thumbs : Europäischer Geschichtskalender. Fünfundzwanzigster Jahrgang. 1884. (25)

264  Frankreich.  (Juni  7—17.)

7.  Juni.  Senat:  nimmt  den  Gesebentwurf  betr.  die  Chescheidung
  in  1.  Lesung  mit  156  gegen  115  Stimmen  an.

11.  Juni.  (Madagaskar.)  Admiral  Miot  richtet  ein  Ultimatum
  an  die  Königin  und  ihre  Regierung.  Die  Königin  lehnt
die  Forderungen  Frankreichs  rund  ab  und  erläßt  eine  kriegerische
Proklamation  an  ihr  Volk.

In  RKürze  lanten  die  Forderungen  der  Frangosen:  1)  an  Franlreich
  den  ganzen  Nordteil  von  Madagaskar  abzutrelen,  bis  Marambitsy
(südlich  von  Modschanga)  an  der  Westtüfte  und  Joamianina  (dicht  bei  der
Insel  St.  Mary)  an  der  Östküste.  Also  das  W  Gebiet  nördlich  vom
17°  u.  B.;  2)  an  Frankreich  eine  Summe  von  3  Mill.  Fr.  als  Schadenersatz
  zu  zahlen;  3)  alle  Fremden,  welche  irgendwie  Berluste  erlitten  haben,
schadlos  Zu  halten;  4)  inr  Erbpacht  zu  bewilligen  und  5)  den  früheren  Vertrag
  dahin  abznändern,  daß  die  Königin  Ranavalona  lll.  sich  von  nun  an
Königin  von  Imerina  austatt  von  Madagaskar  nenne.  „Wenn  die  Malgaschen
  diese  so  leichlen  Bedingungen  nicht  erfüllen,  werden  die  Feindseligkeiten
ihren  Anfang  nehmen,“  sügt  Admiral  Miot  hinzu.  „Wir  werden  das  ganze
Land  erobern.  Das  Lager  von  Manjakandrianombana  (bei  Tamatave)  wird
erstürmt  werden.  Wir  werden  unsere  Truppen  bei  Modschanga  landen,  nach
Anlananarivo  marschieren,  und  die  Straße  wird  rot  gefärbt  werden  vom
Blute  eurer  Soldaten.“"  Natürlich  rufen  diese  Forderungen  eine  große  Entrüstung
  hervor.  Die  Proklamation  der  Mönigin  lautet:  „Ranavolomanjaka,
  von  Goltes  Gnaden  und  durch  den  Millen  der  Nation  Königin  von
Madagaskar  und  Verteidigerin  der  Gesetze  meines  Landes  2c.  Dies  ist
es,  mein  VBolk,  welches  ich  dir  zu  sagen  habe.  Die  unkerhandlunten  mit  den
Franzofen“  sind  abgebrochen,  ihr  Vorgehen  kann  nicht  länger  ertragen  werden.

Denn  sie  sagen:  dieses  von  unseren  Vorfahren  uns  überkommene  Land  ge-*⅞
  nicht  uns,  sondern  es  gehöre  seit  langem  ihnen.  Und  wenn  wir  es  nicht
im  guten  herausgeben  wollen,  würden  sie  es  gewaltsam  nehmen  und  uns
alle  vernichten,  so  daß  wir  nie  wieder  eine  Nation  bilden  würden.  Angesichts
  dieser  nnerträglichen  Drohungen  ist  der  Tag  gekommen,  der  Worte
eingedenk  zu  sein,  welche  ich  längst  aus  gefprochen  habe,  daß,  solange  noch  ein
Mann  am  Leben  ist,  er  dasselbe  einsetzen  müsse,  um  gegen  den  Feind  zu
kämpfen.  Wir  suchen  den  Kampf  nicht;  aber  es  soll  uns  unser,  Eigentum
genommen  werden,  und  so  beginnt  denn  der  Tag  des  Krieges.

.16.  Juni.  Frankreich  hat  sich  mit  England  über  die  Vorbedingungen
  für  die  internationale  Londoner  Konferenz  zur  Regelung
der  ägyptischen  Finanzlage  geeinigt  (s.  unter  England).

17.  Juni.  (Kambodscha.)  Abschluß  eines  neuen  Protektorats-Vertrags
  zwischen  Frankreich  und  dem  Königreich  Kombodscha.

Nach  diesem  neuen  Vertrage  heißt  König  Norodom  I.  alle  Reformen
und  Einrichtungen,  welche  Frankreich  auf  dem  Gebiete  des  Handels,  der
Finanzen,  der  Gerichtsbarkeit  u.  s.  w.  im  Interesse  seines  Protektorats  über
dieses  Land  für  notwendig  erachtel,  zum  voraus  gut  und  verpflichtet  sich,
die  darauf  bezüglichen  Befehle  zu  ertheilen.  Der  König  behält  nach  wie
vor  die  Leitung  der  Staatsgeschäfte,  vvorbehaltlich  jener  Einschränkungen,
welche  ihm  dieser  Vertrag  auferlegt.  Die  Beamten  des  Rönigs  führen  die  Belümmungen
  unter  der  Kontrolle  des  frangösischen  Ministerresidenten  aus.

fza  Vertrag  enthält  elj  Paragraphen  und  wird  vom  Rönig  Norodom  I.  und