Volltext : Reichs-Gesetzblatt. 1902. (36)

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Sind  mildernde  Umstände  vorhanden,  so  kann  auf  Geldstrafe  bis  zu  sechshundert
Mark  erkannt  werden.  Der  Versuch  ist  strafbar.

§.  104.

Dieselben  Strafvorschriften  (§.  103)  finden  auf  den  Schiffsmann  Anwendung,
  welcher  dem  Kapitän,  einem  Schiffsoffizier  oder  einem  anderen  Vorgesetzten
  in  Ausübung  seiner  Dienstbefugnisse  durch  Gewalt  oder  durch  Bedrohung
mit  Gewalt  Widerstand  leistet,  oder  den  Kapitän,  einen  Schiffsoffizier  oder  einen
anderen  Vorgesetzten  thätlich  angreift.

§.  105.

Wird  eine  der  in  den  §§.  103,  104  bezeichneten  Handlungen  von  mehreren
Schiffsleuten  auf  Verabredung  gemeinschaftlich  begangen,  so  kann  die  Strafe  bis
auf  das  Doppelte  des  angedrohten  Höchstbetrags  erhöht  werden.

Der  Rädelsführer  sowie  diejenigen,  welche  gegen  den  Kapitän,  einen
Schiffsoffizier  oder  einen  anderen  Vorgesetzten  Gewaltthätigkeiten  verüben,  werden
mit  Zuchthaus  bis  zu  fünf  Jahren  oder  mit  Gefängniß  von  gleicher  Dauer  bestraft;
  auch  kann  neben  der  Zuchthausstrafe  auf  Zulässigkeit  von  Polizeiaufsicht
erkannt  werden.  Sind  mildernde  Umstände  vorhanden,  so  tritt  Gefängnißstrafe
nicht  unter  drei  Monaten  ein.

§.  106.

Ein  Schiffsmann,  welcher  solchen  Befehlen  des  Kapitäns,  eines  Schiffsoffiziers
  oder  eines  anderen  Vorgesetzten  den  Gehorsam  verweigert,  welche  sich  auf
die  Abwehr  oder  auf  die  Unterdrückung  der  in  den  §§.  103,  104  bezeichneten
Handlungen  beziehen,  wird  mit  Gefängniß  bis  zu  sechs  Monaten  oder  mit  Geld—
strafe  bis  zu  dreihundert  Mark  bestraft.

§.  107.
Mit  Geldstrafe  bis  zu  sechzig  Mark  oder  mit  Haft  bis  zu  vierzehn  Tagen
wird  bestraft  ein  Schiffsmann,  welcher
1.  bei  Verhandlungen,  die  sich  auf  die  Ertheilung  eines  Seefahrtsbuchs,
auf  eine  Eintragung  in  dasselbe  oder  auf  eine  Musterung  beziehen,
wahre  Thatsachen  entstellt  oder  unterdrückt  oder  falsche  vorspiegelt,  um
ein  Seemannsamt  zu  täuschen;

2. es  unterläßt,  sich  gemäß  §.  12  zur  Musterung  zu  stellen;

3. im  Falle  eines  dem  Dienstantritt  entgegenstehenden  Hindernisses  es
unterläßt,  sich  hierüber  gemäß  §.  17  gegen  das  Seemannsamt  auszuweisen;


4.  wider  besseres  Wissen  eine  auf  unwahre  Behauptungen  gestützte  Beschwerde
  gemäß  §.  99  bei  dem  Kapitän  vorbringt;
5.  der  vorläufigen  Entscheidung  des  Seemannsamts  (§.  129  Abs.  3)
zuwiderhandelt.
Durch  die  Bestimmung  des  Abs.  1  Nr.  1  wird  die  Vorschrift  des  §.  271
des  Strafgesetzbuchs  nicht  berührt.