314 Das Volk.
weil, vielleicht der Verfasser einer Luzerner Reimchronik um 1490, Nikolaus Schradin,
einer württembergischen Familie an. Ueber die Kometen schrieb ein Ulmer Arzt
Jak. Engeli bald nach 1400; der Ulmer Dominikaner Felix Fabri aus Zürich, 1
1502, ist als Beschreiber seiner Palästinafahrten und Verfasser einer HBistoria Suevorum
nicht vergessen.
2. Vom Ende des 15. Jahrhunderts bis weit in das 18. hinein
ist die Wissenschaft und Literatur bei uns wesentlich den Lehrern der
Landeshochschule überlassen. Doch ist auch das, was von dem erst
später württembergisch gewordenen Schwaben und Franken ausgieng und
von Württembergern, die nicht der Universität angehörten oder ins Ausland
sich wenden mußten, geleistet wird, dem Umfang nach beträchtlich,
der Bedeutung nach theilweise von den Tübinger Leistungen nicht erreicht.
Theologen. Vor der Reformation: Gabriel Biel von Speier, 1495,
Konrad Summenhart von Calw, 1 1532 in Tübingen. Sodann die Reformatoren:
Joh. Brenz von Weilerstadt 1499—1570, Erhard Schnepf von Heilbronn 1495
bis 1558, beide kurze Zeit in Tübingen; Johs. Oekolampadius von Weinsberg 1482
bis 1531, in Basel, Urbanus Regius (Rieger) von Langenargen, 1489—1541, in
Celle, und der Gegner der Resormation Hieronymus Emser von Ulm, 1477—1527,
in Sachsen. Weiter die Streittheologen: Jak. Beurlin von Dornstetten, 1520—1561,
Jak. Andreä von Waiblingen, 1528—1590, Jak. Heerbrand von Giengen, 1521
bis 1600, Matthias Hafenreffer von Lorch 1561—1619, Andr. Osiander von ABlaubeuren,
1562—1617, Luk. Osiander von Stuttgart, 1571—1638, sämmtlich in Tübingen;
Dav. Chyträus von Ingelfingen, 1531—1600, in Rostock, Jak. Heilbronner
von Eberdingen, 1548—1618, in pfälzischen Diensten, Aegidius Hunnius von Winnenden,
1550—1603, in Marburg, Polykarp Leyser von Winnenden, 1552—1610,
in Wittenberg und Dresden, Leonh. Hutter von Nellingen bei Blaubeuren. 1563
bis 1616, in Wittenberg. Der Beste dieses Zeitalters, Joh. Val. Andreä von
Herrenberg, 1586—1654, fand keinen Platz in der starr orthodoxen Fakultät der
heimatlichen Hochschule, so wenig als hundert Jahre später die Bibelmänner und
Theosophen Joh. Albr. Bengel von Winnenden, 1687—1752, und Friedr. Christoph
Oetinger von Göppingen, 1702—1782. Und doch waren mittlerweile die wesentlichsten
Richtungen der Zeit auch dort vertreten gewesen: „die konservative Aufklärung
und Universalität in Christoph Matth. Pfaff von Stuttgart, 1687—1760. das
biblische und praktische Christenthum in Chr. Eberh. Weismann von Hirsau, 1677
bis 1747, die Philosophie des Tages in Bilfinger und Canz“. Diese Letztgenannten
sind, außer Jak. Schegk von Schorndorf, 1511—1587, im ganzen Zeitraum die
einzigen nennenswerthen Philosophen: Georg Bernh. Bilfinger von Cannstatt,
1693—1750, und Isr. Gottlieb Canz von Grünthal, 1690—1753.
Zahlreicher sind die Philologen, wenigstens in der schönen Frühlingszeit
des Humanismus. Den größten, Joh. Reuchlin von Pforzheim, 1455—1522,
nannte Tübingen zwar nur wenige Semester, aber unser Land Jahrzehnte durch sein
eigen, Reuchlins großen Neffen Phil. Melanchthon von Bretten, 1497—1560,
wenigstens einige Jahre, und hart an ihrer Seite nennt die Geschichte der Universität
Heinrich Bebel von Ingstetten-Justingen, 1472—1518, Joh. Altensteig von
Mindelheim, Joh. Brassicanus von Konstanz, Johs. Hildebrand von Schwetzingen
1 1513, Jak. Heinrichmann von Sindelfingen, c. 1482—1561, während auswärts