Volltext : Reichs-Gesetzblatt. 1875. (9)

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Geistlichen  und  anderen  Religionsdienern  darf  das  Amt  eines  Standesbeamten
  oder  die  Stellvertretung  eines  solchen  nicht  übertragen  werden.

§.  4.

In  den  Standesamtsbezirken,  welche  den  Bezirk  einer  Gemeinde  nicht  überschreiten,
  hat  der  Vorlleher  der  Gemeinde  (Bürgermeister,  Schultheiß,  Ortsvorsteher
  oder  deren  gesetzlicher  Stellvertreter)  die  Geschäfte  des  Standesbeamten
wahrzunehmen,  sofern  durch  die  höhere  Verwaltungsbehörde  nicht  ein  besonderer
Beamter  für  dieselben  bestellt  ist.  Der  Vorsteher  ist  jedoch  befugt,  diese  Geschäfte
  mit  Genehmigung  der  höheren  Verwaltungsbehörde  anderen  Gemeindebeamten
  widerruflich  zu  übertragen.

Die  Gemeindebehörde  kann  die  Anstellung  besonderer  Standesbeamten  beschließen.
  Die  Ernennung  der  Standesbeamten  erfolgt  in  diesem  Falle  durch
den  Gemeindevorstand  unter  Genehmigung  der  höheren  Verwaltungsbehörde.

In  der  gleichen  Weise  erfolgt  die  Bestellung  der  Stellvertreter.

Die  durch  den  Gemeindevorstand  ernannten  besonderen  Standesbeamten
und  deren  Stellvertreter  sind  Gemeindebeamte.

§.  5.

Die  durch  die  höhere  Verwaltungsbehörde  erfolgte  Bestellung  und  Genehmigung
  zur  Bestellung  ist  jederzeit  widerruflich.

§.  6.

Ist  ein  Standesamtsbezirk  aus  mehreren  Gemeinden  gebildet,  so  werden
der  Standesbeamte  und  dessen  Stellvertreter  stets  von  der  höheren  Verwaltungsbehörde
  bestellt.  

Ein  jeder  Vorsteher  oder  andere  Beamte  einer  dieser  Gemeinden  ist  verpflichtet,
  das  Amt  des  Standesbeamten  oder  des  Stellvertreters  zu  übernehmen.

Die  landesgesetzlichen  Vorschriften,  nach  welchen  den  Vorstehern  der  aus
mehreren  Gemeinden  gebildeten  Verbände  die  gleiche  Verpflichtung  obliegt,  werden
hierdurch  nicht  berührt.

§.  7.

Die  etwa  erforderliche  Entschädigung  der  nach  §.  4  von  den  Gemeinden
bestellten  Standesbeamten  fällt  der  Gemeinde  zur  Last.

Die  in  §.  6  Absatz  2  und  3  bezeichneten  Beamten  sind  berechtigt,  für
Wahrnehmung  der  Geschäfte  des  Standesbeamten  von  den  zum  Bezirk  ihres
Hauptamtes  nicht  gehörigen  Gemeinden  eine  in  allen  Fällen  als  Pauschquantum
festzusetzende  Entschädigung  zu  beanspruchen.

Die  Festsetzung  erfolgt  durch  die  untere  Verwaltungsbehörde;  über  Beschwerden
  entscheidet  endgültig  die  höhere  Verwaltungsbehörde.

Bestellt  die  höhere  Verwaltungsbehörde  andere  Personen  zu  Standesbeamten
oder  zu  Stellvertretern,  so  fällt  die  etwa  zu  gewährende  Entschädigung  der
Staatskasse  zur  Last.