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hause stehen Vertreter der Parteien und drücken dem ankommenden
Wähler den Stimmzettel ihres Kandidaten in die hand. So betritt der
Wähler den Wahlraum. Hinter einem langen Tische sitzt der Wahlvorstand,
auf dem Tische steht ein Gefäß, die Wahlurne, zur Rufnahme
der Stimmzettel. Eins der Vorstandsmitglieder hat vor sich
die Wählerliste liegen. Uachdem der Wähler in einem abgeteilten
Raum seinen Stimmzettel in einen Umschlag gestecht hat, tritt er an
den Vorstandslisch, nennt seinen Namen und gibt, sobald sein Name
in der Wählerliste vorgefunden ist, seinen Stimmzettel dem Wahlvor-=steher;
der wirft ihn in die Urne. — Die Zufregung wächst von
Stunde zu Stunde. Kllenthalben werden Dermutungen über den Kusfall
der Wahl laut. Endlich um sieben Uhr abends schließt der Dorsteher
die Wahl. öwar wird das Ergebnis amtlich erst in einigen Tagen
behanntgegeben, aber die Parteien haben schon Sählungen veranstaltet.
Da stellt sich heraus, daß keiner der drei Kandidaten die absolute
Stimmenmehrheit auf sich vereinigt hat. Gewählt ist nämlich nur
derjenige, der mindestens eine Stimme mehr erhalten hat, als die
hälfte aller abgegebenen Stimmen ausmacht. Es muß also eine Stichwahl
vorgenommen werden, und zwar binnen zwei Wochen. Die
Zufregung wächst noch, je näher der Tag der Stichwahl heranrückt.
Kommt es doch bei dieser noch mehr auf jede einzelne Stimme an.
Die Harteien verdoppeln ihre Anftrengungen. Die letzten säumigen
Wähler, alte, selbst kranke, werden zur Wahlurne befördert. Endlich
ist der Sieg entschieden. Jubelnd zieht die siegende Hartei nach einem
Gasthause. hier wird im größten Saal der Sieg bis in die späte
Nachtstunde hinein gefeiert. Ihren Höhepunkt aber erreicht diese Feier,
wenn der neugewählte Reichstagsabgeordnete das Rednerpult besteigt,
seinen Wählern für das durch die Wahl bewiesene Dertrauen dankt
und feierlich verspricht, daß von dem Uage ab, wo er den huppelgeschmückhten
Reichstagspalast am Mônigsplatz in Berlin betritt, nur
das Wohl des Daterlandes und das Wohlergehen seiner Wähler die
Richtschnur für seine Entschließungen abgeben sollen.
344. Von der Verwaltung des Deutschen Reiches.
Von Kurt Wernelow.
Seit 1871 haben wir wieder ein großes einiges Deutsches Reich.
Die Kaiserwürde ist erblich und steht allemal dem Könige von
Preußen zu. Gottlob, daß sie erblich ist! Im alten deutschen