Volltext : Sächsisches Realienbuch enthaltend Geschichte, Erdkunde, Naturgeschichte, Physik, Chemie und Mineralogie.

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4.  Einfall  der  Ungarn.  Im  fünften  Jahre  seiner  Regierung  fielen  die
Ungarn  in  Deutschland  ein.  Auf  kleinen  gepauzerten  gd  kamen  sie  in  Scharen
herbei.  In  der  Schlacht  ergriffen  sie  zum  Schein  Pdie  Flucht,  um  die  Gegner,  die  zu
Fuß  kämpften,  aus  ihrer  Ordnung  herauszulocken.  Plötzlich  kehrten  sie  um  und
schossen  aus  weiter  Entfernung  die  Feinde,  die  nur  auf  den  Nahekampf  eingerichtet
waren,  mit  ihren  kräftigen  Bogen  nieder.  Sie  hausten  schrecklich  im-Lande.  Was
ihnen  an  Beute  gefiel,  nahmen  sie  mit.  Sie  erschlugen  die  Männer,  banden  die
Frauen  mit  ihren  langen  Haaren  zusammen  und  trieben  sie  fort.  Die  Gehöfte  blieben
als  Brandstätten  zurück.  Heinrich  war  gerade  krank  und  hatte  nicht  den  Mut,  sich
diesen  wilden  Scharen  entgegenzustellen.  Sachsen  war  auch  in  einer  besonders
schlimmen  Lage.  Während  z.  B.  am  Rhein  und  an  der  Donau  seit  der  Römerzeit
Städte  vorhanden  waren,  fehlten  sie  in  Sachsen  gänzlich.  Hier  lebten  die  Leute
in  bäuerlichen  Verhältnissen  über  das  ganze  Land  zerstreut.  Die  Fußtruppen  der
Sachsen  waren  gegen  die  Reiterscharen  der  Ungarn  gar  nicht  zu  verwenden.  Eines
Tages  glückte  es  Heinrichs  Leuten,  einen  vornehmen  Häuptling  zu  fangen.  Den
hab  der  König  nicht  eher  los,  bis  ihm  die  Ungarn  gegen  einen  jährlichen  Tribut  einen
Waffenstillstand  auf  neun  Jahre  bewilligten.

5.  Heinrich  schafft  Zufluchtsstätten.  Während  des  Waffenstillstandes  ließ
Heinrich  in  Sachsen  Burgen  anlegen,  wie  Quedliuburg  und  Nordhausen,  und
vorhandene  Bischofssitze,  Pfalzen  und  Klöster  mit  Mauern  und  Wällen  umgeben,
5.  B.  Z##la  und  Merjeburg.  Diese  befestigten  Plätze  aber  erschienen  den  an  Freiheit
gewöhnten  Deutschen  wie.  Gräher-  und-sie-hatten  keine  Zust,  darin  zu  wohnen.  Da
befahl  Heinrich  zu  losen.  Von  je  neun  Mann  mußte  einer  in  die  Burg  ziehen.  Die
anderen  acht  aber  mußten  den  Acker  bestellen  und  den  dritten  Teil  der  Ernte  in  die
festen  Plätze  bringen.  Dies  geschah  deshalb,  damit  das  Landvolk,  wenn  es  zur  Kriegszeit
  in  den  festen  Plätzen  Schutz  suchte,  hier  auch  auf  längere  Zeit  Lebensmittel
vorfände.  Die  Leute  in  der  Burg  erhielten  den  Namen  „Bürger“.  Der  König
verlieh  ihnen  manche  Vorrechte,  schenkte  ihnen  Ländereien  und  Forsten  und  verlegte
  Messen  und  Märkte  in  die  Burgen.

6.  Heer.  Sodann  benutzte  Heinrich  die  Zeit  des  Waffenstillstandes  zur  Ausbildung
  seines  Heeres.  Zunächst  wurde  der  Heerbann  erneuert;  aber  das  genügte
nicht.  Um  den  Ungarn  erfolgreich  entgegentreten  zu  können,  mußte  Heinrich  eine
tüchtige  Reiterei  haben.  Darum  verordnete  er,  daß  seine  Vasallen  mit  ihren  Dienstleuten
  von  Zeit  zu  Zeit  zu  Pferde  erschienen;  dann  wurden  Kampfübungen  in  Reih
und  Glied  angestellt.  Gewöhnlich  bildete  Heinrich  zwei  Parteien,  die  gegeneinander
fochten.  Jede  Partei  hatte  ein  gemeinschaftliches  Abzeichen  und  eine  gemeinsame
Kasse,  aus  der  die  Gefangenen  wieder  eingelöst  wurden.  „Seitdem  verlor  der  Kriegsdienst
  zu  Fuß  allen  Glanz  und  alle  Ehre,  aus  dem  Volksheere  wurde  ein  Ritterheer,
und  aus  den  Kampfübungen  der  Reiter  gingen  allmählich  die  Turniere  oder  Ritterspiele
  hervor.“

7.  Der  Kampf  gegen  die  Wenden.  Um  seine  Reiter  noch  besser  einzuüben,
bekämpfte  Heinrich  die  Wenden,  die  oft  die  östliche  Grenze  des  Sachsenlandes
beunruhigten.  Als  Heinrich  927  mit  seinem  Heere  über  die  Elbe  ging,  zogen  sich
die  Wenden  eiligst  in  ihre  Hauptstadt  Brennabor  (Brandenburg)  zurück,  wohin
ihnen  die  Sachsen  wegen  der  vielen  Sümpfe  nicht  folgen  konnten.  Schon
triumphierten  die  Wenden.  Plötzlich  trat  jedoch  Frost  ein,  und  Heinrichs  Scharen