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Die Wittwe des Vorstehers einer im Auslande belegenen Impfanstalt, welche sich
mit Menschenimpfungen befaßt, impfte nach ihrer Angabe mit im Juni bezogener, 16 bis
145 Tage alter Lymphe 95 Personen mit vollem personellen Erfolg; auf 570 Schnitten
entstanden 555 Pusteln.
Die in Stettin gewonnene Thierlymphe erwies sich etwa 3 Monate lang gut haltbar,
bei älteren Lymphesorten wurden die Pusteln kleiner und der Schnitterfolg geringer. Die
zentrifugirte Lymphe zeigte schon nach der zweiten Woche eine erhebliche Abnahme ihrer
Haftsicherheit. Auch die Haltbarkeit der unter dem Tegmin-Watte-Verband erzeugten Lymphe
ließ zu wünschen übrig.
In Oppeln behielt der in Glycerin aufbewahrte Rohstoff seine volle Wirksamkeit
6 Monate bei (vergl. S. 21).
In Halle a. S. angestellte Beobachtungen über die Haltbarkeit der Lymphe finden
sich im nachfolgenden Abschnitt 7.
In Hannover erwies sich der Impfstoff von 2 Kälbern, bei denen die Pusteln
auffallend zurückgeblieben waren, bei den Probeimpfungen schon nach 2 Monaten als nicht
mehr genügend wirksam; er wurde nicht versandt. Im Uebrigen zeigten sich sämmtliche
Lymphesorten von guter Wirksamkeit und Haltbarkeit. Lymphe von Kalb 55 verursachte
bis zum Alter von 2 Monaten außergewöhnlich starke Entzündungserscheinungen. Wie in
den Vorjahren konnte auch im Berichtsjahre festgestellt werden, daß die probeweise stärker
(10 fach) verdünnten Lymphesorten früher an Wirksamkeit verloren als die 5 fach verdünnten.
Die zur Impfung der Civilbevölkerung abgegebene Lymphe war bei der Verimpfung
nie unter 2 Monate, meist bis zu 3 und 4, theils bis zu 8 Monaten alt, zu einem
geringen Theile sogar älter als 1 Jahr. Der größere Theil der Militärimpfungen wurde
mit reichlich 4 Monate alter, der kleinere Theil mit 6 Wochen alter Lymphe ausgeführt.
Dabei schwankten die Erfolgsausfälle bei Erstgeimpften zwischen 0 und 36, bei Wiedergeimpften
zwischen 28 und 188% der mit den einzelnen Lymphesorten ausgeführten
Impfungen. Diese Unterschiede führt der Bericht auf die geringere Uebung einzelner
Impfärzte und hinsichtlich der Wiederimpfungen auch auf die verschiedene Beurtheilung des
Erfolges zurück.
Die Lymphe aus Köln besaß eine befriedigende Haltbarkeit, die jedoch mit der
stärkeren Verdünnung abzunehmen schien.
Dresdener Lymphe hatte, soweit angegeben, bei der Versendung an die öffentlichen
Impfärzte ein Alter von 21 bis über 100 Tage erreicht, mehr als die Hälfte von 9 828
Röhrchen war über 60 bis 80 Tage alt.
Der Vorstand hat die Angaben derjenigen 110 Erfolgsanzeigen, welche besonders
zahlreiche Fehlimpfungen anführen, zusammengestellt. Darnach sind von 10 124 Erstimpfungen
815, und von 8 992 Wiederimpfungen 1 484 erfolglos gewesen. Hier hat es
sich überwiegend um Verwendung älterer Lymphe von 60 bis über 100 Tagen gehandelt.
Dem Bericht zufolge ist daher die Einschränkung der Verwendung solcher älteren Lymphe
in Betracht zu ziehen.
In Leipzig ließ sich ein Einfluß der Zahl der beigemengten Keime (vergl. Abschn. 7)
auf die Haltbarkeit und Wirksamkeit der Lymphe nicht erkennen; so war z. B. die Lymphe
von Kalb 14, deren Keimzahl sich in 14 Tagen auf den 400. Theil vermindert hatte, bei
Erstimpflingen noch nach fast 6 Monaten vollständig wirksam.
In Cannstatt wurden zu den Thierimpfungen Gemische aus jüngerer und bis zu
420 Tage alter Lymphe mit Erfolg verwendet. Eine Privatimpfung mit Lymphe von