigte und bei welchem die Prinzen
des bayerischen Königshauses standen, war es beschieden den ersten kühnen
Vorstoß ins Feindesland zu wagen; alle die Bahn versperrenden Festungen
wurden zur Ubergabe genötigt. Auch an jenen entscheidenden Schlachttagen
vom 30. August bis zum 1. September hatten die Bayern den ruhmvollsten
Anteil; bei Beaumont, Bazeilles, Balan, Sedan flatterten die weißblauen
Fahnen. Dem bayerischen General von Maillinger wurde zuerst
unmittelbar vor den Mauern der umzingelten Festung Sedan die Meldung
gebracht, daß Kaiser Napoleon den fruchtlosen Kampf aufgeben wolle und
bereit sei sich zu ergeben; bayerische Reiter bildeten die Begleitung bei jener
denkwürdigen Fahrt Napoleons nach Donchery, wo Bismarck, „der eiserne
Kanzler“, die Bedingungen der Unterwerfung vorschrieb. Als das Ungeheuere,
Unglaubliche sich vollzogen hatte, die Gefangennehmung einer Armee
von 100 000 Mann mit ihrem Herrn und Kaiser, wurden vorzugsweise
bayerische Krieger dazu ausersehen die Gefangenen nach Deutschland zu
führen; denn neidlos wurde von allen eingestanden, daß sie im Entscheidungskampf
den ersten Kranz errungen.
Im beispiellos beschwerlichen Winterfeldzug 1870—71 bewiesen die
Bayern sich in jeder Beziehung als vorzügliche Soldaten. Gegen die französische
Armee an der Loire, die durch Gambetta gleichsam „aus dem Boden
gestampft“", zum Entsatz der eingeschlossenen Hauptstadt bestimmt war,
wurde General von der Tann mit einem aus Bayern und Preußen bestehenden
Heere abgeschickt. Die Siege bei Artenay am 10. und bei Orleans
am 11. Oktober öffneten ihnen die Tore der Stadt Orleans. Zwar mußte
sie einige Wochen später dem an Zahl weit überlegenen Feinde geräumt
werden; es folgte der bange Tag von Coulmiers; dann aber, als durch
Vereinigung mit dem Korps des Prinzen Friedrich Karl einigermaßen das
Gleichgewicht der Kräfte hergestellt war, fand ein zweiter Kampf statt,
der mit dem Sieg und dem Wiedereinzug in die Loirestadt am 4. Dezember
endigte. Auch bei der Belagerung von Paris sprachen die bayerischen Batterien
ein gewichtiges Wort; das Plateau von Chatillon wurde von General
Hartmann im Sturm genommen. Das Oberkommando ehrte die kühne
Leistung, indem es dieser Stellung den Namen „Bayernschanze“ gab. Bald
darauf war der letzte Wunsch der deutschen Kämpfer erfüllt. Paris erklärte
sich für besiegt (28. Januar 1871). Durch den Triumphbogen, den man
von der Bayernschanze aus im Häusermeer hatte deutlich unterscheiden
können, zogen die deutschen Truppen, darunter die Bayern an der Spitze,
mit klingendem Spiele und fliegenden Fahnen.
Zwar war der Krieg mit der Übergabe der Hauptstadt noch nicht beendet;
allein der ersehnte Friede konnte nicht mehr lange verzögert werden.
Der endgültige Friedensschluß wurde am 10. Mai 1871 zu Frankfurt a. M.
vallzogen. Aus einem ruhmreichen Feldzuge ohnegleichen brachten unsere
siegreichen Heere die alten Reichslande Elsaß-Lothringen sowie Kaiser und
Reich zurück. Nach Karl Theodor Heigel.