490 Sachsen von 1833—1848.
brennereien Anfang 1834, weil sie mit den preußischen nicht
concurrieren konnten, fünf Sechstel stillgestanden, so mehrte
sich die Zahl derer, die mit verbesserten Apparaten wieder in
Gang kamen, seitdem von Monat zu Monat 1). Namentlich
die Fabrikate aus Seide, Schaf= und Baumwolle, deren Appretur
und Bleiche gewannen an Umfang und Vollkommenheit;
gewebte und gewirkte Stoffe wurden ein starker Ausfuhkartikel
und Quelle reichen Gewinns; mit ihnen in Verbindung hob
sich die Garnproduction, und für die Strumpfwirkerei, deren
Blütheepoche in die Jahre 1835 und 1836 fiel, wurde Sachsen
der Hauptsitz in ganz Deutschland; selbst die Handelskrisis von
1837, so schwer sie empfunden wurde, wirkte Dank der Vorsicht
des Fabrik= und Handelsstandes im Ganzen in Sachsen
nicht so störend und tief eingreifend wie anderwärts. Auf der
Zollconferenz zu München im Jahre. 1836 gelang es der sächsischen
Regierung eine Herabsetzung der Zuckerzölle zu erreichen,
wodurch der Abschluß eines Handelsvertrags mit Holland und
damit die Eröffnung eines neuen Absatzgebietes für die sächsische
Industrie ermöglicht wurde. Als nun aber mit dem
1. Januar 1842 der Termin für den vertragsmäßigen Ablauf
des Zollvereinsvertrags, beziehentlich für die Kündigung desselben
herannahte, so stellte Preußen, da seine Zolleinkünfte
durch den Vereinstarif im Vergleich zu früher gesunken waren,
für seine Einwilligung zur Fortsetzung des Vereins die Bedingung
eines anderen Vertheilungsmodus bei der Branntweinsteuer,
bei der es bisher um jährlich eine halbe Million zu
kurz gekommen zu sein behauptete. Sachsen, welches sich durch
diese Forderung zunächst bedroht sah, suchte die bisherige Einrichtung
zu vertheidigen; die Verhandlungen hierüber nahmen
1) Vor 1834 waren in Sachsen 4657 Brennereien in Betrieb, 1837
nur noch 1603 und 1838 giengen weitere 163 ein, wogegen die Zahl
der mit Dampfapparat betriebenen stieg. Es verschwanden die kleinen,
in gewerblicher wie polizeilicher Hinsicht nachtheiligen Brennereien, wogegen
sich der Betriebsumfang und die technische Behandlung vervollkommnete.
Im Jahre 1838 wurden von 1440 Brennereien 159387 Eimer Branntwein
produciert.