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die weitgcästete alte Linde — was alles hat sich in ihrem Schatten
begeben? Ist nicht einst, in den glücklicheren Tagen blühenden
Volkslebens, fröhliches Spiel, Tanz und Reigen, Lachen und
Jauchzen darunter erklungen? Und weshalb ists denn heute so
still und tot auf dem Plane# Wer hilst mit, daß es dort wieder
lebendig werde wie einst? Mitten durchs Tors sließt der Bach,
der schöne, breite Bach mit seinenh klaren Wasser, weißen Sande
und blinkenden Kieseln auf dem Grunde — wie heißt er? Woher
— wohin? Welche Ortschaften berührt er unterwegs? Und
dort der Berg in einiger Entsernung, dessen Scheitel die Sonne
noch goldig verklärt, wenn sie sür das Dorf schon untergegangen
ist, trägt er nicht eine Ruine auf seiner Kupper Was hat dort
einst gestanden — war's eine Ritterburg, war ¾! ein Kloster? Was
weiß die Sage, die Geschichte, die Poesie davon zu berichten, zu
singen? — Von der Höhe des Ackerseldes schweist der Blick nach
allen Seiten weithin — was umspannt er nicht alles in dem breiten
Nahmen! Felder, Wiesen, Hügel mit Gebüsch, blaue Wasserspiegel,
einzelne Gehöfte, Dörfer mit ragenden Kirchtürmen, bewaldete
Höhen und Bergesgipfel mit Schlössern oder Ruinen.
Wenn nun in der Erntezeit die Vesperpause eintritt, Schnitter und
(varbenbinderinnen, alt und jung sich lagern, essen und trinken und
Umschau halten: wird's da lebendig im Kreise? Sieht man die
Ritter und Edelsräulein aus den Toren der Burg herfürsprengen?
Stimmt ein sangesfroher Mädchenmund das Lied an von den drei
duschen Jungfräulein da oben auf jenem Berge? Kommen dort
nicht die Schweden oder Franzosen oder die Wallensteiner durch
die dlir geritten? Erschallt nicht von driben her das
schmetternde „Vorwärts“ des alten Blücher? — Der Wall dort am
Feldrain — heißt er nicht die Römerschanze oder der Heidenwall?
Woher der Name? Was ist davon zu vermelden? — Oder jener
wunderliche Flurname aus alter Zeit. Welches Volk erfand ihn?
Was sagt er' — Dort der riesige Stein auf der Markscheide, von
Dorngestränch umwuchert — wie kommt er dorthin? „Luttert“
es nicht Gold bei ihm um Mitternacht? — Windverwehte Bäume
stehen vereinzelt an dem Wege, der durch die braune Heide führt
kommt dort nicht nachts der wilde Jäger, der Wod mit Hussa und
Horrido dahergesprengt? — Leben, Leben überall, wohin das Ange
blickt. Wie reich ist die Heimat! wie heilig ihr Boden! Ziehe deine
Schuhe ans: Götter und Helden sind auf diesem Boden gewandelt,
entweihe ihn nicht, erforsche seine Geheimmisse, und er wird dir
teuer werden, du wirst ihn lieb gewinnen.
„Nun ist zwar lehrplanmäßig“, um mit Friedrich Busse
(in der „Tägl. Rundschan“, Beilage, 1900, Nr. 62) zu reden, „schon
jetzt die Heimat Gegenstand des Unterrichtes. Aber der Stoff ist
so mannigfaltig und umsangreich, daß er in einem Jahre nicht
wohl bewältigt werden kann. Zum anderen wird Heimatkunde
wehl meist auf der Mittelstuse mit Kindern im Alter von 9 bis
Jahren getrieben, während die Oberstufe leer ausgeht, und die