Full text : Deutsches Wörterbuch. Dritter Band R-Z. (3)

1401

klang,  -laut,  m.  guter,  angenehmer  Klaug,  Laut.  —
Wohlleben,  n.  Leben  in  fortgesetztem  Genusse:  nichtsnutziges
  wohlleben  Treitschke  5,  374;  in  älterer  Spr.
vereinzelnd:  wenn  der  könig  ein  fest  oder  wolleben
hult  Hulsins  7,  102.  —  Wohlsein,  n.  das  Besinden
in  guler  Gesundheit  oder  guten  Umständen.  —  Wohlstand,
  w.  Gesamtheit  dessen  was  wohl  ansteht,  in  Gesellschaft
  angemessen  ist:  wollen  Sie  uns  denn  um  alle
Sittsamkeit  und  um  allen  woblstand  bringen  Gellert
Loos  1,  3;  günstige  Lebensverhältnisse,  gutes  Vermögen:
W.  eines  landes;  im  w.  leben.  —  Wohlthat,  k.,  mhd.
woltät,  gute,  besonders  milde  That;  Wohlthäter,  m.
mhd.  woltoter,  der  solche  That  thut;  wohlthälig,  mhd.
woltætie,  Wohlthat  ausmachend  oder  zur  Wohlthat  gereichend.
  —  wohlwelfe,  Erhöhung  von  weise  (s.  d.)  in
Titeln;  spottend:  die  wohlweisen  kritiker  der  hbauptstadt
  Treitschke  5,  219.  —  Wohlwollen,  n.  substantiver
  Inf.  zu  wohl  wollen  (auch  zusammengerückt  wohlwollen),
  Bestreben  Anderer  Bestes  zu  fördern;  Plur.
nur  in  komischer  Rede:  so  kann  er  sicher  auf  sechs
bis  acht  menschlichc  wohlwollen  rechnen  Freytag
Auff.  1,  15.

Wohl,  n.  Zustand  des  Wohlseins,  Gedeihen,  Heil;
im  17.  Ih.  aus  dem  Adverb  entwickelt:  das  wol,  Oon#em,
selicilas,  prosperitas,  commodum,  das  ewige,  wabre,
höcbste  wol  Stieler;  leibliches,  geistiges,  zeitliches  w.;
für  cines  w.  sorgen;  in  einer  Trinksitte:  trank  auf  das
wohl  der  beiden  städte  Treitschke  5,  178;  Gegensatz
zu  wehe  (s.  d.):  auf  ihm  steht  unser  wol  und  weh
PEerhardt  110,  37;  die  sorge  um  unser  wohl  und
wehe  Freytag  Ahnen  2,  160.  —  wohlig,  behagliche
Empfindung  hervorrufend  oder  verratend,  Weiterbildung
von  wohl,  erst  des  späteren  18.  Ih.:  wies  schlein  ist.
so  wohlig  auf  dem  grund  Goethe  Fischer;  mitten  in

wobliger  bewegung  Keller  Nachl.  229;  in  dem
wohlig  erwürmten  .  zimmer  Wildenbruch  Nov.  55.

Wohnen,  ständigen  Ausenthalt  baben;  in  älterer
Spr.  mit  der  allgemeineren  Bed.  verweilen,  bleiben,
harren,  ahd.  wonẽn,  mhd.  wonen,  altsächs.  wunön,  altengl.
  wunian;  das  goth.  vunsn,  altnord.  una  sich  freuen,
ist  dasselbe  Wort,  und  wirst  auf  die  Entwickelung  des
Begriffs  und  seine  Entsaltung  vom  Gesallen  zum  Bleiben
  Licht;  vgl.  auch  wonne  und  gewohnen.  Die  Bed.
des  Weilens  im  Nhd.  selten:  der  mond,  wie  silbern
er  über  und  unter  uns  wohnt  Herbder  z.  Litt.  4,  39
(der  Eistanz),  vgl.  dazu  beiwobnen;  sonst:  in  cinem
lande,  in  der  stadt,  auf  dem  dorfec,  in  einer  strasze.
einem  bausc  wohnen;  der  gett..  der  im  himmel  wonct
Esra  6,  12;  nur  ausnahmsweise  mit  Acc.,  wie  sonst  bewohnen:
  (sie)  fnden  trauerort  und  wohnen  ihn  Her-Wohlllang,

