Full text: Illustriertes Realienbuch.

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Blüten des Gewürznelkenbaumes auf den Molukken. Weithin kündigen 
sich diese Inseln den Schiffern durch den starken gewürzigen Geruch schon an. 
Der Muskatnußbaum wächst auf den gewürzreichen Inseln des indischen 
Archipels und steigt mit seiner pyramidalen, astreichen Krone bis 20 m hoch. 
Die Blätter sind eiförmig; die kleinen, gelblichen Staubblüten stehen in Dolden= 
trauben, die Samenblüten einzeln; die Beeren sind nußartig, kugelig und ocker- 
elb und mit fleischigem Fruchtgehäuse umgeben, das später austrocknet. Der 
aum trägt vom 9. bis 60. Jahre jährlich bis 2000 Früchte. Man sammelt die- 
selben, entfernt die Fruchtschale und den Samenmantel, trocknet die ovalen Samen, 
bricht die Schale auf und bringt die Kerne als Muskatnüsse in den Handel. 
  
84. Zweig des Zimmetbaums 85. Zweig des Muskatnußbaums 86. Ingwer (verkl.). 
(verkleinert). (verkleinert). 
Der Ingwer ist eine indische Staude mit fleischigem Wurzelstock, faden- 
förmigen Nebenwurzeln, einjährigen meterhohen Stengeln, scheidigen, zwei- 
zeiligen Blättern, zapfenartigen Blütenähren auf seitlich entspringenden Schäften 
und beerenartigen, vielsamigen Fruchtkapseln. Die handförmig verästelten 
Seitenknollen der Wurzelstöcke werden als Gewürz und Arznei benutzt. 
92. Der Seidenspinner. 
1. Der Seidenspinner ist der nützlichste Schmetterling. Er hat seinen 
Namen von der Kunst im Spinnen der kostbaren Seide. Alle Schmetterlinge 
haben 4 häutige Flügel mit farbigen Schuppen, eine Rollzunge, die sich wie 
eine Spiralfeder zusammenrollen läßt, und eine vollkommene Verwandlung, d. h. 
sie sind nach einander Ei, Raupe, Puppe und Schmetterling. — 2. Der Seiden- 
Schmetterling wird 2 cm lang und 4 cm breit, ist schmutzigweiß und hat auf 
den Vorderflügeln braune Querlinien. Die Fühler sind kamm= oder feder- 
förmig. Die Raupe ist weißlich, hat 16 Beine und auf dem Schwanze ein 
Horn. — 3. In China leben die Seidenspinner wild auf den Maulbeerbäumen, 
bei uns werden sie in Häusern gezüchtet. Mönche brachten 555 in ihren 
hohlen Pilgerstäben Eier aus China nach Konstantinopel. Von da hat sich 
der Seidenbau nach Südwesten verbreitet. — 4. Die Nahrung der Seiden- 
raupen besteht aus Blättern des Maulbeerbaumes. Der Appetit der Raupen 
ist außerordentlich. In 4 Wochen wechseln sie 4 mal ihre Haut; die erste ist 
schwärzlich, die letzte weißlich. Zuletzt verlieren sie den Appetit, rennen unruhig 
umher und suchen sich ein Plätzchen zur Verpuppung. — 5. 6. Ihr Puppenkleid 
ist die Seide. Sie spinnen es mittels zweier Wärzchen am Munde und be-