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gelehrten Professor Thomasius und dem frommen Prediger
Francke die ausgezeichnetsten Pfleger erhielt.
August Hermann Francke (1663 zu Lübeck geboren, ge-
storben 1727 zu Halle) ist weltberühmt durch seine Stiftungen
des Gottvertrauens und der Menschenliebe; ohne Geld, nur durch
Almosensammeln gründete er in Halle eine Armenschule, aus
dieser ein Pädagogium und Waisenhaus (1698), dazu ein
Lehrerseminar, eine Töchterschule, ein Krankenhaus, ein Witwen-
hospital; alles zum Zweck des geistigen und leiblichen Wohls
armer Christen. Der ihm am meisten gab, war der edle Frei-
herr von Canstein, welcher auch zur Verbreitung der Bibel
unter den Armen die „Cansteinsche Bibelanstalt des halleschen
Waisenhauses“ gründete.
Weniger Fortgang hatte anfangs die Societät (Akademie)
der Wissenschaften, die Friedrich nach dem Plane des Philo-
sophen Leibniz (1700) in Berlin errichtete. Auch für die
Künste ward (1699) eine Akademie in Berlin gestiftet; sie blüh-
ten besonders durch die berühmten Meister Schlüter (Schöpfer
der Reiterstatue des Großen Kurfürsten und zum Teil des König-
lichen Schlosses in Berlin) und Eosander von Göthe.
Dicht= und Tonkunst und Weltweisheit wurden am meisten
von Friedrichs zweiter Gemahlin, Sophie Charlotte, gepflegt.
Diese geistvolle und feingebildete Fürstin (geboren 1668 als
hannöversche Prinzessin, gestorben 1705) sammelte in ihrem
Schloß zu Lützow (Charlottenburg) Denker und Künstler um
sich und regte durch ihr Beispiel die höheren Kreise zu feiner
Sitte und wissenschaftlichen Neigungen an.
Friedrich Wilhelm I. (1713—1740).
*s 44. Friedrichs I. und Sophie Charlottens Sohn Fried-
rich Wilhelm (am 15. August 1688 in Berlin geboren) hatte
weder des Vaters Neigung zu Pracht und Förmlichkeit, noch
der Mutter Sinn für Kunst und höhere Wissenschaft; er achtete
nur das handgreiflich Nützliche und beurteilte es nach seinem
gesunden Menschenverstand. Von Sitten rauh und derb, von
Charakter gerad und stark, setzte er rücksichtslos seinen Willen
durch, und da er ein heftiges Temperament hatte, so schaltete er
als ein Despot, aber zum Vorteil des Staates.