Full text : Geschichte des Königreichs Sachsen mit besonderer Berücksichtigung der wichtigsten culturgeschichtlichen Erscheinungen.

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weigerte,  das  Land  herauszugeben.  Da  Friedrich  August  I.  viel  Geld
brauchte,  so  erbot  er  sich,  seinen  Ansprüchen  zu  entsagen,  sobald  ihn
der  Herzog  mit  einer  Abfindungssumme  entschädigen  würde.  Dieser
zahlte  1  100  000  Gulden  heraus  und  unser  Kurfürst  verzichtete  nun
auf  Sachsen-Lauenburg.)

Seite  12  haben  wir  das  Stammland  der  sächsischen  Fürsten
kennen  gelernt.  Zu  Friedrich  August  I.  Zeiten  besaß  Sachsen  nur
noch  einen  kleinen  Theil  desselben,  und  zwar  das  Amt  Petersberg,
welches  aber  die  Sachsen  werth  und  theuer  hielten,  da  hier  die  Wiege
des  Stammvaters  ihrer  Fürsten  —  Konrad  von  Wettin  —  gestanden
hatte.  Dieser  letzte  Rest  der  alten  Grasschaft  Wettin  ging  für  die
Summe  von  120  000  Mark  für  immer  an  das  jetzige  Königreich
Preußen  über.  Außerdem  ergriff  Friedrich  August  noch  andere  Mittel,
um  sich  die  fehlenden  Gelder  zu  verschaffen.  Er  borgte  bei  den
benachbarten  Regierungen  und  setzte  dafür  z.  B.  das  Amt  Borna  und
einige  andere  Aemter  als  Pfand  ein.  Werden  Pfänder  nicht  wieder
eingelöst,  so  verfallen  sie  und  gehen  für  den  früheren  Eigenthümer
verloren.  Dies  würde  auch  mit  den  verpfändeten  Aemtern  geschehen
sein,  hätten  Friedrich  Augusts  Regierungsnachfolger  nicht  für  Rückzahlung
  der  geliehenen  Gelder  und  für  Einlösung  des  Pfandes
Sorge  getragen,  wodurch  sie  für  Sachsen  den  Verlust  schöner  Länderstriche
  abwendeten.

Der  nordische  Krieg.

a)  Sachsen  unterstützt  Volen  im  Kriege  gegen  die  Türkei  und  gegen  den
schwedischen  König  Karl  XII.  Uiederlage  bei  Fraustadt.  Das  schwedische
Heer  in  LSachsen.  Altranstädter  Friede.

Als  unser  Kurfürst  den  polnischen  Thron  bestieg,  umfaßte  sein
Königreich,  wie  oben  erwähnt,  12  000  Quadratmeilen.  Früher  war
Polen  noch  größer,  hatte  aber  an  die  Türkei  und  an  Schweden  in
unglücklichen  Kriegen  große  Provinzen  abtreten  müssen.  Bei  seiner
Thronbesteigung  gab  der  neue  König  von  Polen  das  feierliche  Versprechen,
  die  abgerissenen  Theile  wieder  zurück  erobern  zu  wollen.
Die  Ausführung  dieses  Planes  greift  sehr  tief  in  die  sächsische  Geschichte
ein,  und  es  muß  deshalb  hier  ausführlich  darauf  eingegangen  werden,
so  fern  auch  sonst  Polens  Geschichte  unserm  Sachsenlande  liegt.

*)  Diese  Verzichtleistung  bezog  sich  nur  auf  das  damalige  Regentenhaus.
Die  Erbansprüche,  die  Sachsen  1865  nach  dem  Erlöschen  dieses  Fürstenhauses
auf  Lauenburg  erhob,  waren  keineswegs  so  unberechtigt,  als  manche  ausländische
  Zeitungsschreiber  wissen  wollten.