  -laut  —  wölben.

der  Antwort  auf  die  Felswelhe  an  Psyche  21;  —  von

Tieren,  z.  B.  Vögeln  Matth.  13,  32;  verhüllend,  von
ehelichem  Umgange  1.  Petr.  3,7;  frei,  von  der  Sünde  in
einem  Röm.  7,  17;  die  wahrheit  wohnt  in  der  sonnc
Schiller  1,  12;  ein  tieser  sinn  wohnt  in  den  alten
bräuchen  M.  Stuart  1,7;  es  wohnte  in  dicscm  mannc
ein  schlichtcr.  gerader  sinn  Häusser  d.  Gesch.  3,  124.
—  In  Zusammensetzungen:  Wohnhaus,  n.  rt,  m.
-sitz,  m.,  ätte,  f.,  -stube,  f.,  -zimmer,  n.  Haus,  Ort,
Sit.  Stätte,  Stube,  Zimmer  zum  Wohnen.

Wohnhaft,  mhd.  wonchalt,  wonhsft,  Wohnung
habend,  angesessen.  —  wohnlich,  mhd.  wonlich,  zum
Wohnen  geeignet  oder  einladend:  wohnliche  räume:
den  selten  geöflneten  saal  machte  ein  im  müchtigen
kumin  flackernder  holzstosz  vohnlich  CFMeyer
Ang.  Borgia  141;  mit  Umlant:  ich  mache  mirs  gern
gleich  wöl#nlich  Goethe  42,  343.  —  Wohnung,  1.
mhd.  wonunge,  das  Wohnen;  Räumlichleit  zum  Wohnenanc
  v.  baben,  suchen;  von  Tieren:  wonungen  der
lewen  Hohel.  Sal.  4,  8.

Wölben,  bogensörmig  überdecken;  gemeingermani-Wölbung

  —  Wolle.  1402

des  Uberdeckens  in  Deckel=  oder  Stürzensorn,  altnord.
hvelfa,  etwas  umkippen,  umstürzen,  altengl.  behwylfan,
altsächs.  bihwelbian  überdecken,  zu  goth.  hvilftri  Toten
lade,  altengl.  hwnlf  Stürze,  ahd.  walbo  Deckziegel  gehörig,
  nach  Einführung  römischer  Bankunst  als  Ausdruck
für  die  entsprechende  sremde  Steintechnik  angewendet,
mhd.  welben;  cameralus  gewellst  Dief.;  die  Schreibung
Wölben  hat  sich  seit  dem  17.  Ih.  eingebürgert:  wölben
neben  welben  arcuare  Schottel.  Im  eigentlichen
Sinne,  als  Gewölbe  bauen:  deeke,  keller,  zimmer.
kuppel  (Geibel  7,  156)  wölben;  schatzkammcr,  wann
man  sie  schon  unter  die  erd  welbet  Garg.  31;  kuppelartig
  gewölbte  solide  steinmasse  Moltke  8,  173;  frei:
liccht  ist  dein  kleid  .  du  welbest  es  oben  mit  wasser
Ps.  104,  3;  fusz  des  felsens,  welcher  die  grotte  wölbte
Freytag  Handschr.  3,  299;  gewölbte  angen  Gellert
kranke  Frau  15;  aus  der  breiten  gewölbten  stirn  Häufser
  d.  Gesch.  3,  124;  refl.:  der  himmel  wölbt  sich  uber
uns;  die  schönen  hecken,  die  sich  uber  die  niedrige
kirchhofmauer  wölbten  Goethe  Werther  II.  —  Wolbung,
  k.  das  Wölben  und  etwas  Gewölbtes,  in  eigentlichem
  und  freiem  Sinne:  schwindet,  ihr  dunkeln
wölbungen  droben!  Goethe  Faust  1;  diese  verbindung
(dreier  Kaiserreiche)  an  sich  bildet  ein  starkes  dach  und
einc  starke  wölbung  Bismarck  Red.  14,  180.

