Contents : Erinnerungen an die Kriegsjahre im Königlich Preußischen Kriegsministerium. Erster Band. Der Weg zur Revolution 1914-1918. (1)

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die  weitgcästete  alte  Linde  —  was  alles  hat  sich  in  ihrem  Schatten
begeben?  Ist  nicht  einst,  in  den  glücklicheren  Tagen  blühenden
Volkslebens,  fröhliches  Spiel,  Tanz  und  Reigen,  Lachen  und
Jauchzen  darunter  erklungen?  Und  weshalb  ists  denn  heute  so
still  und  tot  auf  dem  Plane#  Wer  hilst  mit,  daß  es  dort  wieder
lebendig  werde  wie  einst?  Mitten  durchs  Tors  sließt  der  Bach,
der  schöne,  breite  Bach  mit  seinenh  klaren  Wasser,  weißen  Sande
und  blinkenden  Kieseln  auf  dem  Grunde  —  wie  heißt  er?  Woher
—  wohin?  Welche  Ortschaften  berührt  er  unterwegs?  Und
dort  der  Berg  in  einiger  Entsernung,  dessen  Scheitel  die  Sonne
noch  goldig  verklärt,  wenn  sie  sür  das  Dorf  schon  untergegangen
ist,  trägt  er  nicht  eine  Ruine  auf  seiner  Kupper  Was  hat  dort
einst  gestanden  —  war's  eine  Ritterburg,  war  ¾!  ein  Kloster?  Was
weiß  die  Sage,  die  Geschichte,  die  Poesie  davon  zu  berichten,  zu
singen?  —  Von  der  Höhe  des  Ackerseldes  schweist  der  Blick  nach
allen  Seiten  weithin  —  was  umspannt  er  nicht  alles  in  dem  breiten
Nahmen!  Felder,  Wiesen,  Hügel  mit  Gebüsch,  blaue  Wasserspiegel,
  einzelne  Gehöfte,  Dörfer  mit  ragenden  Kirchtürmen,  bewaldete
  Höhen  und  Bergesgipfel  mit  Schlössern  oder  Ruinen.
Wenn  nun  in  der  Erntezeit  die  Vesperpause  eintritt,  Schnitter  und
(varbenbinderinnen,  alt  und  jung  sich  lagern,  essen  und  trinken  und
Umschau  halten:  wird's  da  lebendig  im  Kreise?  Sieht  man  die
Ritter  und  Edelsräulein  aus  den  Toren  der  Burg  herfürsprengen?
Stimmt  ein  sangesfroher  Mädchenmund  das  Lied  an  von  den  drei
duschen  Jungfräulein  da  oben  auf  jenem  Berge?  Kommen  dort
nicht  die  Schweden  oder  Franzosen  oder  die  Wallensteiner  durch
die  dlir  geritten?  Erschallt  nicht  von  driben  her  das
schmetternde  „Vorwärts“  des  alten  Blücher?  —  Der  Wall  dort  am
Feldrain  —  heißt  er  nicht  die  Römerschanze  oder  der  Heidenwall?
Woher  der  Name?  Was  ist  davon  zu  vermelden?  —  Oder  jener
wunderliche  Flurname  aus  alter  Zeit.  Welches  Volk  erfand  ihn?
Was  sagt  er'  —  Dort  der  riesige  Stein  auf  der  Markscheide,  von
Dorngestränch  umwuchert  —  wie  kommt  er  dorthin?  „Luttert“
es  nicht  Gold  bei  ihm  um  Mitternacht?  —  Windverwehte  Bäume
stehen  vereinzelt  an  dem  Wege,  der  durch  die  braune  Heide  führt
kommt  dort  nicht  nachts  der  wilde  Jäger,  der  Wod  mit  Hussa  und
Horrido  dahergesprengt?  —  Leben,  Leben  überall,  wohin  das  Ange
blickt.  Wie  reich  ist  die  Heimat!  wie  heilig  ihr  Boden!  Ziehe  deine
Schuhe  ans:  Götter  und  Helden  sind  auf  diesem  Boden  gewandelt,
entweihe  ihn  nicht,  erforsche  seine  Geheimmisse,  und  er  wird  dir
teuer  werden,  du  wirst  ihn  lieb  gewinnen.

„Nun  ist  zwar  lehrplanmäßig“,  um  mit  Friedrich  Busse
(in  der  „Tägl.  Rundschan“,  Beilage,  1900,  Nr.  62)  zu  reden,  „schon
jetzt  die  Heimat  Gegenstand  des  Unterrichtes.  Aber  der  Stoff  ist
so  mannigfaltig  und  umsangreich,  daß  er  in  einem  Jahre  nicht
wohl  bewältigt  werden  kann.  Zum  anderen  wird  Heimatkunde
wehl  meist  auf  der  Mittelstuse  mit  Kindern  im  Alter  von  9  bis

Jahren  getrieben,  während  die  Oberstufe  leer  ausgeht,  und  die