Full text : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1832. (23)

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Anweisung
zum  Desinfektions-Verfahren.

 

I.  Mittel  zur  Desinfektion.

Di.  Mittel,  welche  den  Ansieckungsskoff  zu  zerstören  vermögen,  sind  verschieden
  nach  der  Verschiedenheit  der  zu  reinigenden  Gegenstände,  und  bestehen
im  Allgemeinen  in:

A.  Waschungen  mit  gewissen  Flüssigkeiten,
B.  Räucherungen  und
C.  Durchlüften  der  zu  reinigenden  Dinge.
A.  Zu  den  Waschungen  dienen:

1)  Die  starke  Chlorkalksolution,  bestehend  aus  einer  Auflösung  von
4  Loth  Chlorkalk  in  einem  Quart  Wasser,  die  man  von  dem  Rückstande
abgießen  kann;

2)  die  schwache  Chlorkalksolution,  aus  einem  Lothe  Chlorkalk  in  eine
Quart  Wasser  aufgelöst  und  von  dem  Rückstande  abgegossen;

3)  scharfe  Aschenlange;  6

4)  Auflösung  von  weißei  und  grüner  Seife  in  Wasser.

B.  Die  Räucherungen  werden  gemacht:

1)  mittelst  Chlorgas:
a)  man  nimmt  9  Theile  gepulverten  Kochsalzes,  8  Theile  gepulverten  Braunb



sicins  und  10  bis  18  Theile  konzentrirter  Schwefelsäure.  Das  Pulver
des  Braunsleins  reibt  man  in  einem  vertieften  Gefäße  von  Glas,  Porzellan
  oder  Steingut,  mit  dem  Kochsalze  zusammen  und  gießt  dann  die
Schwefelsäure  nach  und  nach  hinzu,  indem  man  das  Gefäß  sanft  bewege,
oder  die  Mischung  mit  einem  thönernen  Pfeifenstiele  oder  Glasstabe  umrührt;
wo  nicht  große  Räume  und  große  Massen  mit  Chlorgas  zu  durchräuchern
sind,  auch  wo  man  Chlorkalk  in  hinreichender  Menge  haben  kann,  ist  folgendes
  Verfahren  zu  empfehlen:  Man  vermischt  2  bis  3  Theile  konzentrirter
  Salzsäurc  von  1,150  mit  einem  Theile  Chlorkalk,  indem  man  den
letztern  nach  und  nach  in  ein  hinlänglich  tiefes  Glas  oder  Gefaß  von
Porzellan  oder  Steingut,  in  welchem  die  Salzsaure  enthalten  ist,  schüttet
und  dabei  das  Gefäß  bewegt.

2)  Mittelst  salpetersaurer  Dämpfe.  In  eine  Schaale  von  Glas,  Porzellan
  oder  Steingut,  schürtet  man  einen  Theil  gepulverten  Salpeters,  und
gießt  mit  gehöriger  Vorsicht  nach  und  nach  etwas  mehr,  als  die  Hälfte
weißer  oder  nicht  sehr  braun  gefärbter  konzentrirter  Schwefelsaure  (Vitriol=Oel)
  hinzu,  indem  man  das  Gemisch  von  Zeit  zu  Zeit  mit  einem  Stabe

von