182 Die Oesterreichisch-AUngarische Monarchir. (Okt. 20.—23.)
Mehrheit beschließt trotz des Einspruches der deutschen Opposition
einen Museumsban, welcher dem Lande gegen 4 Mill. Gulden kosten
wird. Den Ehrgeiz der Czechenführer, einen Nationalpalast zu errichten,
der Zeugnis für die Macht und den Einfluß des Czechentums
ablegen soll, müssen die Steuerträger Böhmens gerade in
einer Zeit bezahlen, da eine schwere Zucker= und Getreidekrisis den
Wohlstand der Bevölkerung in der empfindlichsten Weise zu schädigen
droht.
20. Oktober. (Ungarn.) Reichstag: Die Regierung legt demselben
den längst angekündigten Gesetzentwurf betr. Reform des Oberhauses
vor.
20.—23. Oktober. (Kroatien.) Landtag: Die Adreßdebatte
führt wieder zu einem gewaltigen Sturm und argen Ausschreitungen.
Die Mehrheit beschließt, 15 Mitglieder von der Partei Starcevic
von den Sitzungen auszuschließen, worauf auch die sog. Mittelpartei
freiwillig den Saal verläßt.
21. Oktober. (Oesterreich: Oberösterreich.) Schluß der Landtagsfession.
Das Hauptmoment derselben bestand in dem Ansturm
der klerikalen Majorität gegen das gesamte moderne Schulwesen.
Die ultramontane Majorität hatte kaum vom Landtage Besitz ergrissen,
ale sie auch schon den Sturm gegen die moderne Schule eröffnete.
„Katholisierung der Volksschule, der Mittelschule und der Universität“ —
lantete die vom Vischof Rudigier ausgegebene Parole, und dieser entsprach
auch die Aktion der Partei. Anträge von Dr. Lechner auf Abänderung des
Schulaussicht= — wurden angemommn, und wenn diese in Gesetzeskraft
erwachsen, dann ist das Vo und Mittelschulwesen Oberösterreichs der
Aufsicht des Bischofs unterstellt »Vonbilltqclelchlaqszahlnnqaufdrikünftige
Konlordal“, nannte der Bischof diese Anträge; und in der That, die
Majorität des Landtages hat auch schon der Zukunft vorgearbeitet. D Durch
die Annahme der Brandis'schen Anträge hat der Landesausschuß den Auftrag
erhalten, eine Revision der übrigen Schulgesetze zum Zwecke der Entlastung
des Landesschulfonds in Angriff zu nehmen. Verminderung der
Schulen, Reduktion der Lehrergehalte, Herabdrückung des Lehrers auf das
Niveau des Meßners, Herabsetzung des Lehrzieles ist der Zweck dieser Anträge.
21. Oktober. (Oesterreich: Galizien.) Landtag: lehnt einen
Antrag der Ruthenen, daß in den größeren gemischtsprachigen Orten
auch ruthenische Schulen und Parallelklassen errichtet werden, ab.
Die Polen arbeiten eben an der Polonisierung Galiziens, und jede
ruthenische Parallelklasse stört dieses Werk.
23. Oktober. (Oesterreich: Böhmen.) Schluß der Landtagssession,
deren ganger Verlauf zur Versöhnung der beiden Nationalitälen
wahrlich nichts beigetragen hat.