Full text : Illustrierte Geschichte der Sächsischen Lande und ihrer Herrscher. II. Band, 2. Abteilung. Das Albertinische Sachsen von 1815-1904. (4)

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bei  Großenhain,  mit  dem  Gros  und  den  Reserven  zwischen  Meißen,
Dresden  und  Pirna  zum  Losschlagen  bereit,  und  zwar  in  einer
Stärke  von  26000  Mann  mit  6400  Pferden  und  60  Geschützen.
Die  Rabenhorstsche  Organisation  hatte  sich  bewährt  und,  was
namentlich  in  dieser  Zeit  schwer  wog,  alle  die  durch  die
Ereignisse  der  Jahre  1848  und  1849  unsicher  gewordenen  Reservisten
  waren  ohne  Schwierigkeiten  und  ohne  Murren  in  ihren
Garnisonen  eingetroffen.

Glücklicherweise  kam  es  nicht  zu  dem  Ernste  des  Krieges.
Überraschend  schnell,  vielleicht  auch  ein  wenig  durch  einen  Brief
seines  Freundes,  des  Prinzen  Johann  von  Sachsen,  beeinflußt,
gab  Friedrich  Wilhelm  seine  kriegerischen  Entschlüsse  auf,  bei
denen  er  wohl  auch  mehr  durch  die  größere  Energie  seines  Bruders,
  des  Prinzen  Wilhelm,  festgehalten  worden  war.  Am  3.  Nov.
nahm  darum  Radowitz  seine  Entlassung,  mit  ihm  die  beiden
anderen  Minister,  die  für  die  Mobilmachung  gewesen  waren,  und
am  gleichen  Tage  sandte  Graf  Brandenburg  eine  in  friedlichem
Tone  gehaltene  Depesche  nach  Wien,  worin  von  der  Einstellung
der  preußischen  Mobilmachung  und  den  friedlichen  Absichten
Preußens  und  damit  der  Wunsch  ausgesprochen  war,  daß  auch
die  gegnerische  Seite  ihre  Rüstungen  einstellen  möge.  Es  war
dies  das  Resultat  der  vom  26.—28.  Okt.  von  Brandenburg  mit
dem  Zaren  und  dem  Fürsten  Schwarzenberg  im  Beisein  des
österreichischen  Kaisers  zu  Warschau  gepflogenen  Verhandlungen,
die  am  28.  Okt.  zu  der  vorläufigen  Ubereinkunft  geführt  hatten,
daß  der  alte  Bund  mit  Einschluß  Österreichs  wiederhergestellt,
die  Union  und  die  Idee  einer  Volksvertretung  am  Bunde  aufgegeben
  würde;  die  hessische  Frage  war  dabei  unerörtert  geblieben.
Gerade  sic  aber  wurde  am  selben  3.  Nov.,  der  alles  friedlich  zu
gestalten  schien,  akut,  da  sich  der  „Bundesfeldherr“  Fürst  von
Thurn  und  Taxis  weigerte,  auf  den  Vorschlag  des  preußischen
Generals  von  der  Gröben  einzugehen,  daß  nämlich  angesichts
der  Friedensdepesche  des  Grafen  Brandenburg  nach  Wien  und
Hessen  eine  Demarkationslinie  gezogen  werden  sollte;  dieser  Weigerung
  schloß  sich  der  österreichische  Bevollmächtigte  in  Frankfurt,
Graf  Rechberg,  an.  Daraufhin  verfügte  König  Friedrich  Wilhelm