März [8.)
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auch E. v. Gn. dermassen caution angebotten, dass Sie nit vrsach
gehabt, in I. L. misstrauen zue sezen, — so ist doch endlich, nachdem
mit lachendem munde pro et contra vermeldet worden, dass in
statssachen mann nit allemahl alles so leucht begreiffen könne, die
sachen dahin gestelt worden, wie meine anmahnung aufweiset (welche
ich vmb besserer gwissheit willen, ob ich S. L. gemüet recht
verstanden, zue papir gebracht und S. L. vbergeben vnd von S. L.,
wie sie vnden bei dem puncten der administration auch angedeutet
vnd approbirt worden, hie beygelegt zue befinden).!
Vnd stehet bey E. v. Gn. resolution, ob Sie solche darin gedachte
vorschleg verstendig vnd der sach gemes erkennen welln vnd
meinte [ich], dass Wirtenberg neben E, v. Gn. am ersten mit S. L.
vnd etwa Wurtzburg, Menz oder sonst einem wolaffectionirten
ı „Verzeichnuss etlicher puncten, deren mein herr vetter, herr Maximilian
in Beiren hertzog vor meinem abreisen zu erinnern.“ — I. Der Herzog
ist zu ersuchen, auf alle möglichen Mittel zu denken, damit das geschwächte
Vertrauen imReich wieder gestärkt, Friede und Einigkeit unter allen Ständen
wieder aufgerichtet und allen feindlichen Anschlägen gegen das Corpus des
Reichs oder dessen Glieder — auch von seiten solcher, Jie in der Uneinigkeit der
Stände ihren Vorteil suchen — gesteuert werde. Dasselbe willauch mein Vater
tun. Daaber ds%u vor allem nötig ist, dass die Ursachen zu solchem Mistrauen
aufgehoben werden, so sull jeder Teil seine Beschwerden in möglichster Kürze
und mit Weglassung des Unnötigen zusammentragen. Wenn man damit gefasst
ist, sollen friedliebende Fürsten zusammentreten oder ihre vertrautesten
Räte zusammenschicken, um darüber vertraulich zu kommunizieren und von
Mitteln zu reden, wie man künftig solchem Mistrauen und Weitläufigkeiten
samt dem daraus foleenden Landschaden und Verderben vorbauen könne.
Wenn möglich sollen sich die Räte auch eines Gutachtens vergleichen, um
es ihren Herrn zu referieren; namentlich aber sollen sie darauf bedacht sein,
wie die Justiz wieder in richtigen Gang zu bringen wäre und die unerörterten
Sachen ehestens expediert werden könnten; dabei soll soviel immer möglich
und tunlich den alten Reichssatzungen, Abschieden und dem Religionsfrieden,
die im wesentlichen nicht wol zu verbessern sind, nac n
werden. Diese Fürsten könnten es dann an die andern im Reiche bringen.
II. Weil wegen des passauer Volks eine General-Mutination zu besorgen ist
und dadurch nächst Böhmen dem Reich, vor allem aber dem bairischen Kreis
unwiderbringlicher Schaden zugefügt werden könnte, so wird der Herzog wegen
allem, was dieses Volkes halber gemeldet wird, mit meinem Vater kommunizieren,
den bairischen Kreistag befördern und dem Vater berichten, was für Resolution
von Salzburg kommt, damit man sich ehestens einer Defension vergleichen
und Unheil verhüten kann. Ich vertraue dem Herzog nicht nur wegen der
Kreisverfassung sondern auch wegen der Erbeinigung und Verwandtschaft, dass
er, sobald ihm etwas vorkommt, was meinen Eltern, Brüdern oder deren
Landen zu Nachteil gereichen könnte, uns ehestens Mitteilung machen, dem
Unheil vorbauen oder im Fall widerrechtlichen Zusetzens dies mit der Tat abwenden
helfen und uns zur Erreichung unserer Befugnisse und Rechte behilflich
sein werde. Dasselbe wollen wir dem Herzog und dessen Landen erweisen
und soll man sich gegenseitig aufs äusserste befleissen, gute Nachbarschaft
zu halten und dies auch den beiderseitigen Dienern und Räten einschärfen. —
Die andern Punkte betreffen den kurpfälzischen Administrationsstreit, die
jülicher und die kaisheimische Sache. Actum München den 2 Der
1611 (Ma., 519,3, f.5; eigenhändige Aufzeichnung Wolfgang Wilhelms).