Wolf=  m.  Name  des  belannten  Raubtieres;  gemeingermanisches
  Wort,  goth.  vulfs,  altnord.  alfr,  altengl.
altsächs.  wuli,  ahd.  mhd.  woll,  urverwandt  zu  sanskr.
vrka,  griech.  likos,  lat.  lupus,  litt.  vilkas,  altstav.
vlökö,  gedacht  als  reißender  Ränber,  in  Beziehung  zu
griech.  helkein,  zerren,  reißen,  ziehen.  Plur.  In  alter
Spr.  ohne  Umlaut,  noch  im  16.  Ih.:  reiszende  wolfe
Matth.  7,  15;  aber  seit  dieser  Zeit  auch:  welche  wölf
zerreiszen  mehr?  die  unersetliche  Garg.  94,  selt  dem
17.  Ih.  durchaus.  Der  Name  auch  übertragen  auf
andere  gesräßige  Tlere,  namentlich  auch  Insekten  (wolf,
bicnenwolf,  phalauena  Mefloneft,  u.  a.);  ferner  auf
Geräte  verschiedener  Art,  Maschinen  mit  eisernen  Zähnen
zum  Zerreißen  von  Stoffen,  u.  s.  w.;  wolf  oder  joch.  das
Holz,  an  dem  eine  Glocke  aufgehängt  ist;  wolf  ein  Fehler
im  Bauen  Zimm.  Chr.  4,  399;  ein  fehlerhast  geschnittenes
  Brett  Schmeller;  ein  fressendes  Geschwür,  lat.
lupus:  ist  das  der  mensch  einen  pösen  flusz  hat  oder
ein  fistel  oder  ein  pöse  wunden  oder  den  wolf  Ortolf
134;  aufgeriebene  Stelle  zwischen  den  Beinen:  (er  geht
sich)  blasen  und  den  wolf  darzu  H  Sachs  Dicht.  1,97;
viellcicht  hats  auch  .  ein  wölfchen  abgegedben  Bürger
  nene  weltl.  Reime.  —  Zusammensetzungen:  Wolfsbeere,
  f.  atropa  belladonna,  Gewächs  und  Frucht.  —
Wolssbohne,  k.  Feigbohne.  —  Wolfsfuß,  m.,  auch
Pflanzenname,  namentlich  Wasserandorn,  copus.  —
Wolfsgrube,  k.  Fanggrube  für  Wölse.—  Wolfshunger,  m.
bildlich,  überaus  heftiger  Hunger.  —  Wolfslirsche,  (.
Wolfsbeere.  —  Wolfsmilch,  f.  die  Pflanze  euphorbia.
—  Wolssrachen,  m.  Nachen  eines  Wolses;  Mißbildung
im  menschlichen  Rachen,  mit  gespaltenem  Gaumen.  —
Wolfszahn,  m.  Zahn  eines  Wolses;  auch  ein  vor  den
Backzähnen  stehender  überzähliger  Zahn;  sprichwörtlich:
es  sci  kein  man,  er  hat  ein  wollszan  Garg.  129.

Wölfin,  k.  weiblicher  Wolf,  *  wulvinne,  daneben
in  anderer  Bildung  wulpinne:  als  aber  jn  (den  Wolf)
sein  wölfin  such  H  Sachs  Fab.  2,  316.  —  wölfisch,
dem  Wolse  gleich  oder  gemäß:  jr  wöllsch  regiment
Luther  8,  35;  wölhsche  freszgier.  —  Wolfram,  m.
Name  eines  Eisenerzes.  !-Ü⅝

Wolke,  k.  sichtbar  in  der  Lust  schwebender  wässeriger
Dunstball;  westgermanisches  Wort,  ursprünglich  Neutrum,
  altengl.  woleen,  altfrief.  wolken,  altsächs.  wolcan.
ahd.  wolchan,  wolkan,  mhd.  wolken,  vielleicht  zu  altengl.
  weslean  sich  wälzen,  wogen  (vgl.  unter  walken
gehörig;  Ubergang  in  das  Fem.  bereits  im  sräteren  Abd.

sches,  nicht  überall  erhaltenes  Wort  mit  der  Grundbed.  als  wolcha,  Mur.  volchon,  ebenso  im  Mhd.  din  wolke.