— 275 —
schläge schlüssig gemacht, so war auch damit noch nicht viel gewonnen,
da man dann erst mit den Kurfürsten und etwa auch mit
den Städten sich zu benehmen hatte, die vielleicht mit ganz anderen
Vorschlägen kommen mochten. War einmal die ursprüngliche
Absicht, wie sie in dem Beschluls vom 26. Juni hervortrat,
ohne Ausschüsse zu verhandeln, aufgegeben, so empfahl es sich
ohne Zweifel, einen ständischen Gesamtausschufs aus allen Kurien
mit der Vorberatung der dem Reichstage vorliegenden Materien
zu betrauen. In der That scheinen die Fürsten den Kurfürsten,
denen sie am 6. Juli von den Beschlüssen des vergangenen Tages
Anzeige machten '), alsbald angelegen zu haben, durch Hinzugabe
einer Anzahl kurfürstlicher Vertreter dem fürstlichen Ausschufs
einen allgemeineren Charakter zu verleihen. Die Kurfürsten zogen
den Vorschlag in Erwägung, und eine fürstliche Relation meldete
am 9. Juli, sie hätten eingewilligt, vier Deputierte zu dem fürstlichen
Ausschuls hinzuzuverordnen?). Allein schliefsliich kam es
doch nicht dazu. Sicherlich sprach da wieder die Eifersucht der
ersten Kurie mit; die Kurfürsten besorgten, ihrer Autorität etwas
zu vergeben, wenn sie sich einfäch dem Vorgehen der Fürsten anschlossen
und deren Initiative somit anerkannten®). Dazu kam
aber, dafs man sich nicht darüber einigen konnte, ob man den
Städten in dem Ausschuss Vertreter bewilligen solle oder nicht.
Am 10. Juli wurde auf kurfürstlicher Seite über diese Angelegenheit
verhandelt, freilich nur von den Räten*). Die Herren,
nämlich die anwesenden drei Kurfürsten, dazu der Erzherzog und
viele Fürstlichkeiten, entfernten sich aus Speier, um für ein Paar
ı) N zum 6. Juli, a. a. 0. S. 307.
?) Die Neuburgische Relation von diesem Tage.
%) Dafs die Kurfürsten die anderen Stände lenken wollten, schrieb Pack
an Herzog Georg in einem Briefe, von dem allerdings nur die Inhaltsangabe
und kein Datum erhalten ist; derselbe gehört aber in diese Zeit; es ist
davon die Rede, „wie die Question der Session geortert* (7. Juli, s. 0.) und
dafs „die Kurfürsten keinen Ausschufs willigen wollen“.
*) Am 9. fanden Vorberatungen des Kurfürsten von der Pfalz mit
seinen Räten statt, s M zu diesem Datum. Hier war man für die
Bildung eines Gesamtausschusses, welcher die Verhandlungen beschleunigen
und aufserdem eine freiere Aussprache auf allen Seiten ermöglichen würde,
wenn nämlich die Verordneten unter sich verhandelten und keine störende
Rücksicht auf die fürstlichen Personen zu nehmen hätten. Im Interesse der
Beschleunigung und Vereinfachung der Sache war man auch pfälzischerseits
für die Heranziehung der Städte zum Ausschuls.
18*