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geistlichen fürsten angedeuter gestalt ein anfang machten, es solte
der gemeinen sach damit nit vbel gedienet sein. Mann würdt aber
mit Wirtenberg behuetsam in communicatione verfahren müessen vnd
fleiss haben zue vnderbauen, dass Büwinkhausen zue diser sach nit
gezogen werde: dann ihme alle handlung, die er nit angespunnen
vnd von E. v. Gn. oder den Ihrigen herkommet, verdechtig sein
würdt.* O.D.
Mb., 343|138, f. 1; eigenhändige Aufzeichnung.!
März [8.]
93. Der Erzbischof von Salzburg an Erzherzog Mir 9.
Maximilian.
Obgleich ich mit meinen Landen durch das passauer Volk in
nicht geringe Ungelegenheit geraten bin, so habe ich doch, nachdem
ich die Gefahr abgewandt, die Rachbegier nie so weit überwiegen
lassen, dass ich mich nicht unverzüglich darauf bemüht hätte, die
zu besorgenden Weiterungen zwischen dem Kaiser und dessen Haus,
soweit es an mir gelegen war, abzukürzen, wie E. L. aus meinen
Schreiben wissen. Nun erhalte ich aber Nachrichten aus Prag,
die mich erkennen lassen, dass die Sache zwischen dem Kaiser
und dem König auf dem äussersten steht, dass aber auch der
Kaiser zur Zeit also gesinnt ist, dass, wenn geeignete Personen sich
der Sache annehmen, er nicht nur zu einem Vergleich sondern auch
zu völliger Zession unter Bedingungen zu bewogen sein wird, was
* An diesen Besuch des Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm in München knüpftein
immer intensiverer Briefwechsel zwischen Neuburg und München an, in dem neben
den konkreten Angelegenheiten der Politik die Frage, wie das verlorene Vertrauen
unter den Reichsständen wieder herzustellen wäre, immer wieder zum Vorschein
kommt. Besonders der alte Pfalzgraf war eifrig in Vorschlägen. In einer Aufzeichnung
aus der Mitte des März regt er an, den Herzog von Württemberg und den
Erzherzog Maximilian, die beide als Freunde einer Komposition im Reiche
galten, ins Vertrauen zu zieben, vielleichi auch König Matthias. Er denkt
daran. dass man die gegenseitigen Beschwerden einander übergebe und deren
gütliche Beilegung versuche; er sieht aber selbst ein, dass es dabei zu heftigen
Auseinandersetzungen kommen und dadurch die gute Absicht vereitelt werden
könnte. Darum sollten Unierte und „Konfoederirte* sich anfangs nur vergleichen,
an den Reichssatzungen, besonders am Landfrieden festzuhalten
und keinen Stand, der ordentliches Recht. leiden mag, mit Gewalt zu unterdrücken,
ihn auch mit getreuer Zusammensetzung bei seinem Recht zu
schützen; alsdann könnte man die Punkte vornehmen, bei denen ein Ausgleich
zu hoffen sei, den Rest könnte man auf einen Reichstag verschieben (Nib.,
343 13®, f. 9; Kopie). — Am 22. März drückt Herzog Maximilian seinerseits
dem Pfalzgrafen Philipp Ludwig seine Geneigtheit aus, die Korrespondenz
wegen Stärkung des Vertrauens im Reich fortzusetzen und dem Pfalzgrafen
und dessen Zugewandten nach Möglichkeit zu willen zu sein (Ma., 519,13,
f.25; Kpt.). Aehnlich versichert der Herzog am 27. März auch Pialzgraf
Wolfgang Wilhelm, dass „souil an mir ich zur ergenzung des altten vertrauens
vnd fortsezung fridlichen wesens im heil. reich je vnd allırog sowol
alss bisher von mir beschehen rathen vnd helffen will, dess versehens man
anderss tailss kbein andere vreach geben sonder zu solchem ende ebensfals
die oonsilia dirigiren vnd das werkh darnach regulieren werde“ (Ma., 519,13,
f. 27; eigenhändiges Konzept des Herzogs).