Transport-Wesen. 29
Zu derselben sind indeß seitdem folgende Erläuterungen und Ergänzungen
ergangen:
3. Die Transporte sollen nicht ohne Bedürfniß eingeleitet, vielmehr deren
Zweck nach den Verhältnissen des Menschen, der Nähe seiner Heimath, des
Grundes seiner Fortschaffung oder den Umständen angemessen, durch Verweisung
an den Heimathsort mittelst Zwangspasses erreicht werden.
Bresl. R. V. v. 26. Oktbr. 1818, A. Bl. S. 369.
4. Zur Vermeidung übereilter Transporte soll allemal eine Communication
mit der Behörde des Bestimmungsortes über die Annahme vorhergehen, und
soll die Erklärung hierüber allemal dem Transportzettel beigefügt werden, zur
Vermeidung der Transportkostentragung oder selbst Ordnungsstrafen.
Bresl. R. V. v. 22. Wril 1835, A. Bl. S. 102. Liegn. R. V. v. 22. April 1835,
A. Bl. S. 128. Opp. R. V. v. 22. April 1835, A. Bl. S. 84.
5. Die Absendung der Vagabunden soll nicht auf Grund deren eigenen Angaben
über ihren Heimathsort erfolgen, sondern wenn diese nicht bescheinigt sind,
erst mit der betreffenden Behörde Rücksprache genommen werden. Auch ist der
Transportande über seine Heimathsverhältnisse, Eltern 2c. ausführlich zu vernehmen,
vor Lügen zu verwarnen, das Protokoll von demselben unterschreiben
zu lassen und das erstere der betreffenden Behörde zu übersenden.
Bresl. R. V. v. 26. Oktbr. 1818. «
6. Alle Transporte müssen jedoch mit Tagesanbruch, im Sommer um 4,
im Frühjahr und Herbst um 5 Uhr, und im Winter um 7 Uhr aufbrechen. Die
Stunde des Abgangs ist in dem Transportzettel zu vermerken. Alle Personen,
welche auf den Transport gegeben werden, müssen mit vollständiger und guter
Fußbekleidung versehen sein. Liegn. R. V. v. 5. Oktbr. 1841, A. Bl. S. 276.
7. Die Transporte sollen so eingerichtet werden, daß der Transport während
eines Sonn= oder Festtags nicht unterwegs zu sein braucht, ohne den Transport
zu unterbrechen. Die Absendung ist demgemäß so zu reguliren, daß Transportat
vor dem Sonn= oder Festtage am Orte seiner Bestimmung eintreffen
muß. M. R. v. 25. Juni 1846, M. Bl. S. 108.
8. Die Einleitung jedes Transports an Sonn= und Festtagen unterbleibt,
und wird jeder bereits eingeleitete an solchen Tagen unterbrochen; ausgenommen
wegen Unsicherheit des Verwahrungsortes an Stationsörtern, Dringlichkeit der
betreffenden Untersuchung oder Ablieferung zu einem bestimmten Termine.
M. R. v. 14. Oktbr. 1856, Liegn. A. Bl. S. 427.
9. Bei Transporten sollen die männlichen von den weiblichen Individuen
abgesondert werden.
Bresl. R. V. v. 15. Aug. 1822, A. Bl. S. 324. Liegn. A. Bl. S. 257. Opp. S. 251.
10. Die mit Transportaten auf den Transport gegebenen Kinder
sollen nicht in die Gefängnisse mit abgeliefert werden, sondern während der Haft
der Angehörigen anderweit untergebracht werden; außer wenn Säuglingen die
Entziehung der Mutterbrust nachtheiliger als der Aufenthalt im Gefängnisse
werden sollte; dann soll aber der Mutter eine gesunde Gefängnißstube oder ein
anderer Aufbewahrungsort angewiesen werden. Nach gleichen Grundsätzen ist in
Ansehung kranker Kinder zu verfahren. Bresl. R. V. v. 26. Novbr. 1818.
11. Die Behörde, welche ein Individuum auf den Transport giebt,
muß für dessen Reinigung von Ungeziefer sorgen; ist dies aber unterlassen, so
muß dies von der nächsten Stationsbehörde auf Kosten der ersteren nachträglich
geschehen. Bei den aus dem Auslande kommenden Transporten liegt dies der
ersten Stationsbehörde ob.
Wird ein Transport nur durch eine Zwischen-Station oder in Folge
vernachlässigter Aufsicht verunreinigt, so sind die Kosten der Nachholung nicht